Monatsmotto Rezepte

Rapunzel, Rapunzel … märchenhaft und gesund

21. Februar 2019

Geht es Euch auch so, dass es Euch jetzt, wo der Frühling greifbar nah ist, nach etwas ganz frischem Grünen gelüstet?  Auf dem Wochenmarkt greife ich momentan jedenfalls ganz besonders großzügig beim Rucola, Portulak/ Postelein oder Feldsalat zu.

Sagte ich  gerade Feldsalat?  Nennt Ihr  ihn so oder eher Ackersalat, Nüssli- oder Vogerlsalat, Sonnewirbele oder gar Rapunzel (wie wir es hier meist tun)? Wir sprechen ja vom Selben  – botanisch Valerianella locusta. Anspruchslos ist der Rapunzelsalat, hält Minustemperaturen stand und ist in ganz Europa verbreitet.
Bevor dieser nährstoffreiche Salat im späten Mittelalter in Kultur genommen wurde, war die wildwachsende Pflanze in der Naturmedizin bekannt.
Die  eher im Süddeutschen verbreitete Bezeichnung Rapunzel stammt übrigens aus dem Lateinischen:  rapunculus = Rübchen. Die rübenförmigen Wurzeln lagen da wohl zugrunde.

Außerdem ist die Rapunzel auch Namensgeberin eines der bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm. Und damit wären wir bei meinem Monatsmotto ‚Märchenhaft‘.  Klopfen wir mal bei den Grimms an…

Die Geschichte des Märchens

Die Gebrüder Grimm nahmen das Märchen „Rapunzel“ 1820 in ihre Sammlung der Kinder- und Hausmärchen auf. Sie benutzten für ihre Fassung die Vorlage von Joachim Christoph Friedrich Schulz, die wiederum auf älteren französischen und italienischen Vorbildern beruhte.  Bei diesen stand dann eher die Petersilie im Zentrum der Begierde:  Das Feenmärchen von Charlotte-Rose de Caumont La Force: „Persinette“1698  und  das Pentamerone von Giambattista Basile im Pentamerone : „Petrosinella“1634/36.
(Gut, ‚Petrosinella‘ hört sich auch weitaus netter als Name des jungen Mädchens an als zu deutsch ‚Petersilie‘. Dann lieber Rapunzel…)
Es ist anzunehmen, dass die Grundlage dieser literarischen Märchendichtungen alte überlieferte Volksmärchen waren.

Das Märchen

Habt Ihr das Märchen noch im Ohr? Oder kennt Ihr es vielleicht gar nicht?

Der typische Heißhunger einer werdenden Mutter richtet sich auf die Rapunzeln, die die Schwangere im Garten der Nachbarin erblickt. Ihr Mann stiehlt den Salat seiner Frau zu liebe mehrmals aus dem Garten, bis er von der Besitzerin, einer Zauberin, auf frischer Tat erwischt wird. Als Bestrafung und zur Auslösung muss er ihr das erwartete Kind versprechen.
Die Zauberin holt das Kind, ein Mädchen, nach der Geburt, und nennt es nach dem Objekt der mütterlichen Begierde „Rapunzel“.  Als es 12 Jahre alt wird, wird das Mädchen von der Zauberin, die sie „Frau Gothel“ nennt, in einen einsam gelegenen Turm ohne Tür gesperrt. Um in den Turm zu gelangen, muss Rapunzel ihren langen Zopf herunter lassen, so dass die Zauberin daran hinauf klettert.

Ein fremder Königssohn wird durch Rapunzels Gesang zum Turm gelockt und beobachtet heimlich, wie die Zauberin in den Turm gelangt. Als diese fort ist, benutzt er den erlauschten magischen Satz: „Rapunzel, Rapunzel, lass mir dein Haar herunter!“, klettert zu dem Mädchen hinauf und gewinnt ihre Zuneigung. Doch Rapunzel verrät sich versehentlich der Zauberin gegenüber. Die schneidet ihr daraufhin den Zopf ab und verbannt Rapunzel. Mit Hilfe des abgeschnittenen Zopfes lässt sie den ahnungslosen Königssohn wieder in den Turm steigen, bedrängt ihn, dass dieser verzweifelt vom Turm springt. Das Dornengestrüpp, in das er fällt, verletzt ihm die Augen so sehr, dass er erblindet.

Während der Königssohn kummervoll und blind durch die Welt irrt, gelangt er zu dem Ort, wo Rapunzel verbannt wurde. An ihrem Gesang erkennt er sie wieder. Erst Rapunzels Tränen können die Blindheit des Königssohns heilen. So kehren die beiden gemeinsam in sein Königreich zurück.

Das Märchen bietet einige starke Bilder, die zur weiteren Interpretation einladen:
Die Rolle der Frau: der Schwangeren, des Mädchens am Anfang der Pubertät, der Zauberin.

Die Zauberin wird in dem Märchen  auch als „die Alte“ oder von Rapunzel als „Frau Gothel“  (d.h. die Patin) bezeichnet. Dieser spezielle Garten lässt da an eine kräuterkundige, weise Frau denken. Weise Frauen kamen ja in jenen Zeiten (die sehr langen andauerten) schnell in den Ruch, eine Hexe oder mit dem Teufel verbunden zu sein. Die Tatsache, dass sie über den Verlust des Rapunzelsalats so besonders wütend war, zeigt dessen besondere (magische ?) Bedeutung.
Auch der Zopf des Mädchens ist ein typisches Bild für den Träger von seelischen oder magischen Kräften.

Doch heute wollen wir gar nicht das Märchen interpretieren, sondern stibitzen nur die magischen Rapunzeln aus dem Garten und machen uns davon….

Da erblickte sie ein Beet, das mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt war, und sie sahen so frisch und grün aus, dass sie lüstern ward und das größte Verlangen empfand, von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wusste, dass sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blass und elend aus. Da erschrak der Mann und fragte: „Was fehlt dir, liebe Frau?“ „Ach„, antwortete sie, „wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich.

Rapunzels Vater wird wohl beherzt den Korb gefüllt haben, so dass seine schwangere Frau feine Speisen daraus bereitet hat. Vielleicht sind ihr irgendwann die Salatvariationen langweilig geworden.

Dann würde ich ihr ein feines Rapunzel-Pesto empfehlen

100 g Rapunzelsalat
30 g Mandelmus
40 g geriebener Pecorinokäse (Parmesan tut es auch)
1 – 2 Esslöffel Zitronensaft
45 ml gutes Olivenöl
etwas Salz (nicht zuviel, wegen des Käses)

Den Rapunzelsalat gründlich waschen und putzen. Eine Hälfte oder 3/4 des Salats in kochendem Wasser ganz kurz blanchieren. Dannach abtropfen lassen und ausdrücken.

In einer Küchenmaschine (neudeutsch food processor), Pürierstab o.ä.  zusammen mit dem Olivenöl, Zitronensaft und dem geriebenen Käse zerkleinern und vermischen. Zuletzt das Mandelmus unterrühren. Auf Wunsch noch ein wenig Wasser hinzufügen.

 

Fertig. Das ging ganz flott, das schafft auch eine hochschwangere Frau, die nicht ewig in der Küche herumstehen möchte.

 

 

Passt gut zu Nudeln – lang wie ein Zopf oder eher gelockt und kurz? (Ich hab die langen, glatten Reisnudeln genommen…).
Lecker und sooo gesund. Da muss man nicht erst schwanger werden, dass einem die Lust auf Grünes packt…

 

  • Bei meiner Linkparty haben sich auch schon andere von Euch märchenhaften Rezepten zugewandt. Zum Beispiel
    Eva-Maria mit einem Gewürzkuchen aus 1001 Nacht 
  • Friederike mit Haselnusskipferl inspiriert vom Ludwig Bechsteins Märchen „Das Nusszweiglein“.

Eine Woche noch ist die Linkparty offen für Eure märchenhaften Beiträge.

 

 

 

 

 

 

 

  • Eva 21. Februar 2019 at 6:46

    Guten Morgen Andrea,
    das ist ja fein. Ich sage meist Ackersalat dazu, weiß aber auch, dass es Rapunzel ist.
    Dein Thema gab etwas zu früh, sonst hätte ich dir noch den Märchengarten im
    Blühenden Barock in Ludwigsburg zeigen können.
    Ich habe zwar Bilder, aber die sind nicht so geeignet, weil die Kinder drauf sind.
    Ich mache meist Feldsalatsüppchen, das schmeckt auch sehr lecker.
    Aber Pesto habe ich noch nie gemacht, schaun mer mal.

    Vielen Dank für die schönen Bilder und ich sende dir mal einen lieben Gruß Eva
    bin gespannt auf dein nächstes Thema, wenns tatsächlich nähen ist, dann habe ich was.

    Lieben Gruß Eva

  • Ein Garten in der Steiermark 21. Februar 2019 at 7:39

    Das Rezept hört sich superlecker an… Uns erinnert Pesto immer an Urlaub. Wir haben einen kleinen Campingbus und wenn wir damit herumreisen, gibt es meistens Pesto… Wenn ich es essen, erinnere es mich immer an Sonne, Meer und Urlaub… LG

  • Claudia 21. Februar 2019 at 7:42

    Hmmm, liebe Andrea,
    jetzt hab ich Appetit! Ich liebe Rapunzelnsalat ( bei uns heißt er „Vielläppchen“ ( Pfalz) …
    Danke für das leckere Rezept, das Pesto gefällt mir sehr gut!
    Ich wünsche Dir einen freundlichen und zufriedenen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  • Astridka 21. Februar 2019 at 8:55

    Hasenöhrchen“sagen wir auch noch…
    Ich mag den Namen sehr, den Salat auch ( ich glaube, den essse ich am häufigsten von allen ) und erinnere mich noch an die Schwierigkeiten bei der Anzucht, die meine Mutter das Beet immer mit einem feuchten alten Sack abdecken ließ. Pesto daraus zu machen ist eine hübsche Idee!
    LG
    Astrid

  • Nicole Bolten 21. Februar 2019 at 11:54

    Bei uns heißt er Feldsalat und kommt jede Woche auf den Tisch.
    Wir mögen ihn alle, am liebsten mit Tomaten, Paprika und Nüssen.
    Lecker.
    Dein Pesto klingt auch gut, das werde ich bestimmt mal ausprobieren.
    Ganz lieben Gruß
    Nicole

  • Magdalena 21. Februar 2019 at 13:55

    Der Name „Rapunzel“ ist auch für den Salat viel netter als unser norddeutscher Feldsalat. Das Märchen gehört zu meinen besonders geliebten und das Pesto ist einfach und schmeckt besonders lecker.
    LG
    Magdalena

  • Schwarzwaldmaidli 21. Februar 2019 at 19:52

    Wir sagen zu Hause Sunnewirbele und ein Tal weiter heißt er Ritscherle.
    In den Wintermonaten essen wir nur Feldsalat und am liebsten mit Speckwürfel.
    Liebe Grüße
    Anette

  • mano 22. Februar 2019 at 8:57

    einen namen kannst du noch für den feldsalat hinzufügen! bei uns im nordhessischen hieß er nämlich „nüsschen“ und wenn meine großmutter ihn machte sagte sie immer “ ich sitze hier und putze nüsschen, wer mich liebhat, gibt mir küsschen“. das haben wir als kinder natürlich immer gern getan und jedesmal wenn ich heute rapunzel zubereite (den ich sehr liebe!), muss ich an meine heißgeliebte oma denken! ich mache zwar jetzt blogpause, aber vielleicht gelingt es mir noch, mein lieblingsrezept für nüsschensalat aufzuschreiben.
    liebe grüße
    mano

  • Ivonne 22. Februar 2019 at 17:26

    Hmmmmm, das klingt ja lecker!
    Ich kenne Rapunzel eher unter Nüsschen oder Feldsalat.
    Besonders gerne esse ich ihn mit gerösteten Kürbiskernen und gutem Kürbiskernöl. Vielleicht ein milder Ziegenkäse dazu und Baguette …
    Danke für das neue Rezept, ich werde es bestimmt versuchen
    Liebe Grüße
    Ivonne

  • Pia 22. Februar 2019 at 19:04

    Oh Nüsslisalat gibt es bei uns auch im Garten und den essen wir am liebsten mit Karamellisierten Baumnüssen. Und das schönste ist, der versamt sich immer selber auf den Beeten. Dein Pesto tönt sehr lecker und wird von mir ausprobiert.
    L G Pia

  • Mandy 22. Februar 2019 at 23:07

    Ich kenne es tatsächlich nur als Feldsalat, wieder was dazu gelernt, toll.
    Das Rapunzel-Pesto werde ich unbedingt nachmachen, hört sich wunderbar an und Mandelmus habe ich sogar zu Hause. Ich bin gespannt und freue mich drauf. Vielen Dank für die Inspiration.
    Nun stöbere ich gleichnoch ein bisschen bei Dir.
    Liebe Grüße von der Insel Rügen, Mandy

  • Friederike 28. Februar 2019 at 21:34

    einen weiteren Namen für diesen Salat muss ich noch anführen: in Österreich heißt er Vogelsalat… ich finde, so schön wie Rapunzel klingt kein anderer Name… lg