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James Gould-Bourn: „Pandatage“ {Buchtipp}

1. Mai 2020

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum besprochenen Buch behalte ich mir vor.)

In diesen Tagen bin ich froh, mal in ein gutes, unterhaltsames Buch abtauchen zu können. Wenn es dabei auch noch meine Stimmung hebt, mein Herz erwärmt, mich mit Witz und schrägem Humor aufheitert, dann ist es absolut perfekt.

Diesen Debütroman des jungen englischen Autors kann ich euch absolut empfehlen:

James Gould-Bourn: „Pandatage“

Danny Maloony hat das Gefühl, sein Leben zerbröselt unter seinen Händen. Vor etwas mehr als einem Jahr verlor der junge Londoner seine Frau bei einem tragischen Autounfall. Seitdem hat sich Dannys 11-jähriger Sohn Will, der auch im Unfallwagen saß, in vollkommenes Schweigen zurückgezogen. Die beiden haben den Bezug zueinander verloren. Während Will in der Schule von einer Gruppe Jungs wegen seines Schweigens gemobbt und geschlagen wird, hat auch sein Vater im Alltagsleben zu kämpfen.

Seinen Job als ungelernter Bauarbeiter verliert Danny auch noch und bekommt auf der Jobsuche zu spüren, dass es ein Fehler war, sich nie in irgendeiner Form weiterzubilden.  Die unbezahlten Rechnungen und Mahnungen stapeln sich bereits schon in Dannys Wohnung, mit deren Miete er auch noch in Verzug ist. Zu allem Übel bedroht ihn nun sein abartiger, brutaler Vermieter, die Beine zu brechen, wenn er nicht bald zahlt. Danny braucht also unbedingt Geld. Und zwar möglichst schnell.

Danny vermeidet es, seinen Sohn mit diesen Sorgen zu belasten und verschweigt ihm, dass er  nicht arbeiten geht, sondern tagsüber erfolglos den Arbeitsmarkt durchkämmt.

Eines Tages beobachtet Danny in einem nahe gelegenen Park ein paar Straßenkünstler, die anscheinend mit dem eingesammelten Geld ihres begeisterten Publikums gut verdienen. Spontan kauft er in einem heruntergekommenen Kostümladen ein abgezocktes, stark müffelndes Pandakostüm. Mehr kann er sich von dem wenigen Geld, was er noch besitzt, nicht leisten. Doch seine ungeübte tapsige Tanzbär-Performance kommt bei den Leuten nicht an. Dass er für seine Auftritte eine Lizenz benötigt, war ihm vorher auch nicht klar gewesen.

Ganz unerwartet entdeckt der als Bär kostümierte Danny seinen Sohn im Park und verjagt die älteren Jungen, die ihn bedrängen. Zum ersten Mal seit dem Tod seiner Mutter hört Danny seinen Sohn sprechen. Denn dieser spricht vertrauensvoll mit dem Mann im Panda-Outfit. Um seine wahre Identität nicht zu offenbaren, antwortet der Panda schriftlich auf einem Zettel. Ein zartes Freundschaftsband entwickelt sich zwischen Will und dem Panda. Endlich beginnt Danny seinen Sohn mit anderen Augen zu sehen. Doch wie lange wird es dauern, bis der Junge die Scharade durchschaut?

Um sich vor dem Miethai zu retten, muss sich Danny irgendwie zu einem talentierten Tanzbären entwickeln. Wird ihm das gelingen? Seine Zufallsbekanntschaft Krystal, die ihr Geld als Pole-dancerin in einem Nachtclub verdient, weiß, dass Tanz harte Arbeit bedeutet.
Auch sein alter Arbeitskumpel von der Baustelle Ivan, ein Ukrainer mit guten Kontakten in die Unterwelt, steht ihm immer noch solidarisch, wenn auch nicht immer legal, zur Seite.

Fazit:

Im Grunde ist das Schicksal des jungen, verwitweten Vaters und des Jungen, der in freiwilligen Mutismus flieht, sehr traurig. Aber dieser Roman greift die beiden Protagonisten, die in einer schier ausweglosen Situation festhängen, auf und wirbelt sie in einem atemlosen Tanz durch die Handlung.
“Pandatage” profiliert sich mit einer bunten, ungewöhnlichen Truppe an Charakteren, die man so nicht erwartet hat. Dafür schließt man sie rasch beim Lesen ins Herz.

Trotz der deprimierenden Ausgangslage entwickelt sich die Story herrlich erfrischend und aufbauend. Mir gefällt, dass sie vor komischen und skurrilen Elementen sprüht. Eigentlich würde man die Charaktere ja eher in die Schublade der ewigen Verlierer einordnen. Aber in diesem Roman werden sie da herausgeholt. Jeder von ihnen hilft dem anderen, übersteht so Krisen und wächst über sich selbst hinaus.

Der Roman liest sich flüssig und hält einen mit seinen Wendungen in Atem. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass es sich lohnen würde, diese tolle Geschichte zu verfilmen.

Ein herzerwärmender, heiterer Roman mit vielen Überraschungen, der mich absolut überzeugt hat.

 

Daniel Gould-Bourn:
Pandatage

Übersetzer: Stephan Kleiner

Kiepenheuer & Witsch Verlag, Mai 2020

384 Seiten   

 

verlinkt bei den Monatsbüchern im „Karminroten Lesezimmer“

  • Claudia 1. Mai 2020 at 8:52

    Guten Morgen liebe Andrea,
    das klingt nach einem wirklich schönen Roman, herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung!
    Hab einen schönen 1.Mai und einen guten Start in ein schönes Wochenende!
    ♥️ Allerliebste Grüße und paß auf Dich auf,Claudia ♥️

  • nina. aka wippsteerts 1. Mai 2020 at 11:46

    Du hattest mich bei *komisch und skurril *, dann kam noch aufbauend dazu… Da wird reingeschaut. Allein, wie liebevoll von dem Buch schreibst…
    Danke.
    Liebe Grüße
    Nina

  • Birgitt 1. Mai 2020 at 17:06

    ..das klingt wirklich gut, liebe Andrea,
    wollte mir auch gleich eine Leseprobe runter laden, aber das Buch erscheint erst morgen, muß ich dann dran denken…danke für die Rezension,

    wünsche dir einen guten Mai,
    liebe Grüße Birgitt

  • kleiner-staudengarten 1. Mai 2020 at 18:05

    Deine Vorstellung des Buches liest sich gut… werd ich mal im Buchladen reinschauen.
    Danke für deine Empfehlung – lieben Gruß und einen guten Start in den Mai, Marita

  • Astridka 1. Mai 2020 at 20:20

    Klingt nach dem richtigen Buch für diese Tage! Und auch nach einem Ausweg aus depressiver Lähmung in in solidarischer Gemeinschaft…
    Einen schönen Mai!
    Astrid

  • Andrea Karminrot 3. Mai 2020 at 13:40

    Oh, was für ein schönes Buch. Oder war es deine gute Rezension, die mich wieder einmal gefangen hat.
    Ich will es haben!
    Liebe Grüße Andrea

  • Schwarzwaldmaidli 7. Mai 2020 at 19:03

    Das liest sich gut. Da werde ich mal Ausschau halten, ob ich das Buch vielleicht in der Bücherei bekomme.
    Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße
    Anette