Bücher

    Die Nase in Hexenkochtöpfe stecken {Buchtipp}

    24. März 2026

    Da waren wir beide erstaunt, meine Tochter in den Staaten und ich, als wir beim “teamsen” entdeckten, dass wir gerade in dieselbe Fantasy-Geschichte eintauchten. Meine Tochter hörte das amerikanische Hörbuch und ich las die deutsche Übersetzung in Papierform. Mit dem anstrengenden Job , drei Kindern und einer Schar Hühner kann sie entspannede Geschichten sehr gut brauchen. Das Hörbuch scheint auch sehr gut und humorig gemacht zu sein.
    Wer was zum Relaxen mit einer Tasse Kakao oder Tee gemütlich auf dem Sofa sucht, ist hier richtig. Ich selber hab als Leserin andere Bedürfnisse.

    Delemhach Emilie Nikota: „The House Witch 1– Der Koch des Königs“

    Wer in diesen Zeiten der Schreckensnachrichten eine entspannte Auszeit mit einem Buch wünscht, um mal eine Mußestunde in heimeligen Fantasiewelten abzutauchen, ist mit einer „Cosy Fantasy“ gut bedient.
    „The House Witch – Der Koch des Königs“ ist der erste Band einer ebensolchen Fantasy-Serie.Das zauberhafte, detailreiche Cover und der faszinierend gestaltete Buchschnitt nehmen uns gleich mit in eine für dieses Genre typischen Schauplatz voller Gemütlichkeit. Das Setting ist wirklich idyllisch: die Küche eines Königspalastes in einer Fantasyzeit, die an ein moderates, sanftes Mittelalter erinnert.

    Küchenmagie

    Die Welt des Genusses, feinster Gewürze, köstlicher Gerüche und verlockender  Rezepte umgibt einen sofort in dieser heimeligen Schlossküche. Da fehlt eigentlich nur noch eine sanfte Prise Magie. Die kommt mit dem auffällig jungen, gutaussehenden Fremden ins Spiel, der die arbeitsreiche Anstellung als Koch des Königs von Daxaria gerade eben aufnimmt.   

    Finlay „Fin“ Ashowan scheint ein hochtalentierter Koch zu sein. Dass er eine Haushexe mit Fähigkeiten zu niederer Magie zum Schutz des Hauses und seiner Bewohner ist, möchte er zunächst geheim halten. Fin ist ein sehr skurriler, aber liebenswerter Charakter. Nach außen wirkt er recht ungesellig, griesgrämig und auch leicht reizbar. Anfangs traut man sich im Palast kaum zu versuchen, hinter diese abweisende Maske zu blicken.

    Fin steht unter dem starken Einfluss seiner speziellen Magie, mit der er sein neues Heim – das Schloss-  und seine Menschen schützen soll. So hat der magische Koch stets  Gesundheit und Wohlergehen der Leute, für die er köstliche Mahlzeiten zubereitet, im Blick. Seine Kochkünste (eher modern als mittelalterlich) machen auch die Empfindlichsten und Anspruchsvollsten zufrieden und schier glückselig. Vermutlich lässt man am Hofe deshalb dem jungen Mann, der aus Gründen am liebsten allein in der Küche werkelt, viel durchgehen.

    Die Geschichte erzählt den Alltag im und um das Schloss herum, kleine Alltagsereignisse, Sorgen, Kümmernisse, Liebeleien und Streit. Die Gefahr lauert an den Landesgrenzen durch ein aggressives Nachbarkönigreich, das schon seine Finger ausstreckt.
    Die Handlung wird getragen durch Humor, Ironie, Heiterkeit und die verbundene Gemeinschaft des Hofstaates.

    Ein ganz besonderer Hauptcharakter

    Durchgehend gefallen hat mir Fin als sehr ausgefallener Hauptcharakter mit seinen starken Gefühlen und inneren Kräften, getragen von seiner ganz speziellen Magie. Dass das ganze Ausmaß und die versteckten Eigenschaften dieser Magie ihm selber und so auch den Leser*innen bis zum Schluss verborgen bleiben, verleiht seiner Person noch ausbaubares Potential. Es ist interessant, die Geschehnisse mal aus der Perspektive eines niederen Bediensteten zu betrachten. Fin hält sich in dieser Rolle und der scheinbar beschränkten Macht selber für schwach.

    „Ich sorge auf meine eigene Weise für andere, unbemerkt und indirekt. Manchmal kann eine gute Suppe oder ein frisches Butterbrot dazu beitragen, einen furchtbaren Tag aufzuhellen. … Ich tue es, weil ich auf diese Weise die Welt ein bisschen besser mache.“ S. 505

     Die Geheimnisse seiner Herkunft und Fähigkeiten will er  mit niemanden teilen. Das ist schwierig für offene Freundschaften. Seine Entwicklung im Umgang mit seinen Mitmenschen erfährt man mit viel Humor im Laufe der Geschichte.
    So schließt man Fin als Leser*in mit all seinen Marotten rasch ins Herz.

    Der Hofstaat

    Auch die weiteren Charaktere sind recht speziell wie raue Ritter, die bald nach Fins Pfeife tanzen (müssen), ein  friedfertiger, genügsamer König, der Sorge um sein Volk trägt und natürlich ein mysteriöser weiblicher Gegenpart. Was wäre eine Fantasy ohne Tiere? Bald schnurrt (und spricht) in der Schlossküche ein schwarzer junger Kater Kraken, der sich schnell in die Herzen der Menschen schleicht, ganz anders als sein neuer Herr.

    Der weibliche Hauptcharakter, die adelige Annika, wird als schön, schlau, aber auch skrupellos dargestellt. Mir ist es nicht gelungen, mit ihr warm zu werden. Fins Gefühlt dieser Frau gegenüber konnte ich absolut nicht nachvollziehen. Die Liebesgeschichte pendelt hin und her, hat mich persönlich aber nicht überzeugen können.

    Die Fantasywelt um den Koch herum

    Eine Cosy Fantasy lebt von der „Welt“, die die Autorin für die Geschichte entwirft. Die Küche als zentraler Ausgangspunkt ist ein super Ansatz. Der Ort der Handlung befindet sich hauptsächlich am Hofe des Königs mit umfangreichen Hofstaat. Die Welt drum herum bleibt skizzenhaft und unscharf. Zwar trägt das Setting leicht mittelalterliche Züge, z.B. durch die Ritter, wird durch die Akzeptanz von Homosexualität jedoch deutlich kontrastiert. Dass in der Handlung Menschen verschiedener Herkunft und Sexualität akzeptiert werden und respektvoller Umgang z.B. gegenüber Frauen einfordert wird, hat mir gefallen.

    Leider lässt sich die Autorin die Chance entgehen, den Frauen andere Rollen und Gewichtungen als mittelalterliche zu geben. So bleibt es bei der Mutterrolle, Heiratspolitik, Tändeleien und ein bisschen Spionage. Das fand ich ärgerlich. Hier hat man doch als Fantasy-Autorin viel mehr Möglichkeiten. Wesentlich kreativer, vielschichtiger und stimmiger ist der Entwurf der Welt der Hexen angelegt. Davon hätte ich gern mehr gehabt. Hier liegt für mich mehr Potential. Für mein Empfinden taucht der exzessive Genuss von Alkohol (von Trinkgelagen bis zu Gewohnheitstrinken von Hochprozentigem) in der Geschichte zu oft auf, obwohl es für die Handlung eigentlich entbehrlich wäre.

    Cosy Erzählstil

    Der Stil ist leicht lesbar. Der Roman ist tatsächlich eine typische Cosy Fantasy, in der das Erzähltempo eher geruhsam mit flachem Spannungsbogen mäandriert und nur wenige unerwartete Wendungen vorkommen. Der humorige Erzählstil, zusammen mit den leckeren Genüssen aus der Schlossküche lädt zum Relaxen ein.

    Wer also für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen möchte, liebenswerte Helden mit kleinen Marotten, magischen Zauber und Humor aber wenig Action, Brutalität oder aufregende Wendungen erleben möchte, ist mit diesem Roman bestens bedient. Mir persönlich war dieses Tempo zu viel des Guten.    

    Ich bedanke mich beim Klett-Cotta Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
    Auf meine Meinung und Rezension des Buches hat dies keinen Einfluss.

    Delemhach Emilie Nikota:
    The House Witch 1– Der Koch des Königs
    Übersetzt v. V. Topalova u. S. Reinhardus  
    Verlag Klett-Cotta, März 2026
    624 Seiten

  • Wochenrückblick

    Frühlingswoche {Kalenderwoche 12}

    „Eine Frau ist wie ein Teebeutel – man weiß nie, wie stark sie ist, bis sie heißes Wasser bekommt.“ Eleanor Roosevelt (1884-1962) Und eine Schlüsselblume (siehe Foto) ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch…

    22. März 2026
  • Challenges Frühling Kreatives

    Der Lenz ist da! {Bingo}

    “Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen tralala….” Fritz Rotter (die Melodie, die ihr jetzt summt stammt von Walter Jurmann) Heute beginnt der kalendarische/ astronomische Frühling mit derTagundnachtgleiche. Die Natur gibt sich derzeit…

    20. März 2026
  • Wochenrückblick

    Seelenfarben {Kalenderwoche 11}

    Nach der Beschaffenheit der Gegenstände, die du dir am häufigsten vorstellst,wird sich auch deine Gesinnung richten; denn von den Gedanken nimmt die Seele ihre Farbe an. Mark Aurel (121-180) Am letzten Sonntag haben wir…

    15. März 2026
  • Bücher

    Eine ungewöhnliche Freundschaft {Buchtipp}

    Dass ein Tier den Blickwinkel eines Menschen auf das Leben und die Umwelt verändert, ist bestimmt nicht selten. Aber eine Maus? Naja, seit die Wanderratte Rémy in “Ratatouille” die Herzen der Zuschauer erobert hat,…

    14. März 2026
  • Genähtes Kreatives

    Buntes Treiben & Fehlerfreunde {Bingo}

    Bingo: Buntes Treiben Patchwork und Quiltblocks nach genau bemessenen Anleitungen kenne ich ja gut. Aber so ganz frei und bunt zu patchen, habe ich noch nie gemacht. Darauf hatte ich gerade bei dem Bingo-Titel…

    7. März 2026
  • 12telBlick 12telBlick 2026

    Meine 12tel-Blicke 2026 im Februar

    Ich freue mich, dass ich wieder zwei so unterschiedliche Fotostandorte für diese Aktion gefunden habe. Die Marktstätte kennt eigentlich jede/r der/die Konstanz mal besucht hat. Hier herrscht auch am Morgen schon ein bisschen Trubel.…

    28. Februar 2026
  • Monatscollage

    Monatscollage im Februar

    „Die aufregenden Dinge auf der Welt hat ein Mensch sehr schnell satt, und die Dinge, derer er nicht überdrüssig wird, sind meist langweilig. Zwar gibt es in meinem Leben langweilige Perioden, Überdruss jedoch empfinde…

    26. Februar 2026
  • Bücher

    Leben, solange es noch hell ist {Buchtipp}

    Als ich begann diesen Roman zu lesen, markierte ich wichtige, eindrückliche Stellen mit Post-its Irgendwann hörte ich damit auf, weil sonst das ganze Buch damit gepflastert gewesen wäre. Iryna Fingerova lebt seit über 10…

    22. Februar 2026
  • Kreatives

    Gesehen & geöffnet {Bingo}

    Als ich beim Bingo folgendes Feld gesehen habe, musste ich sofort an meine kleine Sammlung an Blechschächtelchen denken, die schon ewig vor sich hin schlummert. Mich kann man öffnen Bei meiner Aufräumaktion im letzten…

    19. Februar 2026