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Hélène Gestern: „Der Duft des Waldes“ {Mein Buch des Monats}

25. Januar 2019

enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung

Schon seit ein paar Monaten steht der Roman „Der Duft des Waldes“ (Originaltitel „L’odeur del forét“) von Hélène Gestern auf meiner Liste der Neuerscheinungen, die ich gerne lesen möchte. Während ich auf dem Sofa die Beine hochlegen musste, hatte ich endlich genug Muße, das 700 Seiten starke Buch anzugehen. Es ist mir keine Minute langweilig damit geworden.

„Ein ferner, feiner Geruch, durch die Kälte gedämpft, so dass er, der fast ganz vergessen hatte, was Leben ausmacht, ein paar Sekunden brauchte, um ihn einzuordnen: der Duft des Waldes.“

Inhalt:

Elisabeth Bathori ist eine französische Historikerin mit einem recht ausgefallenen Spezialgebiet: historische Postkarten. Dafür braucht sie ein Auge für die kleinen Details im historischen Alltagsleben. Doch ihren Job hat sie jetzt lange Monate vernachlässigt, denn den Verlust ihres Mann an eine schwere Krankheit, hat sie noch immer nicht überwunden.
Da bekommt sie eine ganz besondere Aufgabe, die sie aus ihrer depressiven Lethargie weckt. Eine betagte Dame übergibt ihr ein ganzes Bündel Feldpostbriefe ihres Onkels Alban de Willecot, die er als junger Soldat im 1. Weltkrieg an seinen Freund, dem berühmten Dichter Anatole Massis geschrieben hat. Sie möchte, dass diese wertvollen Briefe in fachkundige Hände gelangen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Als die alte Dame, die Elisabeth ins Herz geschlossen hat, kurz darauf stirbt, vererbt sie ihr überraschend ein kleines idyllisches Häuschen auf dem Land. In dem Haus stößt Elisabeth auf  manche interessante Dokumente, während sie im ländlichen Umfeld auflebt und wieder freundschaftliche Bande knüpft.  So ist Elisabeth gleich persönlich in die Biographien der Verstorbenen und des Soldaten eingebunden, und die Briefe aus dem Schützengraben werden Ausgangspunkt von Nachforschungen in die Familiengeschichte des jungen Alban de Willecot.

„Mein lieber Anatole,
Du fragst, was es Neues gibt, aber ich habe keine Worte mehr. Dantes Hölle ist nichts gegen das, was ich hier tagtäglich sehe.[…]“

Der junge Alban kehrte nicht aus dem “ großen Krieg“  zurück, aber seine Schilderungen geben ein lebhaftes Bild der Grausamkeiten an der Front.
Aber wo ist die andere Seite der Korrespondenz verblieben, die Briefe des Dichters an den Soldaten Alban? Wer ist die mysteriöse „Diane“, die immer wieder in den Briefen auftaucht? Was hat es mit deren kryptisch verschlüsseltem Tagebuch auf sich, das Elisabeth vertrauensvoll überreicht wird?

Schon aus beruflichen Gründen spürt Elisabeth den Lebenslinien, der Geschichte und den Geheimnissen der verschiedenen Menschen fasziniert nach. Diese Nachforschungen führen sie durch halb Europa und durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts – vom ersten Weltkrieg bis zur Résistance in Frankreich, während des zweiten Weltkrieges , um dann in die Gegenwart zu münden.

Doch es ist keine trockene Recherche anhand von Feldpostbriefen, wiederentdeckten Tagebüchern, heimlichen und an der Zensur vorbei geschleusten Fotos und Erinnerungen von überlebenden Zeitzeugen. Diese ergeben ein sehr bewegendes Bild jener Zeit. Daneben verweben sich Elisabeths Liebesgeschichte und die historischen Geschichten um Liebe, Verlust und Verzweiflung ineinander.

Fazit

Hélène Gestern versteht, es die Geschichte anschaulich und detailreich zu erzählen. Dabei geht die Spannung nicht verloren. Gerade die historischen Biographien sind sehr berührend und lassen den Schrecken des ersten Weltkriegs, der in Frankreich noch bewusster in Erinnerung ist, als bei uns, aufleben.

Die Autorin verwebt gekonnt die verschiedenen Handlungsstränge, die Darstellung der Ich-Erzählerin, die Briefe aus den Schützengräben und Szenenbeschreibungen aus der Vergangenheit. Dies liest sich sehr abwechslungsreich und schenkt spannende Einblicke in die Geschichte.

Sehr empfehlenswert! Nutzt die Zeit der langen Winterabende…

Hélène Gestern:
Der Duft des Waldes.
(übersetzt v. B. Große und P. Klobusiczky)
S.Fischer Verlag März 2018

verlinkt bei „Mein Buch des Monats“ in Andreas Karminrotem Lesezimmer

6 Kommentare

  • Antworten Ein Garten in der Steiermark 25. Januar 2019 at 6:40

    Eine tolle Buchempfehlung. Herzlichen Dank dafür. Deine Bilder sind sehr schön und stimmungsvoll…

  • Antworten mano 25. Januar 2019 at 7:07

    vielen dank für deine rezension. ich merke es mir für den nächsten winter vor!! zur zeit versuche ich erstmal mir die vielen seiten von fräulein nettes kurzen sommers anzueignen. „wovon schwalben träumen“ hat mir übrigens sehr gut gefallen. es ist übrigens schon auf dem weg an die nordseeküste zu einer begeisterten leseratte!
    liebe grüße
    mano

  • Antworten Nicole/Frau Frieda 25. Januar 2019 at 11:27

    Danke für die Vorstellung. Das liest sich nach einem Buch für mich, liebe Andrea. Ich liebe solche Geschichten (und den Wald natürlich auch). Besonders schön finde Deine Präsentation des Buches und das schneebdeckte Moos. Hab‘ es fein. Ganz liebe Wochenendgrüße, Nicole

  • Antworten eva 25. Januar 2019 at 12:01

    Sehr schön liebe Andrea,
    der Duft des Waldes ich kenne ihn, nicht nur durch meinen Besuch im Haus des Waldes in STuttgart und das Buch dazu, das ist dann perfekt.

    Lieben Gruß Eva
    die sich sehr lieb über die schöne Rezension bedankt.

  • Antworten niwibo 25. Januar 2019 at 14:20

    Eine schöne Buchvorstellung liebe Andrea,
    ich wusste gar nicht, dass Andrea Bücher sammelt.
    Da werde ich bestimmt auch mal mitmachen.
    Dir einen schönen Nachmittag, lieben Gruß
    Nicole

  • Antworten Claudia 26. Januar 2019 at 5:59

    Liebe Andrea,
    danke für diese wunderbare Buchbeschreibung, allein der Titel hat mich schon sehr neugierig gemacht, denn ich liebe den Duft des Waldes!
    Ich wünsche Dir ein zauberhaftes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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