Bücher

    Blick auf das China von heute {Buchtipp}

    13. Mai 2026

    Lang ist es her, dass ich in der Oberstufe eine Unterrichtseinheit über China erlebt hatte. So trocken vermittelt ist leider wenig hängengeblieben. Ganz anders erzählt hier Jung Chang die neuere chinesische Geschichte eindrücklicher als die Geschichtsbücher. Ich werde mir auf jeden Fall auch ihr Debüt “Wilde Schwäne” holen!
    Die titelgebenden Schwäne beziehen sich übrigens auf die Vornamen von Mutter und Töchtern….

    Jung Chang: „Fliegt, Wilde Schwäne. Über China, meine Mutter und mich“

    In der derzeitigen Geopolitik ist China ein bedeutsamer aber undurchsichtiger, gefährlicher Player, über den man eigentlich wenig weiß, weil die Eindrücke von Innen fehlen. Da hoffte ich auf einen sehr persönlichen Einblick durch dieses Buch.

    Die Autorin Jung Chang (*1952) ist in der Volksrepublik China aufgewachsen und hat die Kulturrevolution hautnah miterlebt. 1976 konnte sie mit einem Stipendium ein Ergänzungsstudium in England beginnen, kehrte nach dem Abschluss des Studiums jedoch nicht nach China zurück. Jung Chang ist verheiratet mit dem Historiker Jon Halliday und lebt im Vereinigten Königreich.   

    Schon mit dem Titel „Fliegt, Wilde Schwäne” nimmt Jung Chang einen Faden nach vielen Jahren wieder auf – den Faden ihres 1991 erschienen internationalen Bestsellers „Wilde Schwäne“ (im Original „Wild Swans: Three Daughters of China“). In diesem Debüt erzählte sie damals die ein Jahrhundert umspannende Geschichte ihrer Familie mit dem Schwerpunkt auf den Biographien dreier weiblicher Generationen in China.

    Auch ohne das vor 35 Jahren erschienene Buch gelesen zu haben, kann man problemlos in „Fliegt, Wilde Schwäne“ einsteigen. Für das Verständnis der Handlung wichtige Ereignisse werden wieder aufgegriffen, wie z.B. die erschütternden Erlebnisse ihrer Familienmitglieder während der Kulturrevolution und die politischen Umwälzungen, die ihr Leben formten.

    „Fliegt, Wilde Schwäne“ führt die Familiengeschichte weiter bis in die Neuzeit und fügt die Erfahrungen Jung Changs bei der Recherche für ihre Bücher (u.a. Biographien von Mao und der letzten chinesischen Kaiserin Cixi) in China hinzu. Im Zentrum steht neben Jung Chang ihre unerschütterliche Mutter. Jung Changs ausgedehnte Familie ist über Jahrzehnte Zeuge und Opfer von so viel Leid und Qualen geworden. Trotzdem hat die Autorin furchtlos die Dokumentation dieser Geschichte aufgenommen. Sie zeigt eindrücklich auf, wie nach dem Tod Maos es eine allmählich etwas offenere Haltung dem Westen gegenüber gab. Aber mit dem Regime von Xi Jinping, der nun auf unbestimmte Zeit am Ruder ist, hat sich dies dramatisch verändert. So  versinkt China in eine weitere dunkle Periode.

    Sehr interessant ist es, wie „Wilde Schwäne“, Changs erstes Buch in China aufgenommen wurde und was das für einen Einfluss auf ihr Leben seitdem hatte. In den folgenden Jahren hatte sie nur begrenzten Zutritt nach China. In China ist sie seit 2018 nicht mehr gewesen. Sie hat sich damit abgefunden, dass sie nicht mehr in der Lage sein wird, nach China zurückzukehren. Ihre Mutter war immer voller Angst, wenn ihre Tochter in China weilte. Ihr ist es lieber, dass sie fern, aber in Freiheit im Westen lebt. All ihre Bücher sind in China verboten. Durch die Unfreiheit und die Intensität der nun vorherrschenden Überwachung, ist ihre Angst vor Inhaftierung sehr real.

    Dass Chang bewusst und deutlich eine sehr persönliche Perspektive einnimmt, hat mir sehr gefallen. Somit ist das Buch keine Darstellung chinesischer Geschichte, sondern die Fortsetzung der intensiven realen Familiensaga vor historischem Hintergrund. Die Situation ihrer Familie, ihre eigenen Besuche und ihre wieder zunehmend schwieriger werdende Recherche spiegeln das komplexe Leben unter einem totalitären Regime wider. Gerade diese Erzählhaltung macht das Buch ganz besonders authentisch, eindrücklich, fesselnd, kraftvoll und informativ. Man wird schier überwältigt von der Menge an persönlichen Details, der intensiven Eindrücke und der ergreifenden und emotionalen Erzählweise.

    Mich hat berührt, auf welche Weise Themen wie Freiheit, Überleben und Identität in einem totalitären Regime durch die Verbindung mit realen Menschen und ihrer Biographie viel greifbarer werden. Denn nun treten auch Konflikte wie zwischen politischem Pflichtgefühl und Loyalität zur Familie, Mut, Resilienz und Leidenschaft klar hervor. Die Schilderung der Lage der Menschen dort zerreißt einem schier das Herz.

    Für mich ist dies ein wichtiges und sehr persönliches Buch um das moderne kommunistische China zu verstehen. Zudem hat dieses Buch in mir die Neugierde geweckt, auch das erste Buch „Wilde Schwäne“ zu lesen, um ein umfassenderes Bild von der unruhigen und leidvollen Geschichte des neuzeitlichen Chinas zu bekommen. Beide Bücher sind übrigens in China verboten, was ihre Bedeutung  unterstreicht.

    Ich bedanke mich beim Heyne Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
    Auf meine Meinung und Rezension des Buches hat dies keinen Einfluss.

    Jung Chang:
    Fliegt, Wilde Schwäne. Über China, meine Mutter und mich
    Übersetzt v. Heide Lutosch u. Gabriele Würdiger
    Heyne Verlag: Mai 2026
    400 Seiten

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