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Frida Skybäck: „Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ {Buchtipp}

29. September 2019

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum besprochenen Buch behalte ich mir vor.)

Nasskalte Herbsttage schreien förmlich nach einem gemütlichen Sessel, einem prasselndem Kaminfeuer und einem wunderbaren Wohlfühlbuch, in das man sich vertiefen kann. Oder auch anglisiert ein „Feelgood-Buch“.

Das ist kein abwertender Begriff, denn oft möchte man einfach mal abschalten. Dabei wünscht man als Leser*in gerne liebenswerten Charakteren in einem angenehmen Milieu zu begegnen, interessante Lebenswege zu  verfolgen, vielleicht ein Geheimnis zu lüften, während einem eine sanfte Katze oder ein treuer Hund um die Beine streicht.

Trotzdem sollte der Roman spannend sein und vielleicht sogar ein bisschen zum Nachdenken anregen.

Frida Skybäck: „Die kleine Buchhandlung an der Themse“

Die Schwedin Frida Skybäck möchte mit ihrem Roman „Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse“ genauso so ein „Wohlfühlbuch“ liefern. Ich finde, dass ihr das wirklich gut gelungen ist, wie auch ihre Protagonistin Charlotte ein Feelgood-Buch in der englischen Buchhandlung beschreibt:

„Es ist eine wunderschöne Geschichte über Liebe und Freundschaft und wie man das Glück finden kann, auch wenn das Leben nicht genauso verläuft, wie man es sich vorgestellt hat.“ (S. 266)

Die junge Schwedin Charlotte hat mit ihrem Mann ein Unternehmen in der Schönheitsbranche aufgebaut. Seit ihr Mann bei einem Unfall ums Leben kam, führt sie es allein, unterstützt von ihrem Mitarbeiter.

Noch  immer versucht sie sich in ihre neue Lebenssituation als Witwe hineinzufinden, als sie von ihrem Erbe in der britischen Hauptstadt erfährt. Ihre Tante Sara hat sie nie getroffen und weiß kaum etwas über sie, trotzdem hat diese ihr ein Haus hinterlassen.

Eigentlich ist sie nur nach London gereist, um das Erbe in Augenschein zu nehmen und zu verkaufen. Doch dort verliebt sie sich gleich in das alte, charaktervolle viktorianische Haus an der Themse. In dessen Erdgeschoss befindet sich eine heimelige Buchhandlung, die ihre Tante geführt hatte.

Begeistert von ihrem Erbe und dem Ambiente beschließt Charlotte spontan den Aufenthalt etwas zu verlängern. Da sie über kaufmännische Erfahrung verfügt, möchte sie die Buchhandlung neu organisieren, damit sie unter neuer Leitung weitergeführt werden kann. Dabei stößt sie sich die Tür in die Welt der Bücher auf, die ihr eigentlich ziemlich fremd gewesen ist.

Auch die Angestellten des Ladens,  Sam und Martinique, schließt sie rasch ins Herz, während ihr der Mieter in der oberen Wohnung eher etwas suspekt ist.

Doch warum hat ihre Tante ihr das Haus vermacht? Warum hatten sie und Charlottes Mutter keinen Kontakt mehr?  In alten Briefen, Fotos und Tagebüchern ihrer Tante Sara bekommt Charlotte ein paar Puzzlesteine eines Geheimnisses in die Hand.

Mein Fazit

Dieser Roman bietet alles, was die neue Besitzerin der kleinen englischen Buchhandlung von einem Feelgood-Buch verlangt:

„Bücher die einen…glücklich machen.“ […]
„Die Protagonistin muss oft eine Reihe von Problemen bewältigen, was zu einer entscheidenden Veränderung in ihrem Leben führt. Eine gute Wahl, wenn man gerne etwas über Beziehungen und Alltagsdramatik liest.“ (S. 265)

Skybäck erzählt über den Neuanfang der jungen Witwe Charlotte sehr spannend und mitfühlend. Die verschiedenen Protagonist*innen bringen alle ihre eigene Geschichte  mit ein und entwickeln sich im Handlungsverlauf persönlich weiter. Der Schauplatz der traditionsreichen Buchhandlung ist natürlich atmosphärisch gut gewählt. Vor den Schwierigkeiten, mit denen der Buchhandel heutzutage zu kämpfen hat, werden nicht die Augen verschlossen.

In Rückblenden in das Leben von Charlottes Tante und ihrer Mutter in den 80iger Jahren ist man als Leser*in gerade immer auf Höhe von Charlottes Entdeckungen oder knapp voraus. Das ist sehr geschickt gemacht. Auch kann man in die damalige Zeit, die geprägt ist von dem Nordirlandkonflikt, gut eintauchen.

Die eingeflochtene Liebesgeschichte ist natürlich ein bisschen vorhersehbar, aber sie gehört einfach in so ein Wohlfühlbuch. Ach ja, auch an die Katze, bzw. den eigensinnigen Kater wurde gedacht.

Dem regnerischen Herbsttag können wir also gefasst ins Auge blicken.

Frida Skybäck:
Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

aus dem Schwedischen übersetzt von Hanna Granz

Insel Verlag, September 2019

540 Seiten

 

verlinkt bei „Mein Buch des Monats“ im karminroten Lesezimmer 

  • Ninakol. 29. September 2019 at 9:35

    Oh, da muss ich ja mal reinschauen, ich hab hier so was über eine schottische klein Buchhandlung liegen. Schon komisch, je mehr Leute digital lesen oder online bestellen, um so mehr Titel scheint es in letzter Zeit zu diesen kleinen eher klassischen Läden zu geben. Was uns das wohl aufzeigt😉?
    Liebe Grüße
    Nina

  • mano 30. September 2019 at 6:41

    das ist ja wohl genau das richtige buch für einen verregneten herbst- oder grauen novembertag! der titel ist notiert und ich danke für die rezension!
    lieben gruß
    mano