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J. Stoletzky & L. Geißler: ca. 750g Glück – Das kleine Buch von der großen Lust, sein eigenes Sauerteigbrot zu backen

3. Oktober 2018

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexamplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum dem Buch behalte ich mir vor.)

Mitte der 80iger Jahre brachte mir meine Freundin aus Schul- und Kinderzeittagen als Gastgeschenk ein Glas mit einem undefinierbaren Inhalt und einen langen, handschriftlichen Begleitzettel mit.
„Das ist Hermine“, erklärte sie mir, „da steht drauf, wie Du sie pflegen musst.“ Wer ist Hermine? Naja, meine Freundin befand sich damals in ihrer fundamental-feministischen Phase und Hermine war eben die feministische Variante des Hermann-Teigs, auch bekannt als Glückskuchen.
Somit wurde ich mit dem Sauerteig-Virus infiziert, der nach Zeiten heftigen Aktivismus auch immer wieder längere Ruhephasen in meinem Leben durchmachte. Kein Wunder, dass ich diese kleine Liebeserklärung an den Sauerteig gern rezensieren wollte.

Ein Loblied auf den Sauerteig

Lutz Geißler ist eigentlich Geologe von Beruf und seit Jahren begeisterter Brotbackfachmann mit einem inspirierenden Blog. Nach etlichen tollen Brotbackbüchern mit vielen gut nachzubackenden Brotrezepten hat er sich nun Judith Stoletzsky als Autorin ins Boot geholt, um eine kleines Liebhaberbüchlein nur über den Sauerteig herauszugeben.

In locker flockigem Ton versucht sich das Büchlein auf einer eher philosophischen Ebene dem Thema anzunähern. Es greift seine Leserschaft in den Zeiten digitaler Reizüberflutung und Lebensmittelverpackungen mit  ellenlangen (unappetitlichen) Zutatenlisten auf und reduziert die gemeinsamen Startbedingungen auf minimalste Zutaten: Wasser, Mehl, Zuversicht und Geduld.

Es heißt, sich zu entschleunigen, das wird gleich klargestellt, denn wer ein wirklich gutes, gesundes Brot herstellen möchte, sollte sich Zeit nehmen und sich in Geduld üben. Der Sauerteig möchte nämlich in Ruhe reifen. Ach ja, einen Namen möchte er auch, das verbindet (aber das wissen wir ja schon, siehe oben.)

Das Büchlein macht dem Brotbackneuling Lust, sich auf den Sauerteig einzulassen, denn es lockt ja eine köstliche Belohnung.

Wo es nach Brot duftet, ist Frieden, hier sind wir sicher. Hier werden wir ernährt […]. Hier ist zu Hause. Brot duftet nach Liebe.

Lutz Geißler zeigt ausführlich und nachvollziehbar auf, wie man den Sauerteig startet, nährt, teilt und schließlich ein Roggensauerteigbrot daraus bäckt. Hubertus Schüler illustriert dies mit experimentellen Fotos, die mal ganz anders als die aktuelle Foodfotographie daher kommen.

 

Mein Fazit

Das schmale Bändchen ist bestimmt eine wunderbare Motivation für einen Brotbackneuling, dem man vielleicht mit einem Glas mit einem Sauerteigansatz überrascht. Ein feines Geschenk! Es liest sich heiter und flüssig und macht im besten Fall Lust, loszulegen.

Aber da kommt dann auch schon meine kleine Kritik. Mir fehlt zum Abschluss mehr als nur ein einziges Rezept für ein Roggensauerteigbrot. Da hätten man doch gern zwei oder drei zur Auswahl. Auch die Möglichkeit, einen Weizensauerteigansatz zu ziehen, mit Rezept ergänzt, hätte das Buch perfekt komplettiert. Dann wäre der Leser/ die Leserin endgültig infiziert…    Das wäre auch gewichtsmäßig nicht von Bedeutung gewesen, denn die 750g werden auch mit Ergänzungen nicht erreicht.

 

Judith Stoletzky & Lutz Geißler:
Zirka 750 g Glück
Das kleine Buch von der großen Lust,
sein eigenes Sauerteigbrot zu backen.
Becker Joest Volk Verlag, Sept. 2018

100 Seiten

  • ninakol. 3. Oktober 2018 at 7:07

    Hi. Ja, den Hermann, den gab es wohl irgendwie in jedem Kühlschrank einmal. Bei uns allerdings nicht sehr lange. Aber eigene Brote backen, mit Sauerteig experimentieren, damit fing ich vor 15 Jahren noch Mal an. Inzwischen immer Mal wieder und mit Ruhephasen. Auch Mal misslungen. Aber immer wieder gern. Einfach lecker und gar nicht so schwer.
    Und ich muss dir beipflichten, Simeon Buch braucht mehr, als ein Grundrezept.
    Schönen Feiertag und liebe Grüße
    Nina

  • eva 3. Oktober 2018 at 7:41

    Ich denke mal ziemlich viele Bäckerinnen und Bäcker haben schon mal mit Sauerteig gebacken und ihn angesetzt.
    Ich auch. allerdings bin ich kein so Sauerteigbrotfan. Aber ich könnte es mal wieder probieren.

    In der Regel kaufe ich mein Brot aber manchmal packt es mich auch und ich backe selbst Brot. Aber unser Bäcker ist schon gut und man kann ihm sogar beim Backen durch ein Schaufenster zusehen.

    Nur ein Rezept, schade, aber wie immer liebe Andrea, die Rezension hast du prima beschrieben und selbst, wenn nur ein Rezept, so liest es sich bestimmt richtig gut.

    Hab einen schönen Feiertag und einen Gruß an den See
    viele Grüße Eva

  • mano 3. Oktober 2018 at 7:52

    da wir im nachbardorf einen prima biobäcker haben, der ein unglaublich tolles „elmbrot“ mit sauerteig backt, werde ich mir die mühe nicht machen. aber das buch sieht schön aus, ist sicher ein kleinod und bestimmt für backfans einen kauf wert.
    liebe grüße
    mano

  • Nicole/Frau Frieda 3. Oktober 2018 at 8:29

    Brot duftet nach Liebe. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzu zufügen, liebe Andrea. Vielen Dank für den schönen Buchtipp und eine wunderbare Kindheitserinnerung. Auch bei meiner Mutter fand der „Hermann“ Einzug. Ich weiß noch, wie witzig ich es fand, da mein Papa Hermann heißt. Liebe Feiertagsgrüße, Nicole

  • Claudia 3. Oktober 2018 at 10:15

    Liebe Andrea,
    wer kennt den „Hermann“ nicht? Auch bei uns war er ständig unterwegs und wir haben gebacken, was das Zeug hielt :O)
    Den letzten Hermann habe ich vor 2 Jahren da gehabt. Was aber nicht heißt, daß ich nicht zwischendurch wieder Sauertigbrot gebacken htte :O)
    Das Büchlein ist sehr schön, danke für den tollen Tip!
    Hab einen wunderschönen und freundlichen Feier-Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

  • Claudia 3. Oktober 2018 at 16:29

    Hallo liebe Andrea,
    Hermine ;o)))
    Also nee. Ideen muss frau haben.
    An Hermann erinnere ich mich noch gut.
    Und an den wenig begeisterten Gesichtsausdruck meiner Ma, die nicht wirklich mochte, wenn ich ihre Küche belegte.
    Und an unser aller wenig begeisterte Gesichtsausdrücke beim Geschmackstest.
    Hermann blieb nicht lag. Keiner von uns mochte mehr als 1x essen, was daraus wurde.
    Danke für die Erinnerung.
    Claudiagruß

    • Andrea 3. Oktober 2018 at 17:07

      Schade, dass der Hermannkuchen bei Euch nicht gelungen ist. Bei uns ging er immer super weg, bis wir ihn im Umzugstrubel vergessen haben…
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Pia 6. Oktober 2018 at 19:30

    Ach der Hermann da hätte ich auch noch eine Geschichte dazu. Der kursierte als ich noch nicht wirklich selber kochte. Aber in unserer Sudeten-WG hatte eine einen und wir anderen fanden die stinkende Schüssel eklig und verbannten den Hermann immer aus der Wohnung. Das gab natürlich Zickenkrieg. Das Sauerteigbrot besorge ich mir vom Biobäcker.
    L G Pia