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Thomas Pierce: „Die Leben danach“ {Bücher}

6. Februar 2019

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexamplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum dem Buch behalte ich mir vor.)

Stimmt, die Blümchen sehen ein bisschen morbide aus. Aber das passt perfekt zu dieser Neuerscheinung im Februar, die ich Euch heute vorstellen möchte. Ich bin ein wenig hin- und hergerissen, da mir manche Teile des Buches ganz gut gefielen und andere ein bisschen auf die Nerven gingen. Das Thema geht mir auch noch ein bisschen nach, ab und an grüble ich über ein paar Sequenzen aus dem Buch…
Auf jeden Fall fand ich das Cover interessant, es passt auch perfekt zur Skurrilität des Buches…

Philosophisch und skurril

Jim Byrd, der Ich-Erzähler in “Die Leben Danach”, ist ein 33jähriger Kreditberater bei einer Bank in einer kleinen Stadt in North Carolina. Seine Existenz steht schon gleich zu Beginn des Buches an der Schwelle, denn er erleidet einen Herzstillstand, während dem er für einige Minuten klinisch tot ist.

Nachdem er wiederbelebt wurde, fehlt ihm jegliche Erinnerung an „die andere Seite“ jenseits des Lebens:

„Ich habe nicht gesehen […] Nichts. Keine Lichter, keine Tunnel, keine Engel. Ich war einfach nur weg.“

Er fragt seine Ärzte, ob dies ein schlechtes Zeichen wäre. Diese rollen mit den Augen und statten sein Herz mit einem High-tech Defibrillator namens HeartNet  aus. Dessen begleitende Smartphone-App wird nun klingeln, wann immer das Gerät Jims Herz mal wieder in Gang bringen muss. Dann schicken sie Jim heim nach Shula, N.C.

Kein Wunder, dass sich Jim erst einmal wieder in sein altes Leben hinein finden muss. Erneut verliert er sein Herz, aber auf andere Weise, als er Annie, seine alte High-School-Liebe trifft. Sie ist gerade erst mit ihrer 12jährigen Tochter nach Shula zurückgekehrt, nachdem  sie seit ein paar Jahren verwitwet ist. In ihrer Liebesgeschichte ist aber stets irgendwie Annies verunglückter Mann in Gedanken gegenwärtig. So ist es auch der Wunsch den Tod zu verstehen, was Jim und Annie verbindet.

Ganz allmählich schleichen sich immer mehr futuristische, skurrile, phantasievoll überschäumende Elemente in das Geschehen ein, manchmal auch mit satirischem Unterton. Die Technologie in Jims Umfeld ändert sich rapide, so übernehmen z.B. im Lauf der Zeit Hologramme Jobs im Kundenservice

Als Leute um ihn, wie z.B. sein eigener Vater, anfangen, an bestimmten Orten Geister wahrzunehmen, muss Jim unbedingt die Wahrheit wissen. Denn sein „Beinahe-Tod“ hat ihn für Übernatürliches sensibilisiert. Diese Geisterwahrnehmungen kreisen immer wieder um ein gewisses mysteriöses Haus…

Erst verfolgt Jim Publikationen der Naturwissenschaftlerin Sally Zinker, die sich mit der Existenz an sich beschäftigt, dann versucht er sie selber zu finden. Zinker meint ,  dass das Universum nur zu 93 Prozent existiere.

Wir waren hier – aber wir waren auch nicht hier.
Tatsächlich existierte das Universum in jedem Moment nur zu dreiundneunzig Prozent.
Du existiertest nur zu dreiundneunzig Prozent.

In regelmäßigen Abständen unterbricht der Autor die Geschichte, um von Clara Lennox, einer früheren Einwohnerin von Shula zu berichten, deren Schicksal vor vielen Jahrzehnten mit gerade jenem Haus verbunden war, in dem zu Jims Zeit Menschen diese übernatürlichen Wahrnehmungen haben. Die Tragödie von Claras Lebens wird dabei sehr präsent.

Sie kann ihm nicht entkommen, wohin auch immer sie geht, er findet sie, jagt sie zurück zu diesem schrecklichen Tag, dem schlimmsten Tag ihres Lebens.

Manchmal überlegt nicht nur Jim, sondern auch der/die Lesende, ob man sich nicht gerade in einem wirren Traum aus Jims Nachleben befindet.

Fazit

Das Buch bemüht sich, auf ganz andere Art, sich mit philosophischen Fragen und dem Leben nach dem Tod zu befassen. Der Autor bewegt grundsätzliche Fragen im Leben eines Menschen: den Umgang mit Verlust eines geliebten Menschen, mit der Natur der Zeit und der Vergänglichkeit, dem Verhältnis in einer Beziehung. So  ringt Jim darum, ein guter Ehemann und Stiefvater zu sein.

Das waren interessante Aspekte, allerdings nervten mich zusehends die skurrilen Ideen und ich hatte das Gefühl, der Autor verzettelte sich.

Mir gefiel das feine Auge des Autors für emotionale Details in Jims Beziehungen, z.B. im Verhältnis von Jim und seinem Vater oder in der Beziehung zu Annie, in der Jim nicht die Eifersucht auf deren verstorbenen ersten Mann auszudrücken vermag.

 

Thomas Pierce:
Die Leben danach.
(Übersetzer: Tino Hanekamp)
Verlag DuMont, Februar 2019
400 Seiten

Der Februar scheint ein Monat mit vielen Neuerscheinungen interessanter Bücher zu sein. Nächste Woche habe ich mal wieder ein Buch aus Frankreich für Euch…

3 Kommentare

  • Antworten eva 6. Februar 2019 at 8:03

    Liebe Andrea,
    eine interessante Rezession von dir, jedoch ich halt nichts von solchen Büchern. Sicherlich spannend zu lesen, aber…!
    Mein Bruder ist am Samstag verstorben und am Sonntag, als ich gelaufen bin, dachte ich, er steht neben mir, schnauft und geht mit mir.
    Ich glaube ane in Leben nach dem Tode, wie, ich weiß es nicht, aber ich glaube daran, denn sonst hätte mein Leben keinen Sinn gehat.
    Aber Bücher mit solchem Inhalt, da lasse ich einfach die Finger davon.

    Mit lieben Grüßen Eva, die dir einen schönen Tag wünscht

  • Antworten Ein Garten in der Steiermark 6. Februar 2019 at 9:52

    Das Buch hört sich spannend an. Danke fürs Vorstellen und für die kritischen Worte.

  • Antworten Wolfgang Nießen 6. Februar 2019 at 13:45

    Danke für die Rezession, aber ich glaube, dass ist kein Buch für mich, etwas zu abgedreht.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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