Wochenrückblick

Es ist an der Zeit

24. Juli 2021

Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben,
sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.

Lucius Annaeus Seneca ( etwa 4 v. Chr. bis 65 n. Chr.)

Meine Julisommerwoche

GEFREUT: dass ich endlich in diesem Sommer mal einen Schmetterling vor die Kamera bekomme. Dafür musste ich mich langsam anschleichen. Die beiden Radfahrer*innen auf dem Waldweg waren wohl etwas verwundert über den braven alten Fotobegleithund, der ganz professionell unbeweglich neben mir stand.

GEFRAGT: warum ein Autofahrer mein Auto am Waldrand so zuparken musste, dass ich den alten Hund nicht mehr über die Heckklappe einsteigen lassen konnte. Gut, dass der Hund auf das Kommando „Sitz und Bleib“ verlässlich folgt, so dass ich den Wagen zwei Meter vorfahren konnte. Der alte Lockenhund ist jedes Mal stolz wie Oskar, dass er das so perfekt macht und die Top-Belohnung verdient hat. (Das verlässliche Sitzen und Abliegen habe ich selbst im Wildpark mit freilaufenden Rehen geübt, als der lockige Wildfang jung war.)

GERAUSCHT: die Bäche und Rinnsale. Allerorten sind sie aus ihren Betten gestiegen und haben die Wege genutzt. Das Bild unten zeigt ein normalerweise zartes Bächlein, dass hier eigentlich unter dem Weg verläuft. Doch das Rohr ist überlastet, so dass sich der Bach über den ganzen Weg ergießt. Trotz der Hitze und Trockenheit ist es an solchen Stellen gleichbleibend nass.
Das sind immer wieder Momente unterwegs, wo die Gedanken in die Überflutungsgebiete gehen.

GESCHÜTTELT: den Kopf über Motorradfahrer, die einen trotz Blinkers links überholen, und über Wildpinkler…

GESTANDEN: im Stau und somit habe ich meinen Zahnarzttermin verpasst. Wäre ja ganz nett gewesen, wenn vorher angekündigt worden wäre, dass in der morgendlichen Hauptverkehrszeit, die wichtigste Einfallstraße verengt und immer wieder gesperrt wird. Und das für die gesamte Woche!

GEWESEN: Blogfaul. Ich wollte lieber die Sonne draußen genießen.

unbezahlte und unaufgeforderte Werbung da Nennung von Namen und Buchtiteln.

GELESEN: Gerührt hat mich immer wieder „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ von Laura Imai Messina. Es ist schon merkwürdig, dass man sich schon Wochen vorher eine Lektüre auswählt, die plötzlich unerwartet so erschreckend genau in die Gegenwart passt. Eine Geschichte, in der die Katastrophe eines Tsunamis, Verlust der Liebsten, Verzweiflung, Leid und Suche nach Trost eine tragende Rolle spielen.
Mit Hisham Matar bin ich gerade „Ein Monat in Siena“.  Eine wunderschöne eindrucksvolle Novelle über Kummer, Geschichte, Kunst, Reisen, menschliche Beziehungen. Man möchte gleich nach Siena reisen!
Auch habe ich ein recht gutes, aufbauendes und vorbereitendes Hundebuch in der Hand von Martina Nau: „Pubertät und wilde Zeiten. Wenn Hunde schwierig werden.“ Zwar habe ich diese Phase schon dreimal miterlebt, aber noch nie bei einem Rüden…

GEHÖRT: meinen Lieblingssender

GESCHOCKT. über die Rechtsextremen und verqueren Tatsachenleugner, die jetzt die armen Flutopfer heimsuchen. Nach all dem Leid auch noch die braune Flut. Es ist nicht zu fassen!

GEFORDERT: endlich vernünftige Maßnahmen die die Bevölkerung vor Naturkatastrophen und anderen Gefahren warnen können. Aber bitte nicht wieder die übliche Task-Force einsetzen, die wir aus den letzten Monaten kennen.
Und verschiedene Ebenen benutzen: von Sirenen bis zu Warn-SMS. Nicht, dass wieder Sturm- und Totenglocken geläutet werden müssen (immerhin hingen die noch, so das Geistesgewärtige sie nutzen konnten….)-
Und wenn unsere Politiker*innen und Behörden das angeleiert haben, könnten sie ja gleich ihre Zeit und ihr Streben der Klimapolitik zuwenden. Das Maß, an dem wir sie messen werden.

GESTOCHEN: wurden nicht nur wir Zweibeiner von den nervigen Schnaken (Stechmücken), sondern auch der arme alte Lockenhund. Da schaue ich mir das Foto von unserer kurzen Pause an und entdecke gleich wieder so einen Blutsauger auf der Nase (seht ihr sie auch?). Deswegen kehre ich oft mit blutigen Händen von der Hunderunde, weil ich mehrmals dem Hund die Mücken aus dem Gesicht gestrichen habe.

Meine siebzehnte Woche mit Flint

GEBELLT: Flint findet es langweilig, wenn er in der Hundeschule zu lange warten muss. Vorallem die Fragerunde am Ende hält er für überflüssig und tut seinen Unmut laut kund. Menno. Ich muss noch den Knopf zum Ausschalten finden.

GESTAUNT: über die Fortschritte des kleinen Collies. Wagt er sich an dem einen Tag nicht über den breiten Strom des übergelaufenen Bachs (nur breit, nicht tief! Siehe obiges Foto), der sich über den Weg ergießt, überwindet er sich ein paar Tage später. Ja, er traut sich an diesem Tag gleich mehrere Pfützen und Matschwege zu. Bleibt ihm auch nix anders übrig im Moment…

GESCHAFFT: waren sowohl der Hund als auch ich, weil wir in der prallen Nachmittagssonne wegen überfluteter Wiese einen Umweg laufen mussten. Manche Runden muss ich momentan einfach streichen.

GETRAUT: Mittlerweile traut sich der kleine Hund morgens und abends die gewundene Treppe ins obere Stockwerk selber zu laufen. Der anfängliche Respekt vor einer Sache und dann der Mut, sie anzugehen, ist gerade ganz typisch für ihn.

GEÜBT: die Kommandos „Such“ und „Bring“. Momentan muss ich noch sehr aufpassen, wo der junge Hundeherr sein Spielzeug in der Wiese ablegt…

GEMERKT: dass Flint geradewegs auf die Pubertät zugeht. Da heißt es aufmerksam zu sein. Sicherheitshalber ist die 8m-Schleppleine am Geschirr.

GEFUNDEN: doch noch eine Menge Bienenweiden wie hier unweit des Sees. Gerade blüht der Natternkopf, die Sonnenblumen kommen auch eben.

GESUCHT: nach vernünftigen Warn-Apps für das Smartphone.

GEMOCHT: Die Wilde Möhre (siehe unten). Ich mag jeden Sommer aufs Neue diese zarten und filigranen Blüten, die sich nach dem Erblühen zu einem Korb zusammenziehen. Auch in Sträußen machen sie sich gut. In England werden sie „Queen Anne’s Lace“ genannt, also die Spitzen der Königin Anne. Die Blüten der wilden Möhre sollen sie wohl zum Klöppeln feinster Spitzen inspiriert haben. Ich muss jedes Jahr an die Geschichte denken, nach der die Königin sich während der Handarbeit in den Finger stach, so dass ein Tropfen Blut in die Mitte fiel. Eine Charakteristik der Wilden Möhre 😉 …

Mein Wochenende

Der Samstag startet wieder mit der Hundeschule. Gut, dass das Gewitterrisiko erst ab dem Nachmittag steigt. Wir wurden heute morgen gleich mit trommelnden Regenschauern und Gewittern geweckt. Die Wetterprognose hat sich ziemlich gedreht. Na, das wird lustig….
Im Haus ist letzte Woche einiges liegen geblieben. Das wird dann eben angegangen, wenn es am Wochenende regnet.
Flint hat im Garten in der vergangenen Woche ein Regenrückhaltebecken gegraben. Oder er wollte vielleicht auch eine Passage nach Neuseeland finden. Als Alternativprogramm werde ich ihm am Wochenende Clickertraining im Haus anbieten.
Am Sonntag werde ich ins Krafttraining gehen. Eigentlich hätte ich gern auch in der Woche mal trainiert, aber durch den Dauerstau ging das nicht. SOOO lange wollte ich den jungen Hund jetzt doch noch nicht alleine lassen.

Treffen wir uns wieder beim Samstagplausch in Berlin (bei Andrea, Blog Karminrot).

  • Centi 24. Juli 2021 at 7:47

    Hach, wie immer schöne Fotos! Wilde Möhren mag ich auch gerne. Mich fasziniert immer diese eine einzige dunkelrote Blüte in der Mitte. 😀
    LG
    Centi

  • Andrea Karminrot 24. Juli 2021 at 8:34

    Eine Gartennachbarin, gibt gerade ihren pubertierenden Rüden wieder ab! So hat sie sich das nicht vorgestellt, ihre Aussage! Wenn ich könnte…
    Das Wasser und die braune Flut ist furchtbar.
    Komisch mit den Büchern, oder. Ist mir auch schon oft passiert.
    Mach dir ein schönes Wochenende.
    Andrea

  • kleiner-staudengarten 24. Juli 2021 at 9:33

    Dein Bienenweiden-Seeblick ist klasse und auch die Wilde Möhre mit ihren vielen Besuchern mag ich sehr…hier scheint die Sonne und da heißt es gleich „Ab ins Beet“.
    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir – lieben Gruß, Marita

  • Astridka 24. Juli 2021 at 9:34

    Der gute alte Seneca, mein Hausgott oder so…
    Dass du grade ein passendes Buch zur Hand hast, finde ich bemerkenswert. Bei mir hat es grade zu einem schönen Text gereicht. Aber dafür hatte ich sehr viel Abwechslung bei mir zu Hause. Arbeit sowieso. Mit einer gewissen Erleichterung haben wir zu Beginn der Woche zur Kenntnis nehmen dürfen, dass die Freunde wieder in ihr Haus zurück konnten und ihres sowie der Freundin an der oberen Ahr erhalten geblieben ist. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind allerdings sehr begrenzt. Die Aktivitäten unserer besonderen Freunde dort finde ich perfide und machen auch mich wütend.
    So ein zarterer Doldenblütler als die Wilde Möhre hat sich in meinem Garten breit gemacht und ist jetzt in der Vase gelandet. Genaures weiß ich noch nicht.
    GLG
    Astrid

  • illy 24. Juli 2021 at 10:16

    Guten Morgen,
    hach.. so ein schöner Samstagsplausch.. Sehr gerne von Deiner Woche gelesen…
    Komischerweise sind bei uns die Stechviecher eher auf uns zu finden und vom Hund sammeln wir Zecken runter (eigentlich eine gute Aufteilung, wenn ich so drüber nachdenke).
    Wilde Möhre hats hier auch jede Menge, muss mal besser auf die Mitte achten, ob es wirklich die gleiche Pflanze ist.
    Oje.. Hundeschule im Regen und das mit Flint … oh ha. Da wünsch ich gute Nerven.
    Luna ist kein sehr geduldiger Fotobegleithund. Wenn ich mich an ein Fotomotiv ranschleiche muss sie als erste gucken, was es da zu sehen gibt. Meistens dann nichts mehr.. *gg*
    Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende
    Liebe Grüße
    illy

  • Pia 24. Juli 2021 at 17:26

    Ja auch ich wurde mit Donnergrollen das aus der Ferne kam geweckt heute Morgen, geregnet hat es dann aber nicht bei uns. Ja wenn man jetzt an den Wilden Möhren und den vielen Flockenblumen vorbei geht, sind die Insekten nicht mehr weit. Auch ich habe die Sommerwoche mehrheitlich draussen verbracht und nächste Woche hätte ich auch gerne Sommerwetter, die Enkelin kommt in die Ferien.
    L G Pia

  • Manu 25. Juli 2021 at 15:17

    Ach, ich bin immer wieder gerne hier und lese was so unter der Woche los war. Ei, ich habe vor drei Wochen – also im völlig falschen Monat – einen Maikäfer gesehen, und wie ich mich so mit der Kamera angeschlichen habe, war er auf einmal weg. Deshalb ein Daumen hoch zu deinem tollen Schmetterlingsbild!
    Oh, diese Autoparker, da könnte ich auch immer… Neulich hat so ein SUV neben uns geparkt, es hat geschüttet wie aus Eimern, der Fahrer saß im Auto und ich musste über die Fahrerseite ins Auto krabbeln, weil der Mann noch beim Bäcker war und ich rechts nicht einsteigen konnte. Dann schaut er auch noch zu und nickt, da war ich auch etwas sprachlos! Aber hätte ich geklopf und auf die Umparkerei gewartet, wäre ich wahrscheinlich durchnässt gewesen. *G*
    Liebe Grüße und eine gute Woche
    Manu

  • nina. aka wippsteerts. 26. Juli 2021 at 6:41

    Eine ereignisreiche Woche (
    An Schmetterlinge Ran pirschen, Verrenkungen für Fotos machen….und komische Blicke ernten… kenne ich auch 🙂 egal, Ergebnisse sind bei Dir ganz wunderbar! Ja, Wasser zuviel und in den Sturzbachmengen war und ist das auslösende Thema nicht nur hier. In einem Ort wurde nicht Mal die funktionierende Sirene genutzt, man wollte Panik vermeiden. Ich denke, es hätte eh kaum wer reagiert, aus Unwissenheit
    Ich hoffe, Du hast einen guten Start in die Woche und sende liebe Grüße
    Nina