Wochenrückblick

Einfach zuhause bleiben

21. März 2020

Die einzige Art, gegen die Pest zu kämpfen,
ist die Ehrlichkeit.

Albert Camus (1913-1960)

Meine distanzierte erste Frühlingswoche

GEHALTEN: Abstand

 

GEBLIEBEN: sind mir bis zuletzt noch die Tulpen in der Vase, die auch im bizarren Vergehen noch schön sind. Schlüsselblumen habe ich keine gepflückt, so haben noch alle anderen was davon.

GEKAUFT: Lebensmittel im Bioladen, wo an jedem Regal stand, dass man sich auf maximal drei Artikel pro Sorte beschränken sollte.  Sehr vernünftig.

GESCHLUCKT: schwer, beim Anblick dieser Litfaßsäule. Es traf genau meinen Eindruck dort in der Stadt am letzten Samstag (außerdem sollte man das Rauchen sowieso schon längst aufgegeben haben, falls man es überhaupt je begonnen hatte).

GEHABT: immernoch Halsweh…

GELEERT: haben sich die Stadt und die Straßen. Irgendwo am Seeufer sollen wohl Menschenansammlungen gesehen worden sein.

GENERVT: über die Ignoranz vieler, vor allem aus der jüngeren Generation. Ich glaube nicht, dass die ältere Generation Party machen würde, wenn es um das Leben ihrer Kinder und Enkel ginge. Erschreckend, dass manche Leute den Ernst der Lage nicht begreifen und ihren Egoismus ausleben. 

 

GEHÖRT: täglich den Virologen-Podcast

GESCHOCKT: über die Nachricht der zunehmenden Waffenkäufe in den USA. Irgendwie muss man ja sein Klopapier verteidigen…

 

GENOSSEN: den frühmorgendlichen Rundgang mit dem Hund durch den (noch) einsamen Park und die Farbenpracht der Blumen dort.

GEFREUT: dass zum Ende der Woche meine Nähmaschine aus der Werkstatt abzuholen war. Der Laden war eh schon seit Anfang der Woche geschlossen. Die Übergabe in der (abgelegenen) Werkstatt klappte problemlos mit wirklich großem Abstand voneinander.

 

GEGESSEN: wenig. Mir geht allmählich der Appetit abhanden

GEPLANT: hatte ich ja in diesem Monat „den Frühling selber zu machen“ .  Doch ins Gartencenter kann ich momentan nicht, dafür habe ich immerhin schon die Osterkiste in Angriff genommen. Immerhin ist jetzt die Nähmaschine heimgekehrt, was für mich ein kleiner Lichtblick ist. Mal schauen, ob ich es wenigstens schaffe, etwas Frühlingshaftes zu nähen.

 

GELACHT: über den abgetauchten Schwan, den ich endlich einmal genau beobachten konnte.

GETRUNKEN: Tee, Tee, Tee, Kaffee, Tee…

GESEHEN: schöne  Sachen in der Natur. Ein prächtiger Fuchs ist uns über den Weg gesprungen, ein Eichhörnchen um die Ecke gehüpft und bei der Abendrunde machte der Hund  uns auf Igel aufmerksam.

(unbezahlte Werbung da Nennung von Namen und Buchtiteln)

GELESEN: das vielgepriesenen Buch von Sigrid Nunez: „Der Freund“ hat mich nicht angesprochen. Vielleicht ist es nicht der richtige Moment dafür gewesen.
Nun tauche ich in den Bestseller aus Frankreich ein, das Debüt von Victoria Mas: „Die Tanzenden“, in dem es um couragierte Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts geht. Ich brauche jetzt einen Roman, der meine Gedanken für eine Zeit vollkommen bannt.

GESPRUNGEN: ist der Lockenhund in den erstbesten Bach, denn in ihrem schwarzen Lockenpelz gekleidet, empfindet sie die plötzlichen Frühlingstemperaturen schon als zu hoch.

 

GEWARTET: auf das Quaken der Frösche

GETROFFEN: immer wieder Eltern mit ihren Kindern im Wald.  Sonst sieht man dort so gut wie nie Kinder. So hat sogar diese Krise noch ein Gutes: die Kinder kommen der Natur näher.

 

Nein, heute werden wir nicht auf den Wochenmarkt gehen, denn so sehr er Ritual ist und wir ihn sehr lieben, es ist einfach zu drubbelig dort. Wir waren gestern im Hofladen, den wir fast für uns hatten. Also brauchen wir heute morgen nur schnell zum Lieblingsbäcker huschen und vielleicht gleich zusätzlich ein bisschen Brot zum Einfrieren kaufen.

Die Nähmaschine und die Osterkiste warten auf mich. Wir bleiben zuhause oder verziehen uns mit dem Hund in den finsteren Tann‘. Vorher kuscheln wir uns aber digital beim Samstagsplausch der Berliner Andrea (Blog Karminrot).

 

 

 

22 Kommentare

  • Antworten frau nahtlust 21. März 2020 at 7:31

    Auch hier leben wir in Reduktion 😉 Heute wird ein wenig gewerkelt und dann gibt es zur Aufheiterung vielleicht Waffeln. Das Leben bleibt schön, es ist die Einstellung, die wichtig ist. Insofern: Bleib gesund und mach es dir schön! LG. susanne

  • Antworten Andrea Karminrot 21. März 2020 at 7:45

    Nähmaschinenübergabe an der Hintertür! Das hat schon etwas von einem Krimi!
    Auch bei uns scheint der Wald plötzlich eine besondere Anziehungskraft auf die Familie mit Kind zu haben. Im Grunde schön…

    In Gedanken trinke ich meinen Kaffee mit dir
    Andrea

  • Antworten Sylvia Dunn 21. März 2020 at 7:59

    Liebe Andrea, wow so schöne Bilder in einer eigentlich sehr schönen Frühlingszeit. Nur dieses Jahr ist es ebend sehr viel anders. Aber wir machen das Beste draus und irgendwann ist auch diese Zeit vorbei.
    Ich wünsche Dir gute Besserung.
    Schön dass Du nun wieder nähen kannst. Mach und tu Dir etwas Schönes. Habe ich gestern auch gemacht. Habe Bestellungen für Stoff und Wolle gemacht.
    Lieben Gruß Sylvia

  • Antworten nina. aka wippsteerts 21. März 2020 at 8:18

    Was für eine Schwanenbild – mein lieber Schwan.
    Und die Nähmasichnenübergabe fand ich auch sehr gut, wie Andrea, krimihaft.
    Ansonsten,… ja, Garten, Natur, ohne Kontakt, die eigne Familie. Kreatives, interesting times.
    Hoffe, Du findest ganz viele wunderbare Sachen, die Du nähen kannst, weiterhin so schöne Gänge (ach Deine Fotos wieder) und bleibt gesund und tapfer.
    Nina

  • Antworten Centi 21. März 2020 at 8:32

    *kicher* „… und die Welt steht still“ ist natürlich zur Zeit ein passender, aber zweischneidiger Werbeslogan.
    Der Schwan ist auch ganz herrlich. jetzt weiß ich endlich, warum die so lange Hälse haben!
    LG
    Centi

  • Antworten Die Glücksfinderin 21. März 2020 at 8:51

    Wow, das Schwanenbild ist genial! Du hast echt ein Auge für wunderbare Motive! Ich kann mich echt nicht erinnern, dass ich schon einmal einen Schwan aus so einer Nähe beobachten konnte!
    Ich drücke dir die Daumen, dass die Halsschmerzen bald wieder besser sind!
    Schön, dass du deine Nähmaschine wieder hast. Dann kannst du ja jetzt wieder loslegen.

    Pass auf dich auf!
    Viele Grüße von
    Tanja

  • Antworten illy 21. März 2020 at 8:55

    Hallo Andrea,
    hm.. ja.. Frühlingsdeko verteilen klingt nach einem guten Plan.
    Schön, dass die Nähmaschine wieder da ist, bestimmt lässt sich was frühlingshaftes Nähen..
    Ansonsten ist es hier ähnlich, Hunderunden solange es noch geht. Frau Hund ist eher wasserscheu, zu Kühlung fängt sie jetzt an ihr Winterfell zu verlieren…
    Viel Spass beim nähen wünscht
    illy

  • Antworten Kunzfrau 21. März 2020 at 9:11

    Von den vermehrten Waffenkäufen habe ich eben im Radio das erste Mal gehört und war entsetzt. Was ist Amerika nur für ein Land geworden?
    Ja und die Unvernunft, insbesondere der jungen Leute, entsetzt mich auch. Für etliche besteht das Leben nur aus Spaß. Schön wenn es so wäre. Ist es aber leider nicht und insbesondere jetzt nicht.
    Heute im Supermarkt ging es einigermaßen. Die Leute haben aordentlich Anstand gehalten. Aber während des Anstehens steht man ja zwangsläufig zwischen den Regalen. Leider gibt es dann Menschen, die sich an dir vorbeidrängeln, weil sie an ein Regal wllen. Eine kurze Ansage würde da schon helfen.

    So wünsche ich dir alles Gute. Bleibe gesund!
    Marion

  • Antworten Regula 21. März 2020 at 9:23

    Findet der Wochenmarkt überhaupt statt? Und der Natur kann Corona nichts anhaben. Die Vögel singen, die Blumen blühen. Es ist Frühling geworden, auch wenn Mensch im Haus bleibt. Alles Gute! LG von Regula

  • Antworten Sheena 21. März 2020 at 9:32

    guten morgen,

    Ohja bei uns haben sich die Strassen auch sehr geleert, fast so leer wie am Sonn und Feiertagen. Bei uns im Supermarkt ist nun alles abgeklebt mit Markierungen, damit der Abstand versucht wird einzuhalten, was aber am Ende nur an der Kasse klappt.
    Bei uns wurde der Wochenmarkt abgesagt.
    Das Schwanenbild finde ich ebenfalls sehr schön gelungen.

    Hab ein schönes Wochenende, lass es dir gut gehen und bleib gesund.

    Herzlich Sheena

  • Antworten Frau Pratolina 21. März 2020 at 9:46

    Liebe Andrea,
    Mich schockiert nicht nur die Jugend mit ihren Corona-Parties. Es sind auch die älteren, die nach wie vor im Cafe sitzen, die Familien, die Restaurants und Eisdielen frequentieren. Die Frau, die im Drogeriemarkt die Verkäuferin anhustet und ihr einen qualvollen Tod wünscht, weil sie nur ein Paket Klopapier kaufen darf. So weit sind wir schon.
    Ich bleibe zu Haus. Ich habe genug Beschäftigung, das ging mir auch schon ohne Corona so.
    Liebe Grüße
    Steffi

  • Antworten Pia 21. März 2020 at 11:30

    Was jetzt, wollen die Amis das Virus erschiessen!!!
    Das macht mir am meisten Sorgen wie auf der Welt mit der misslichen Lage umgegangen wird.
    Du und ich sind ja in der Priveligierten Lage ein sicheres Zuhause und Naherholungsgebiet zu haben.
    Ich bin mir sicher, dass du die nötige Ablenkung an der Nähmaschine finden wirst.
    Schau gut auf euch und bleib Gesund das wünscht dir, Pia

  • Antworten Nicole/Frau Frieda 21. März 2020 at 13:31

    Ein Igel war schon unterwegs, liebe Andrea. Na, hoffentlich bleibt es warm bei Euch. Bei uns sollen kommende Nacht -3 Grad werden. Das wäre für das Igelchen fatal. Ich habe vor ein paar Tagen ein Interview gesehen, bei dem eine junge Erwachsene in etwa folgendes gesagt hat: „Mich betrifft es nicht. Ich überlebe. Und die älteren.. pff.. vielleicht wird meine Generation später sagen, ja hätten wir mal, aber das werden wir dann sehen!“. Ich war total geschockt. Da bin ich froh, dass meine beiden Jungs von sich aus zu Hause bleiben wollen. Was hat mein Kleiner gesagt? Meine Mama und mein Papa und meine Großeltern sind mir wichtig. Ich möchte, dass es ihnen gut geht und dass wir bald wieder alle zusammen normal leben können. Viel Spaß mit der Nähmaschine und mit der Osterkiste. Bleib tapfer, stark und gesund.Herzlichst, Nicole

  • Antworten Birgitt 21. März 2020 at 13:59

    …so ein tolles Schwanenbild, liebe Andrea,
    da warst du zur richtigen Zeit dort…dann gute Unterhaltung mit Nähmaschine und Osterkiste…

    und bleib zuversichtlich und gesund,
    liebe Grüße Birgitt

  • Antworten Agnes Wichate 21. März 2020 at 14:39

    Liebe Andrea,
    interessante Wochenbilder hast du gezeigt. Und wenn deine Nähmaschine zurück ist, dann kann keine Langeweile aufkommen. Aber die derzeitige Situation verbreitet schon Unbehagen und Ängste und das Ausmass können wir sicherlich noch nicht erfassen. Freuen wir uns über unseren Garten und über die Natur.
    Liebe Grüße
    Agnes

  • Antworten Ivonne 21. März 2020 at 18:03

    Hallo Andrea, bei uns sind leider auch viele Ältere sehr unvernünftig. Treffen sich beim Bäcker zum Kaffeetrinken, sitzen im Supermarkt im Eingangsbereich (da hat der Fleischer einige Sitzplätze) und beobachten die Leute und machen sich lustig über die, die Abstand halten. Ich kann da wirklich nur den Kopf schütteln.
    Ich wünsche dir ein schönes, kreatives Wochenende…. pass gut auf dich auf
    Liebe Grüße
    Ivonne

  • Antworten swig – filz felt feutre 21. März 2020 at 21:11

    Profitier von Deinen Spaziergängen! Hier darf man nicht mehr in den Wald und auch nicht an Strand oder Fluss. Die Bußgelder sind richtig hoch. Denn leider waren auch hier viele Leute zu unbekümmert…
    Liebe Grüße und frohes Nähen!

  • Antworten Karin Be 21. März 2020 at 23:56

    Liebe Andrea,
    meine Erfahrungen der Woche waren die gedankenlose Ich-Bezogenheit der Jungen bei ihren Corona-Partys und der Alten bei Kaffeekränzchen und Stammtischen zum das-könnte-unser-letztes-gemeinsames-Bierchen-sein. „Ach, in China ist doch alles schon wieder gut.“
    Freut mich, dass Du Deine Nähmaschine wieder im Haus hast. Ich werde eher das Spinnrad laufen lassen, oder ganz was anderes in Angriff nehmen. Besondere Tage brauchen vielleicht neue Beschäftigungen.
    Übrigens, in Apotheken gehen neben Paracetamol auch Kondome und Schwangerschaftstests ganz gut über die Tresen.
    Viele liebe Grüße,
    Karin

  • Antworten Astridka 22. März 2020 at 0:06

    Ich habe sogar gehört, dass der Bürgermeister von Baltimore aufgerufen hat, weniger aufeinander zu schießen, weil jetzt die Spitalsbetten für Coronapatienten gebraucht würden. Dieses Land werde ich nie verstehen…
    Leichtes Halsbweh habe ich auch immer noch von der Kneipperei und doch prompt bei der Arzeneibestellung für den Gefährten mich selbst vergessen. Beim Nachordern habe ich einen Zusammenbruch des Netzes erlebt, wie schön lange nicht mehr. Alles irgendwie anders, ich weiß noch nicht wie. Aber gestylt habe ich inzwischen auch zum 1. Mal.
    Frohes Schaffen mit der Nähmaschine! Habe morgen auch viel vor…
    Drücker, virtuell, daher virenfrei!
    Astrid

  • Antworten Anni 22. März 2020 at 7:34

    Liebe Andrea,
    ein schöner Wochenrückblick mit schönen Fotos. Vielen Dank dafür und für deine Gedanken. Ich habe im Supermarkt festgestellt, dass einem tatsächlich die Alten auf die Pelle rücken und mehrfach gesehen, wie sich betagte Menschen an der Bäckertheke erst in die eine, dann in die andere Hand gehustet haben. Himmel, da wird mir schon in Nicht-Corona-Zeiten schlecht allein vom Zugucken. Egal wer und wie – es ist sicherlich gut, dass nun zumindest die Menschentrauben draußen aufgelöst werden. Und vielleicht hören die Leute auch auf, sich in ihren Gärten in Massen zu treffen oder zuhause zum Film-/Spieleabend zu verabreden… In der ganzen Krise finde ich die Ausgangsbeschränkungen das allerkleinste Problem (viel schlimmer die wirtschaftlichen Auswirkungen und dass da sicherlich einige auf der Strecke bleiben werden), aber es scheint, dass viele Menschen mit sich und ihrer Familie alleine nichts anfangen können und geradezu einen Drang haben, immer mit vielen anderen zusammen zu sein. Wie auch immer, ich mag mich nicht ärgern, ich freue mich, dass heute die Sonne scheint und ich freue mich, dass du so schöne Fotos zeigst.
    Bleib gesund, pass auf dich auf und #stayhome – das neue Mantra! 🙂
    Herzensgrüße
    Anni

  • Antworten Ingrid Mörke 22. März 2020 at 9:17

    Liebe Andrea,
    wir machen es ähnlich…reduzierte Kontakte…Spaziergänge in der Natur…die scheint sich nicht um den Virus zu scheren…das ist beruhigend…

    Liebe Grüße
    Augusta

  • Antworten niwibo 23. März 2020 at 16:03

    Liebe Andrea,
    hier ist es ähnlich.
    Einmal am Tag gehe ich einkaufen, dann bleiben wir alle zu Hause bis auf einen Spaziergang am Rhein, das muss einfach sein.
    Und sonst genieße ich die Zeit mit den Jungs, die lieber bei Papa und Mama untergekommen sind als alleine in der Uni-WG.
    Alle Termine sind sowieso abgesagt, also, wir #stayathome…
    Dir einen schönen Nachmittag und ich schicke sonnige Grüße
    Nicole

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