Wochenrückblick

Sterne der Erde

4. Juli 2020

Tomaten, Sterne der Erde, […]
ohne Rinde.
ohne Schuppen oder Dornen,
schenkt uns
ein Fest
von sprühender Farbe
und alles durchdringender Frische 

Pablo Neruda (1904-1973 – aus „Ode an die Tomate“ )

Ade Juni – Hallo Juli

GESTAUNT: über die Entwicklung in den Bienenweiden. Jetzt holen die Sonnenblumen, Kornblumen, Ringelblumen und der Inkarnatsklee tüchtig auf. Was für ein Farbfeuerwerk. Überall summt, brummt und surrt es.

GELACHT: darüber, dass Neruda eine „Ode an die Tomate“ verfasst hatte. Das gefällt mir!

 

GEFREUT: darüber, dass in unserem Hofladen so viele verschiedenen Tomatensorten aus eigener Ernte angeboten werden. Unsere eigenen Tomaten brauchen noch ein bisschen Zeit.

GEREGNET: hat es hier wieder tüchtig. Mein Vorrat an Blumengießwasser ist gedeckt.

GEBACKEN: Brot und Himbeer-Schoko-Muffins

 

GESCHNITTEN: Sonnenblumen. Man muss die Blumenfeste feiern, wie sie fallen.  Auf dem Feld daneben holen die Gladiolen schon mächtig auf.

GESTARRT: nach oben in den kondensstreifenfreien Himmel. In anderen Zeiten werden hier Warteschleifen für den Zürcher Flughafen gedreht. Was für eine Enttäuschung für die Chemtrail-Schwätzer…
Aber Wolkengucken macht eh viel mehr Spaß.

 

GESCHOCKT: dass man in der Schweiz – vor allem in den Grenzkantonen – schon von der zweiten Coronawelle spricht. Klar, bei den massiven Lockerungen und ohne Mund-Nasen-Schutz in den Läden. Seit Montag gilt eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.
Ich fürchte allerdings, dass eine Welle schnell über die Grenze schwappen kann.

GEFEHLT: hat mir nun allmählich aber doch so manche Tour in die Stadt oder über die nahe Grenze, mein Fitnesstraining (auch jenseits der Grenze) etc.

GENOSSEN: dass das Tausendgüldenkraut an der geheimen Stelle immernoch blüht. Inzwischen habe ich andere Ecken abgeklappert, an denen ich es auch schon in den Vorjahren mal entdeckt hatte. Aber entweder es war gemäht worden oder andere Pflanzen haben sich dort ausgebreitet. Das Tausendgüldenkraut zu finden, ist wirklich ein Glücksfall.

 

GEKAUFT: eine Jahreskarte online für den Lieblingspark

GEÄRGERT: über eine muffige, unfreundliche und anmaßende Kassierin in einem Supermarkt. Manchmal ärgere ich mich, dass mir die passenden Antworten erst später einfallen.

GEWUSST: Der Lockenhund weiß immer, wo sich die Enten und Blässhühner im Schilf verstecken. Nur die dummen Menschen wollen das einfach nicht begreifen. Einfach hinterher schwimmen und an die Leine klammern…

 

(unbeauftragte und unbezahlte Werbung, da Nennung von Namen und Buchtiteln)

GELESEN:  C.A. Fletcher: „Der Junge, sein Hund und das Ende der Welt“. Diese eher ungewöhnliche Dystopie konnte ich kaum aus der Hand legen. Sie ist voller unerwarteter Wendungen und großartiger, beeindruckender Bilder. Ich bin mal gespannt, ob andere Bücher im Juli dieses toppen können.
Die Biographie über die schwedische Malerin Hilma af Klint (1862-1944) habe ich gerade erst begonnen. Ihr Werk ist wieder ein Beispiel dafür wie eine männliche geprägte Kunstwelt ihre Arbeit gern unter den Tisch kehren wollte. Julia Voss berichtet davon auf sehr spannende und unterhaltsame Art in „Hilma af Klint – Die Menschheit in Erstaunen versetzen“

GESCHAUT: eine Serie über die Ballettschülerschaft der Pariser Oper auf ARTE

GEWÄHLT: als neues Monatsmotto im Juli das Thema „Überbleibsel“. Vielleicht habt Ihr Lust, Euch im Juli auf Reste und Relikte zu werfen, egal welcher Art…

GEJUBELT: auf einer Wiese voller Schachbrettschmetterlinge. Was für eine Freude!

 

Schachbrett (Melanargia galathea)

 

Am Wochenende werde ich mich wieder dem Quilt-Top zuwenden, das auf meinem Nähtisch auf mich wartet. Außerdem werde ich mal grübeln und planen, wie die Rückseite aussehen soll. Denn es bleiben ja eine Menge Stoff-Überbleibsel, die sinnvoll verwendet werden wollen. Ein bisschen fürchte ich mich, wenn es irgendwann ans richtige Quilten des Quiltsandwiches geht. Das ist im Sommer immer eine recht warme Angelegenheit.

Mal schauen, ob beim Samstagsplausch in Berlin (Blog Karminrot) etwas Erfrischendes angeboten wird. Seid ihr auch dabei?

13 Kommentare

  • Antworten nina. aka wippsteerts. 4. Juli 2020 at 6:43

    Hey, der Verständlich, für den Lockenhund ist es die Normalstelle Sache der Welt, zu den Wasservögeln zu schwimmen, seine Bestimmung, seine Leidenschaft. Aber… Man tät s ihm ja gönnen…
    So eine Freude, das Blumenfeld! Der (fast) blaue Himmel. Tomatenfreuden!
    Eine neue C. Welle in der Schweiz? Oo
    Vielerorts ist Sorglosigkeit und „Egalhaltung“ eingetreten. Hoffe, wir bekommen die Kurve. Im Land ist es noch Mal den Leuten durch die Zustände in der Fleischindustrie vor Augen geführt worden. Da müssten auch Streichhölzer zum Augenöffnung und zwangsweise Hinsehen genommen werden.
    Jetzt aber ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Nina

  • Antworten Sylvia Dunn 4. Juli 2020 at 8:13

    Liebe Andrea, wow der Schmetterling ist ja toll getroffen. Ja das geht mir oft genauso, erst hinter her fällt mir ein was ich hätte sagen können. Seufz. Leider kann ich Dir nicht viel bieten, viel passiert hier auch nicht, außer das lesen von schrecklichen Nachrichten die mich runterziehen.
    Nachher werde ich an meine Nähma gehen und die Bluse beginnen, die bereits zugeschnitten ist. Ja das ist quilten ist anstrengend, das steht mir irgendwann auch bevor.
    Genieße das Wochenende lieben Gruß Sylvia

  • Antworten Centi 4. Juli 2020 at 8:47

    Sehr verdient, dass die Tomate auch mal eine Ode bekommt! Rosen und Lilien und alle sind ja sehr nett, aber Tomaten… doch, man sollte sie öfter besingen!
    LG
    Centi

  • Antworten Pia 4. Juli 2020 at 8:54

    Auf der Südseite des Hauses sind die ersten Tomaten schon Erntereif und es gibt dieses Jahr viele Sterne. Bei uns werden jetzt die Wildblumenwiesen auch gemäht. Da der Schachbrettschmetterling vom Aussterben bedroht sein soll, kommt er diesen Sommer doch recht häufig vor. Mir ist nämlich auch eine ganz Wiese voll begegnet. Anscheinend braucht es gar nicht viel und die Artenvielfalt kommt hoffentlich bald zurück. Schön wäre es.
    L G Pia

  • Antworten Frau Augensternswelt 4. Juli 2020 at 8:58

    Guten Morgen du Liebe,
    das war ja sehr unterhaltsam – wie schön deine Woche so mitzuerleben.
    Ich wünsche dir ein erholsames Wochenende und ganz liebe Grüße
    Annette

  • Antworten Astridka 4. Juli 2020 at 9:35

    Habe gerade von einem Forschungsprojekt zu Wildbienen gehört, und da scheint mir konzertiertes Vorgehen notwendig, statt Kleckereien hie und da – jetzt musste ich unterbrechen, denn Elster & Eichhörnchen lieferten sich einen Kampf in meiner Magnolie – und jetzt ist der Faden. verloren…
    Toll, dass es bei euch so viel regnet, mehr als 20 Liter gab es für uns nicht ( verteilt auf Tage ).
    Grübeln tu ich über dein Monatsthema auch, weiß nicht, ob was dabei herumkommt.
    Zur Schweiz sag ich jetzt mal nichts. Die NZZ stellt das ja alltäglich grafisch sehr anschaulich dar. Ist also nicht alles so falsch bei uns, wie es uns ein Viertel der Mitbürger weißmachen will.
    Bleib gesund!
    Astrid
    Den Neruda find ich klasse!

  • Antworten illy 4. Juli 2020 at 14:36

    Hallo..
    eine schöne Woche wie es scheint. Abzüglich der Kassiererin.. naja..
    Wunderschöne Blumenwiesen habt ihr und schöne Blumen in Verstecken.. ich halte hier Ausschau… und finde so schöne (noch) nicht. Kann ich ja solange bei Dir schauen.
    Frau Hund stöbert am häufigsten Eichhörnchen auf. Wenn sie stehen bleibt und konzentriert in die Bäume blickt, müssen wir lange suchen um das Eichhörnchen zu finden.. in 80% der Fälle ist da eins. In den anderen Fällen hat sie scheinbar nur vergessen, wo sie grad hin will…
    Ach.. die Tomaten… schon wieder vergessen da Triebe abzuknipsen. Hab ich neulich erst im Fernsehen gesehen… Vermutlich kommen bei mir deshalb keine Früchte… oder weil ich keine Ode verfassen kann?
    Ich wünsch Dir ein tolles Wochenende und viel Spass beim Nähen…
    Liebe Grüße
    illy

  • Antworten niwibo 4. Juli 2020 at 17:34

    Heute bin ich nicht beim Samstagsplausch dabei liebe Andrea,
    aber trotzdem schön, bei Dir hier zu lesen.
    Die Tomaten sehe zum Anbeißen aus, sehr lecker.
    Auf Deinen Quillt bin ich auch gespannt.
    Hier wartet jetzt die Bügelwäsche auf mich, also tschö und lieben Gruß
    Nicole

  • Antworten Karin Be 4. Juli 2020 at 19:30

    Das Gedicht musste ich gleich kopieren und an einen meiner Lieblingskollegen weiterleiten. Er führt einen Erdbeer-, Tomaten-, Paprikagarten. Spricht man ihn darauf an strahlen die Augen: Ich mag halt Tomaten und Erdbeeren und ein bisschen scharf.
    Die Schweiz und die neuen Meldungen lassen schlucken.
    Dass Stuttgart seinen Flugbetrieb wieder in Teilen aufgenommen hat ist unüberhörbar – Hauptziele sind Feriengebiete in Spanien und der Türkei. Kein weiterer Kommentar, denn ich zupfe immerhin selbst Färberkamille mit dem Soll-ich-soll-ich nicht-Mantra für meine lange geplante Reise.
    So hübsch, das Tausendgüldenkraut!
    Viele liebe Grüße,
    Karin
    Zu Deinem Monatsthema hätte auch der Ricotta gepasst. Ausnahmsweise war ich einmal zu schnell. 😀

  • Antworten mano 5. Juli 2020 at 7:33

    diese blühstreifen und -felder sind wirklich eine augenweide – nicht nur für uns menschen! gerade sah ich ein feld voller dunkellila malven – mal schauen, ob ich dort nochmal mit dem fahrrad zum fotografieren hinkomme. sonnenblumen allerdings findet man hier zur zeit gar nicht mehr. ist die saat etwa zu teuer für die industrielle landwirtschaft?`?
    auch schachbrettfalter u.a. schmetterlinge – aber leider noch zu wenige – sah ich kürzlich. eine große freude! distelfalter hingegen, die letztes jahr im juni/juli – sogar im norden jütlands – in massen vertreten waren, gibt es zur zeit gar nicht. warum bloß??
    apropos dänemark: auch keine maskenpflicht und nur ein meter abstandswahrung, dafür auch im kleinsten laden am eingang händedesinfektion, die von allen genutzt wurde (bis auf ein paar deutsche…). die zahlen sind seit der lockerung noch nicht gestiegen. hoffen wir, dass es so bleibt.
    dein letztes monatsmotto hab ich wg blogpause nicht mehr geschafft, dabei hab ich doch was dafür gemacht… mal sehen, ob es diesmal klappt, überbleibsel hab ich genug.
    liebe sonntagsgrüße
    mano

  • Antworten kleiner-staudengarten 5. Juli 2020 at 10:14

    Zu schön, die Ode an die Tomate…da fällt mir das Tomatenrondell mit den vielen Sorten auf der Insel Mainau in 2018 ein, solch eine Vielfalt, genial. Die Blumenwiesen sind hier auch wieder bunter, die Regenmenge von 20l/qm hat ihnen gut getan und die Insekten freuen sich. Beim Anblick so vieler Schachbrettfalter hätte ich in deinen Jubel eingestimmt.
    Hab einen gemütlichen Sonntag – lieben Gruß von Marita

  • Antworten Catrin 5. Juli 2020 at 13:59

    Liebe Andrea, du erntest schon Tomaten? Ich muss mich noch eine Weile in Geduld üben, erfreue mich aber derzeit an vielen Gurken 😉
    Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht Catrin.

    • Antworten Andrea 5. Juli 2020 at 14:04

      Hallo Catrin, nein, ich ernte noch keine Tomaten. Habe ich ja geschrieben. Noch muss ich sie im Hofladen kaufen.
      Liebe Grüße
      Andrea

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