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Adam Baron: „Freischwimmen. Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen.“ {Buchtipp für Teenager und Erwachsene}

27. Januar 2020

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum besprochenen Buch behalte ich mir vor.)

Wenn Kinder- und Jugendbücher wirklich gut sind, dann nehme ich sie als Erwachsener auch gern zur Hand. Das ist mein Credo. Das Buch, das ich Euch heute empfehle, hat mich sehr berührt und betroffen gemacht. Deshalb halte ich es für wichtig, die empfohlene Altersempfehlung von +11 Jahren nicht zu unterschreiten.

Der deutsche Titel „Freischwimmen“ passt dieses Mal perfekt, auch wenn er den Originaltitel nicht übersetzt. Denn mit dem „Freischwimmen“ schwingen noch viel mehr Zwischentöne und Bedeutungsschichten mit. Das wunderschöne Cover lässt uns gleich schon in emotionale und unterbewusste Tiefen abtauchen.

Adam Baron: „Freischwimmen. Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen.“

Der neunjährige Cymbeline Iglu lebt allein mit seiner Mutter im Süden Londons. Cymbeline? – Ja, er heißt tatsächlich nach einem Shakespeare Drama, denn sein Vater spielte eine Rolle in dem Stück, als er Cymbelines Mutter kennenlernte.

„Ihr werdet es nicht glauben.
Ich Cymbeline Iglu, bin noch nie geschwommen.“

Das ist die Ausgangslage eine Woche vor seinem 10. Geburtstag. Aber warum ist ein gesundes Kind seines Alters, drittbester Fußballspieler in der vierten Klasse und sportlich begeistert, noch nie im Wasser gewesen?  Er war noch nie am Strand (Allergiegefahr!), am Fluss (wegen der Krokodile. In London.) oder am Pool. Bislang fand seine Mutter noch immer eine passende Ausrede. Deshalb unterlässt es Cym lieber, ihr vom neuen, anstehenden Schwimmunterricht in der Schule zu berichten.

Er traut sich auch nicht, Lehrer und Mitschülern sein Manko zu beichten, dass er der einzige Nichtschwimmer der Klasse ist. Stattdessen erwarten alle ein Wettschwimmen zwischen ihm und dem fiesen, mobbenden Billy Lee. Über das Kraulen lässt sich ja im Internet alles herausfinden und in der Badewanne ausprobieren, denkt sich Cymbeline. Doch der Plan geht schief. Am Ende muss ihn das Klassengenie Veronique Chang vor dem Ertrinken retten. Der Höhepunkt der Peinlichkeit: seine improvisierte Badehose hat er dabei auch noch verloren.

Seine Mutter, die ihn nun abholen soll, erleidet einen Nervenzusammenbruch und verschwindet in einer Klinik. Cymbeline muss nun übergangsweise bei seiner Tante und deren Familie im luxuriösen Haus wohnen. Doch die Stimmung ist eher frostig.

Die Erwachsenen bleiben sprachlos und erklären ihm nicht, was mit seiner Mutter passiert ist, warum seine missglückte Schwimmstunde so ein Chaos ausgelöst hat. So muss er selbst nach den Gründen suchen.

Bei seiner Suche bekommt er Hilfe von unerwarteten neuen und wiedergefundenen alten Freunden. Die Spur führt ihn zu Geheimnissen über seine Familie, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellen.

 Fazit

Diese ergreifende Geschichte wird mit viel kindgemäßen Humor erzählt. Manchmal schwankt man als Leser zwischen Lachen und Weinen. Sie berührt Themen wie Mobbing, mentale Gesundheit und tragischen Verlust in der Familie. Dagegen setzt sie Freundschaft, Vertrauen und Liebe.

Die Sprache des erzählenden neunjährigen Cymbeline ist gut getroffen. Die Geschichte aus seiner Perspektive zu sehen, macht das Besondere des Buches aus. Die Perspektive eines einfachen, freundlichen Kindes kontrastiert die Schwere der Entwicklung der Handlung.  Eigentlich nähert sich der Junge im Laufe seiner Erkundungen zunehmend seiner Mutter an, die die meiste Zeit der Handlungsspanne für ihn nicht greifbar ist.

Die Rolle der Erwachsenen erschöpft sich in ihrem Versagen, Cymbeline zu helfen oder ihm die Hintergründe darzustellen. Sie versuchen ihn krampfhaft von der Wahrheit fern zu halten. Dass sie von der Tragik des Geschehens selber überwältigt sind, wird erst ganz am Ende des Buches klar. Als Leser kann man sich die Verzweiflung des Kindes über die fehlende Hilfe gut vorstellen.

Es bleibt dem Jungen allein überlassen, die Antworten zu suchen, um die Gefühle und Handlungen seiner Mutter zu erklären. Tröstlich empfand ich dabei die Rolle seiner Freund*innen.

Mir hat die Darstellung der sich entwickelnden Beziehungen und Freundschaften der Kinder untereinander sehr gefallen. Sie treiben die Handlung voran und setzen die Wendepunkte.

Der Verlag empfiehlt ein Lesealter ab 11 Jahren. Für mein Empfinden sind ein paar Situationen in diesem Roman für ältere Kinder besser zu verarbeiten.

Ein sehr berührender Roman, den man auch sehr gut gemeinsam mit seinem Kind lesen kann.

Adam Baron:
Freischwimmen. Wer die Wahrheit sucht, muss tief tauchen.
Illustrationen von Benji Davies

Übersetzt von Birgitt Kollmann

Carl Hanser Verlag, Januar 2020
224 Seiten

 

verlinkt beim Monatsbuch im ‚Karminroten Lesezimmer‘ 

  • Astridka 27. Januar 2020 at 8:15

    Du machst es spannend!
    GLG
    Astrid

  • nina aka wippsteerts 27. Januar 2020 at 8:22

    Oh, da klingen bei mir div. Seiten. Kenne ich doch solche Situationen aus eigener Erfahrung im Umkreis. Das Cover ist wunderschön gestaltet. Und Kinder- und Jugendbücher sind für mich oft Medien, in denen Situationen viel besser dargestellt werden, als in der Erwachsenenbelletristik.
    Und ich schließe mich Astrid an, Du machst es spannend.
    Liebe Grüsse
    Nina

  • kleiner-staudengarten 27. Januar 2020 at 13:08

    Dein Buchtipp hört sich interessant an…was so eine kleine Kinderseele zu verarbeiten bekommt. Danke für die Präsentation, ich könnte mir gut vorstellen es zu lesen.
    Lieben Gruß, Marita

  • Jutta von siebenVORsieben 27. Januar 2020 at 17:26

    Jetzt bin ich auch neugierig. Und vom Alter her passt es perfekt für meine Tochter. Danke für diesen Tipp!
    Liebe Grüße
    Jutta

  • Friederike 27. Januar 2020 at 19:40

    Das Buch klingt interessant!
    Ich habe vor Jahren, als mein Sohn im frühen Teenageralter war, oft die selben Bücher gelesen wie er und dann haben wir lang und breit darüber diskutiert. Jetzt haben wir nicht mehr den selben Lesegeschmack ;-))
    lg

  • niwibo 29. Januar 2020 at 15:08

    Das hört sich nach einem interessanten Buch an liebe Andrea.
    Das Cover alleine macht schon neugierig.
    Und der Name ist schon mehr als außergewöhnlich.
    Dir einen schönen Nachmittag, lieben Gruß
    Nicole