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Jenny Jägerfeld: „Mein geniales Leben“ {Buchtipp}

17. Februar 2021

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum besprochenen Buch behalte ich mir vor.)

Wie Ihr wisst, habe ich ein Faible für gut geschriebene Kinder- und Jugendbücher. Deshalb genieße ich es immer, die Bücher für die nachwachsende Generation zu lesen, ehe ich sie in das Paket zum Verschicken lege. Bei diesem Buch für die Altersklasse der 10 – 13 jährigen hatte ich ganz besonderen Spaß. Die Schwedin Jenny Jägerfeld versteht es mit viel Humor und Spannung die Lebenswelt der Kids zu treffen. Die liebenswerten Charaktere sind mir wirklich ans Herz gewachsen.
Das schwedische Original „Mitt storslagna liv“ macht Hoffnung, dass es vielleicht einen Fortsetzungsband geben könnte. Das fände ich wunderbar.

Jenny Jägerfeld: „Mein geniales Leben“

Ganz von Null zu beginnen und sich vollkommen neu zu erfinden, ist die große Hoffnung des 12jährigen Sigge. In seiner bisherigen Schule hatte er keine echten Freunde und wurde gemobbt. Deswegen leidet er besonders unter seinem schielenden Auge und der dickglasigen Brille. Sogar sein Eiskunstlauf-Hobby hat er deswegen aufgegeben.

Nun hat sich seine Mutter von Sigges Stiefvater getrennt und ist mit dem Großen und den beiden jüngeren Halbschwestern zu ihrer Mutter in eine Kleinstadt gezogen. Sigges verwitwete Oma Charlotte ist halbe Britin und sehr exzentrisch. Ihr Haus, eigentlich ein kleines Hotel, birst schier vor schräger Einrichtungsideen, Chaos, ausgestopften und lebendigen Tieren sowie ganz viel Farbe. Zudem ist sie sehr locker und hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Während die kleine Schwester Majken schon am ersten Tag eine Freundschaft schließt, stellt Sigge erstmal ein Beliebtheits-Ranking auf, an dem er gleich arbeiten möchte.

Statt cool zu wirken, purzelt er höchst peinlich mit seinen Inlinern über eine Hecke in einen fremden Garten. Dabei wird er zu allem Überfluss noch von einer gleichaltrigen Möchtegern-Nachwuchs-Journalistin mit dem Handy gefilmt. Na toll! Wütend und genervt lässt Sigge spontan und unbemerkt den Gartenzwerg mitgehen.   

Wer lässt sich schon gern bei einem Missgeschick filmen? Von jemandem, der den ganzen Ort mit kleinen Informationen und selbstgedrehten Videos versorgt?  Außerdem könnte dies seine Pläne zum coolen Neubeginn zu nichte machen. Also lebt sich Sigge erst einmal höchst kreativ und voller Rachegelüste an dem Gartenzwerg aus. Der Zwerg bekommt seinen eigenen Insta-Kanal und zeigt seine neugewonnene Freiheit mit allerhand lustigen Aktionen. Das bringt unerwartet viele Follower ein, das Mädchen Juno – die Nachwuchsjournalistin – hingegen tobt. Allerdings weiß sie nicht, wer hinter dieser Aktion steckt. Kurz danach schickt ihr der Gartenzwerg sogar Ansichtskarten mit seinem Konterfei aus London, Paris, Berlin…

Aber da ist Sigge die ganz Sache fast schon aus den Händen geglitten. Denn mittlerweile hat er Juno richtig  kennengelernt. Juno sieht nur so cool und unnahbar aus, dahinter verbirgt sich ein ganz lieber empfindsamer Charakter. Plötzlich scheint eine echte Freundschaft greifbar, wenn sich Sigge nicht in seine beiden Unwahrheiten verheddert hätte.

Lauter wilde und verrückte Dinge geschehen in diesen Sommerferien. Die Mutter findet endlich einen Job, ein Kind die Sprache, ein Erwachsener die Erfüllung seines Lebenstraums, der lädierte Gartenzwerg den Heimweg und Sigge? Darf ganz neu starten.

Fazit:

Jenny Jägerfeld hat hier eine Geschichte erzählt, die sehr nahe an der Lebensrealität von heutigen Kindern liegt. Am Beginn der Pubertät geraten Kinder in so manchen emotionalen Wirbel, leiden unter Mobbing, suchen nach Anerkennung, Freunden und ihrem eigenen Weg. Natürlich kommen sie wie Sigge auf so manche Idee, die sich als nicht ganz so durchdacht entpuppt.
Themen wie Trennung, Arbeitslosigkeit, alleinerziehende Eltern, Patchworkfamilien werden mit Umsicht aufgegriffen.

Die Charaktere des Buches sind allesamt sehr liebenswert. Sigge hat einen cht tapsigen Charme. Mit seiner lautstarken, durchsetzungsstarken Schwester Majken, der um den Spracherwerb ringenden kleinen Boel und der tatkräftigen Mutter ergibt das eine tolle Familie. Wer würde sich nicht sofort in seine schräge Oma vergucken?
Nach so etwas sehnt sich die Juniorjournalistin Juno in ihrem elterlichen weiß-beige-grauen Minimalismus-Heim.

Dazu kommt noch eine spannende Handlung voller lustiger Ideen, viel Humor, ohne dabei auf inhaltliche Tiefe zu verzichten. Da fühlt man sich nicht nur im Alter von 10 bis 13 Jahren, sondern auch als Erwachsener bestens unterhalten.

Absolute Leseempfehlung!

Jenny Jägerfeld:
Mein geniales Leben
übersetzt v. Birgitta Kicherer
Verlag Urachhaus
358 Seiten

Verlinkt bei den Monatsbüchern im Karminroten Lesezimmer

  • Astridka 17. Februar 2021 at 13:24

    Schon notiert!
    GLG
    Astrid

  • nina. aka wippsteerts. 17. Februar 2021 at 22:29

    Kinder und Jugendbücher werden von so manchem Erwachsenen immer wieder unterschätzt
    Danke Dir
    Liebe Grüße
    Nina

  • mano 18. Februar 2021 at 7:17

    das hört sich sehr toll an! bei so einer oma wäre ich auch gern aufgewachsen! aber meine war auch superlieb und hieß auch charlotte!
    liebe grüße
    mano

  • dörte 18. Februar 2021 at 14:39

    Ich liebe Kinder- und Jugendbücher auch. Meinst du, das wäre auch noch was für eine 14jährige oder muß die dann erst wieder erwachsen werden, um das Buch schätzen zu können? 🙂
    Lieber Grß,
    dörte

    • Andrea 18. Februar 2021 at 16:41

      Hi Dörte, doch das könnte ich mir auch für eine 14jährige noch vorstellen. Die beiden Hauptdarsteller sind halt 12 Jahre alt.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Pia 18. Februar 2021 at 21:39

    So habe ich es bei unseren Kindern und Patenkinder auch gemacht, verschenkt wurde nur was ich selber gelesen habe. Genau so werde ich es bei unserer Enkelin machen und ich freue mich so darauf.
    L G Pia