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Ann Patchett: „Das Holländerhaus“ {Buchtipp}

29. Juni 2020

(unbezahlte, unaufgeforderte Werbung, rein private Empfehlung!) 

Auf die Übersetzung meines Lieblingsbuchs des Monats Juni hatte ich schon länger gewartet. Der Erfolg von Ann Patchetts Roman „The Dutch House“ hatte mich sehr neugierig gemacht.
Irgendwie faszinierte mich auch das Cover des Romans, das auch der deutsche Verleger nicht änderte. Gut so. Denn ein Mädchenportrait spielt in diesem Buch eine Rolle.

Ann Patchett: „Das Holländerhaus“

Der zweite Weltkrieg war gerade zuende gegangen, als Cyril  Conroy mit Glück und dem richtigen Riecher eine  kluge Investition tätigt. Damit legt er die Basis für seine Karriere in der Immobilienbranche. Seine kleine junge Familie wird dadurch schier von der Armut in den Wohlstand katapultiert. Bald erwirbt er ein ausgefallenes, aufwendiges Kleinod als Überraschung für seine Frau: das Holländerhaus in einem Vorort von Philadelphia.  Doch seine Frau Elna ist komplett überfordert. Überwältigt von diesem Luxus der Villa mit den Angestellten, verlässt sie ihren Mann, die 11jährige Tochter Maeve und das Kleinkind Danny, um sich in Indien den Armen zu widmen. Die selbstbewusste Maeve wird nun zu einer Art Mutterersatz für ihren Bruder.

Danny ist mittlerweile erwachsen und erzählt die Geschichte rückblickend. Oft sitzt er dabei mit seiner großen Schwester Maeve, die er gerade besucht, im parkenden Auto in der Nähe des Holländerhauses. Beide sind zwar dort aufgewachsen, jedoch ist ihnen der Zutritt verwehrt.
Einige Jahre nach der Trennung der Eltern kam eine Stiefmutter mit zwei kleinen Stiefschwestern ins Haus. So sehr ihre eigene Mutter das Haus hasste, desto mehr giert ihre Stiefmutter danach. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters werden Danny und Maeve des Hauses verwiesen und zurück in die ursprüngliche Armut der Eltern verbannt.
Was die beiden nun durch die Stürme des Lebens trägt, ist das liebevolle Band, das die beiden verbindet. Sie fühlen sich füreinander verantwortlich.
Doch immer wieder zieht es sie zum Holländerhaus, in dem sie alles zurücklassen mussten. Einschließlich des Gemäldes von Maeve im roten Mantel, das nun neben den klassischen alten holländischen Portraits hängt.

Über fünf Jahrzehnte begleiten wir die beiden Geschwister. Der Verlust der Mutter, die böse Stiefmutter, der Verweis aus dem Zuhause, der Überlebenskampf des Geschwisterpaars, die Verbindung zum Haus, die nicht gekappt werden kann – alles mutet an, wie eine moderne Version eines alten Märchens.
Am Ende wird jedoch alles noch einmal im Sturm aufgewirbelt, um neu geordnet und aufgearbeitet zu werden.

Fazit

Hier passt wirklich alles zusammen. Das Holländerhaus scheint fast wie aus einem alten, dunklen Märchen entstiegen. Selbst die böse Stiefmutter – ein echtes Miststück – füllt ihre traditionelle Rolle perfekt aus. Trotzdem ist die Geschichte modern, zeitgemäß und mitreißend. Es sind die klassischen menschlichen Themen, die hier aufgegriffen werden.

Das Schicksal des Geschisterpaars, mit dem man sich sogleich identifiziert, ist bewegend und sehr sorgfältig entwickelt. Der Autorin gelingt es ihre Protagonisten perfekt zu charakterisieren. Dabei spielt sie mit der Chronologie des Erzählten und streut auch noch einen subtilen, trocken Humor ein. Im Laufe der Jahrzehnte sieht man auch die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft vorüberziehen.

Die Geschichte ist sehr lebendig und lebensnah erzählt. Ein echtes Lesevergnügen.

Mich hat der Roman so begeistert, dass ich gern noch mehr Bücher der Autorin lesen möchte.

 

Ann Patchett:
Das Holländerhaus

Übersetzerin: Ulrike Thiesmeyer
Berlin Verlag Juni 2020

400 Seiten

 

Verlinkt im Karminroten Lesezimmer / Buch es Monats

 

6 Kommentare

  • Antworten Centi 29. Juni 2020 at 9:18

    Hm. Die Handlung klingt für meinen Geschmack ja eher abschreckend, und mit dem Cover hätte ich das auch nicht in die Hand genommen. Aber vielleicht schaue ich mal in den Text rein, wenn ich das Buch irgendwo stehen sehe. Jetzt, wo ich weiß, dass es vielleicht doch ganz interessant ist! Danke für deine Besprechung,
    LG
    Centi

  • Antworten Asridka 29. Juni 2020 at 10:35

    Ja, hört sich gut an. Beim Geschwisterpaar hat es dann ( aus anderen Gründen – ich hab mich gerade mit einem ebensolchen ausgiebig beschäftigt ) in meinen Ohren geklingelt. Schade, dass mir die Zeit fehlt, Romane zu lesen. Aber ich werde das Buch vielleicht mal auf meinen Reader laden, für alle Fälle…
    Dir eine gute Woche!
    Astrid

  • Antworten Claudia 29. Juni 2020 at 12:46

    Liebe Andrea,
    das klingt nach einem wirklich lesenswerten Buch! Vielen Dank für Deine schöne Beschreibung!
    Ich wünsche Dir noch einen guten Start in eine schöne und zufriedene neue Woche!
    ♥️ Allerliebste Grüße, Claudia ♥️

  • Antworten nina. aka wippsteerts 29. Juni 2020 at 13:33

    Ich hab es mir schon gedacht, hatte etwas auf einem anderen Blog gesen. Es klingt sehr vielversprechend. Ich muss gestehen, dass auch mir das Cover gefällt. Ich bin definitiv eine Coverkäuferin. Sollte man nicht, ich weiss. Aber ganz oft passt es.
    Danke Dir. Liebe Grüße und guten Start in die Woche!
    Nina

  • Antworten kleiner-staudengarten 29. Juni 2020 at 14:38

    Das Buch hört sich wirklich interessant und lesenswert an, schade dass mir immer die Zeit für all die Empfehlungen fehlt. Vielleicht lese ich daher Krimis und Thriller, die durch die spannende Story mich zu fesseln vermögen und so von weiteren Verpflichtungen ein wenig abhalten. 😉
    Lieben Gruß, Marita

  • Antworten Wolfgang Nießen 29. Juni 2020 at 18:10

    Trockenen Humor mag ich sehr. Das macht das Buch für mich interessant. Danke fürs Vorstellen.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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