Wochenrückblick

Bitter

27. Juni 2020

Man muss die Leute auch mit Schwierigem konfrontieren.
Das ist wie der erste Schluck Campari oder Kaffee –
zuerst bitter, aber dann beginnt man es zu lieben.

Sting 

Johanniwoche

GESCHNITTEN: einen Strauß Sonnenblumen vom Selbstpflückfeld. Dabei summte und brummte es um mich herum

GEFUNDEN: eine geheime Stelle an der das unter strengem Naturschutz stehende Tausendgüldenkraut (erstes Foto) wächst. In der Naturheilkunde wird das feine, zarte Tausendgüldenkraut (Centaurum) übrigens als appetitanregendes Magenmittel verwandt, da es die bittersten Stoffe beherbergt, die die Pflanzenwelt zu bieten hat.
Ist es nicht zauberhaft anzuschauen?
Nicht weit davon entfernt stand übrigens dieser Heilziest (Bild unten), ein altes, fast vergessenes Heilkraut. Bienen und Hummeln mögen ihn auch.

GESESSEN: 1 1/2 Stunden (!) in einem vollen (!) Wartezimmerbereich einer (für mich neuen) Orthopädiepraxis, der auf sämtliche Flure bis zu einer Veranda ausgedehnt worden ist. Der Orthopäde scheint zwar gut zu sein, das Terminmangement allerdings nicht. Der Arzt trug außerdem keinen Mund-Nasen-Schutz.
Herr Zitronenfalter war derweil beim Hausarzt, der diesbezüglich mit vorbildlicher Sorgfalt und Zeitplanung glänzte.

GEKAUFT: eine zweite Orchidee. Ja, angespornt durch mein Monatsmotto werde ich fast übermütig.  Habt Ihr im Juni auch mal etwas ganz Neues ausprobiert?

GEJUBELT: als ich endlich mal ein paar Schmetterlinge entdeckt habe…  Trotzdem, es sind erschreckend wenige

 

GEFRAGT: werde ich ab und an nach schönen zielführenden Wegen, die man abseits vom Verkehr und den dicht befahrenen Radwegen nutzen kann. Durch die zwanzigjährige Hunderundenerfahrung weiß ich so manchen feinen Weg, der allerdings nicht geteert ist.

GEKNICKT: das Thema Abstand, denn an Abstandhalten scheint keiner mehr interessiert. Die Bilder aus der Innenstadt mit dichtgedrängtem, begeisterten deutschen und schweizer Einkaufsbummlern jagt mir Schauer über den Rücken. Auf den Wegen kann einen manchmal der allzu brave große lockige schwarze Hund von zuviel Nähe retten. Aber nur manchmal.

 

GELACHT: im Abendsonnenschein. Schaut Euch mal das Foto oben an. Wisst Ihr was das ist?

GEMOCHT: die rotgoldenen Ähren auf dem Feld, die in der Abendsonne leuchten.

GEWÖHNT: ist man ja allmählich an das seit Corona modisch gewordene Kinnläppchen, das an den Ohren hängend kess unter dem Gesicht getragen wird. In dieser Woche sah ich in einem Bioladen die Variante des Nasenlappens – der unter die Nase geschoben praktisch auch Schnupftücher ersetzen könnte – und des Schrägvisiers. Ein bisschen sind Visiere trotz der ritterlichen Herkunft in Verruf gekommen. Senkrecht getragen kennt man sie eher, hier wurde es keck in die Diagonale geschoben.

GESCHÜTTELT: den Kopf,  wie der schwedische Staatsepidemiologe versucht, über  Ausflüchte und Anfeindungen der WHO sein (und das der Regierung) Versagen in der Coronakrise zu kaschieren. Fehlentscheidungen, Verachtung von Menschenleben und Überheblichkeiten, die unverhältnismäßig vielen Menschen das Leben gekostet haben. Irgendwie erinnert mich das an die USA. Dort kommt Der-dessen-Namen-einem-im-Hals-stecken-bleibt ja auch zu der Erkenntnis, dass vermehrtes Testen zu höheren Fallzahlen von Infizierten führt. Scheint ansteckend zu sein… also das Testen… oder so…

GEPFLÜCKT: wilde Himbeeren.

 

(unbeauftragte und unbezahlte Werbung, da Nennung von Namen und Buchtiteln)

GELESEN: Gerade habe ich die Dystopie von C.A. Fletcher: „Der Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ begonnen. Die Welt ist leer geworden, da die Fortpflanzungsfähigkeit bei den meisten Menschen verloren gegangen war. Doch wie ist es um die Menschlichkeit der Übriggebliebenen bestellt?
Damit die Pandemie draußen und die Dystopie auf dem Sofa mich nicht niederringen, habe ich mir noch ein Buch über eine Pionierin der abstrakten Malerei geholt. Da sie ihr bedeutendes Werk zeitlebens nicht ausgestellt hatte und verfügte, dass es erst 20 Jahre nach ihrem Tod gezeigt werden dürfte, wurde ihr Name erst in den 1980iger Jahren bekannter. Die Schwedin Hilma af Klint (1862-1944) war ihrer Zeit weit voraus.
Ich bin sehr gespannt auf die ihre Biographie von Julia Voss:“Hilma af Klint – Die Menschheit in Erstaunen versetzen“

GESCHAUT: das neuste Video von MaiLab

 

GEWARTET: hat der brave Hund hier wieder im Gras liegend, während ich das Tausendgüldenkraut fotografierte. Oje, schon wieder saugt sich eine Mücke auf der Hundenase voll…

GENÄHT: drei Blusen für mich. Auch was Neues im Juni

GEWACHSEN: sind die Zucchinipflanzen in den Kübeln und im Hochbeet.

 

Das Wochenende scheint ja recht nass und gewittrig zu werden. Das sieht nach Lesen und Nähen aus. Außerdem wollte ich Euch noch vor Monatsende doch noch mein Lieblingsbuch des Juni vorstellen.

Was macht Ihr am Wochenende?

Wie immer treffen wir uns bei der Berliner Andrea (Blog Karminrot) zum liebgewonnenen Samstagsplausch. 

 

 

18 Kommentare

  • Antworten Gartendeko-Blog 27. Juni 2020 at 8:31

    Liebe Andrea,
    oh ja es ist keine gute Zeit für Arztbesuche, ich hoffe Du hast keine Beschwerden mehr, ansonsten gute Besserung! In der Natur brauchen wir zum Glück keinen Mundschutz, da kann man sich noch frei bewegen und genießen. Schöne Inspirationen hast Du eingefangen, danke dafür!

    Herzliche Grüße
    Monika

  • Antworten nina. aka wippsteerts 27. Juni 2020 at 8:42

    Ach so schöne Fotos wieder und wie so oft, lässt mich Dein Samstagsplausch nachdenklich zurück.
    hm, nachdenken tu ich auch beim besagten Foto, meine erste Eingebung war sehr simpel, ein Gerstenfeld im Sonnenschein im günstigen Winken 🙂 Bin sehr über die Auflösung gespannt.
    Hab ein schöne Wochenende. Hier sollte es schon gestern schlimm blitzen und donnern und regnen, aber es zeiht mal wieder alles vorbei. (Haben am Wochenende eine Geburtstagseinladung im Freihen mit Wanderung)
    Liebe Grüsse
    Nina

    • Antworten Andrea 27. Juni 2020 at 10:21

      Hallo Nina,
      mehr ist auf dem Foto auch nicht zu finden. Aber ich fand die Färbung der Grannen sehr schön. Die war auf dem Feld auch
      sehr unterschiedlich. Und im Abendsonnenschein fand ich sie fein.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Antworten niwibo 27. Juni 2020 at 9:19

    Heute bin ich auch bei Andreas Samstagsplausch dabei und lese mich nun fröhlich durch die Runde.
    Schön war Deine Woche, aber außer den roten Ähren auf dem Bild, habe ich nichts entdeckt… ???
    Ja, die Sache mit dem Herrn aus den USA weitet sich immer mehr aus, ich hoffe, es gibt im November genug vernünftig Denkende, die ihn vielleicht nicht mehr haben möchten…
    Nun wünsche ich Dir einen gemütlichen Samstag, lieben Gruß
    Nicole

  • Antworten Astridka 27. Juni 2020 at 10:31

    Sting und Campari – gefällt mir immer wieder! Deine Nachdenklichkeiten auch, aber es sind nicht die Menschen in der realen Umwelt, die mich nerven. Meine Erfahrungen dort in dieser Woche waren durchgehend positiv. Mal schauen, wie es heute bei der dringend erforderlichen Fußpflege sein wird…
    Tolle Blümchen hast du entdeckt ( ist ja besser, sie dort stehen zu lassen, bekomme ich ja immer wieder mal zu hören )! Ein buch über Hilma af Klint habe ic h auch auf meinem Wunschzettel stehen, aber meine Frauenliste ist inzwischen so voll und die Zeit für die Schreiberei wird immer knapper…
    Ein schönes Wochenende!
    Astrid

    • Antworten Andrea 27. Juni 2020 at 13:11

      Hallo Astrid, ich bringe immer mal wieder kleine Blumensträuße mit heim. Allerdings lasse ich das Tausendgüldenkraut unberührt.
      Es ist geschützt und so selten.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Antworten illy 27. Juni 2020 at 12:59

    Hallo Andrea,
    wieder so schöne Bilder.. 😉
    Die Zucchini sehen bei Dir so ähnlich aus wie meine.. beruhigend.. da scheint das doch zu funktionieren.
    Zeitmanagement bei Ärzten.. die einen habens drauf, die anderen gar nicht. Wüsste auch gerne, woran das liegt. Hoffentlich war die Warterei zumindest gut für positive Nachrichten?
    Über die Nachrichten mag ich derzeit gar nicht nachdenken. Gegen runterziehen durch Nachrichten, Dystopien und Pandemie helfen mir grad Kinderbücher. 😉
    Jetzt muss ich aber wieder an meine to-do..
    Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende und das richtige Wetter für Deine Vorhaben..
    illy

  • Antworten kleiner-staudengarten 27. Juni 2020 at 13:35

    Hallo Andrea,
    wie schön, das Tausendgüldenkraut … als homöo. Globuli kenne ich es nicht eher als Bachblüte Centaury…toll, dass ich nun die blühenden Pflanze vor Augen habe. Die Ignoranz oder Verdrehung von Tatsachen in Bezug auf das Virus macht mich schon fassungslos, aber auch die Vorgehensweise der Entscheidungsträger unserer Nachbarstadt, die alle Bewohner aus den Hotspotkreisen seit Mi. stigmatisiert…da ist jetzt zum Wochenende GsD ein Zurückrudern – was unseren Kreis betrifft – erfolgt. Uppps, eigentlich wollte ich gar nichts dazu schreiben sondern mich an deinen schönen Bildern erfreuen.
    Ich wünsche dir ein feines Wochenende – lieben Gruß, Marita

  • Antworten Pia 27. Juni 2020 at 13:59

    Das Zitat von Sting hat so viel wahres. Es heisst ja auch: was dem Munde bitter ist dem Herzen süss. Das Tausendgüldenkraut habe ich glaube ich noch nie in Natura gesehen und würde es sicher nicht einmal erkennen. Aber man sieht wieder vermehrt seltene Blumen und Pflanzen in der Natur. Neulich habe ich Türkenbundlilien entdeckt, (darf man das so noch schreiben:-) hoffentlich lassen es die anderen Spaziergänger auch stehen. So lange Wartezeiten sind eigentlich nur tolerierbar wenn ein Notfall dazwischen kommt.
    L G Pia

  • Antworten Karin Be 27. Juni 2020 at 14:48

    Du bringst mich auf Gedanken! Irgendwo müsste ich noch einen Campari stehen haben!
    Das Nichtberücksichtigen der Hygieneregeln stößt mir genauso auf und ich merke wie dünnhäutig ich geworden bin. Dagegen war ich am Freitag überrascht, wie diszipliert und angenehm das Einkaufen in einem großen Discounter auch gehen kann. Mitten auf der Schwäbischen Alb sitzen die Masken und Schilde richtig, man hält Abstand, mosert nicht gleich herum, wenn es nicht weitergeht. Im Gegenteil, man hält s/ein Schwätzchen, ist entspannt. Vielleicht bin ich auch nur auf einen Sonderfall getroffen, aber ich hatte nicht den Eindruck.
    Tolles Pflänzchen! Stehen lassen und sich die Stelle merken, denn vielleicht vermehrt es sich.
    Ein schönes Wochenende wünscht, mit vielen Grüßen,
    Karin

  • Antworten Magdalena 27. Juni 2020 at 17:35

    Die Bilder sind eine wahre Wohltat. Eigentlich gefällt mir das ruhige Leben, wollen wir hoffen, dass es mehr Vernunft als Unvernunft gibt.
    LG
    Magdalena

  • Antworten Die Glücksfinderin 27. Juni 2020 at 21:16

    Hallo Andrea,

    deine Bilder sind einfach ein Traum. Habe ich schon mal gesagt, oder? Macht aber nichts!

    Dein Lockenhund ist wirklich sehr geduldig bis du die Fotos gemacht hast. Mein Jungspund hat da noch nicht so eine große Ausdauer.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

    Viele Grüße von
    Tanja

  • Antworten nic 27. Juni 2020 at 21:42

    Liebe Andrea,
    mit den Grannen kann das nur Gerste sein, aber in der Farbe ist sie mir neu…wir hatten heute ordentlich Gewitter und Regen, da haben die Schotten hoffentlich kühlen Kopf bewahrt. Wir haben hier auch die Benidorm und Ballermann-Klientel wie an den Stränden in Bournemouth und Wales, aber die Polizei schreitet auch dagegen ein – während die Meadows in Edinburgh z.Z, reichlich gefüllt sind (ohne WCs), wurde Kelvingrove Park in Glasgow geräumt. Dazu muß ich aber auch sagen, daß wir den ersten Wochentag ohne Todesfall hatten, im Großen und Ganzen funktioniert Nicolas Vorsicht im Moment. Nur dürfen sie nun nicht leichtfertig werden – die nächste Kurve kommt bestimmt.
    Wir tasten uns vorsichtig an Phase 2 heran in der Arbeit…
    Ich wünsche einsame Pfade, angenehme Temperaturen und Schmetterlinge! LG ♥nic

  • Antworten Sylvia Dunn 27. Juni 2020 at 22:10

    Hallo liebe Andrea, wieder so schöne Bilder. Ja und wenn man die Menschen um Abstand bittet sind sie sehr unentspannt. Ich bin es manchmal echt leid. Aber ich habe gerade gelesen, das die meisten Menschen in Deutschland Corona nicht schlimm finden. Was kann man dazu schon sagen.
    Wow Du hast tatsächlich Blusen genäht. Da bist mir voraus. Ich habe heute meine Gürteltasche fertig bekommen.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Lieben Gruß Sylvia

  • Antworten Ursula 28. Juni 2020 at 13:09

    Wunderschöne Bilder hast du wieder gemacht Andrea. Und so tolle Stimmungen eingefangen. Hier geht es zurück zur Normalität. Im Büro sitzen wir wieder zu viert im Zimmer, kleinere Besprechungen finden wieder statt und wir waren Samstag nach 3,5 Monaten wieder in unserem Lieblingscafe Frühstücken also Cafe und Brezel und Franzbrötchen.
    Hat sich soooo gut angefühlt.
    Ein schönes Wochenende und viel Freude mit den Orchideen.
    LG
    Ursula

  • Antworten Catrin 28. Juni 2020 at 13:26

    Liebe Andrea, deine Fotos wieder ….. ein Augenschmaus, danke dafür.
    Ich habe in diesem Monat nichts Neues ausprobiert, außer vielleicht das eine oder andere Rezept 😉 Ich finde es ebenso unmöglich, wie die Leute „kuscheln“ seit sie den Mundschutz tragen müssen in den Geschäftten. Ein bisschen Vorsicht ist ganz bestimmt gut und wichtig und das noch eine ganze Weile.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünscht dir Catrin.

  • Antworten Anne Sommer 29. Juni 2020 at 9:00

    Ihr Blog : Mein absoluter Lieblingsblog❤️

  • Antworten Ivonne 29. Juni 2020 at 20:30

    Hallo Andrea,
    deine Bilder sind wieder ein Traum. Ich habe im Harz eine Pflanze gesehen, bei der ich immer noch nicht rausgefunden habe, was es sein könnte.
    Ich habe dieses Jahr viele Schmetterlinge. Schon komisch, wie das von Jahr zu Jahr sich ändert. Ich wünsche dir eine gute Woche und einen schönen Start in den Monat Juli
    Lieben Gruß
    Ivonne

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