Bücher

Klemens Pütz: Unverfrorene Freunde. Mein Leben unter Pinguinen. {Mein Buch des Monats}

24. September 2018

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexamplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum dem Buch behalte ich mir vor.)

Anfang des Monats eröffnete Andrea in ihrem Karminroten Lesezimmer eine feine neue Linkparty und sucht seitdem „Mein Buch des Monats“. Natürlich kann ich erst am Monatsende entscheiden, welches mein Buchliebling war. Unter all meinen Septemberbüchern (die ich Euch am Mittwoch hier zeige) ist mein absolutes Lieblingsbuch diese

Liebeserklärung an die Pinguine

Der promovierte Meeresbiologe und Pinguinforscher Klemens Pütz schreibt in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Dunja Batarilo ein ebenso fundiertes wie unterhaltsames Buch über die spannenden Seevögel aus der Antarktis. Schon der Wortwitz des Titels: „Unverfrorene Freunde“  verweist auf die freche, dreiste Art der Hauptdarsteller und macht Hoffnung auf eine erfrischende Unterhaltung. Beides wird nicht enttäuscht.

Klemens Pütz erforscht die Pinguine in der Antarktis seit fast 30 Jahren, insbesondere acht der 18 Pinguinarten. Er stellt sich dabei als Pragmatiker dar, der nach Wegen der Mitgestaltung sucht, um den Bestand der Pinguine zu erhalten. So schildert er im Buch auch seine Arbeit im Rahmen der Antarctic Research Trust, einer gemeinnützigen Stiftung, die Daten über die Pinguine sammelt, um deren Überlebenschancen zu verbessern.

Nicht alles, was mit Pinguinen zu tun hat, ist also niedlich – vor allem, wenn wir Menschen involviert sind. […] Diese Tiere sind so faszinierend, dass die Realität ohnehin spannender ist als jedes Klischee.

 

Foto Paul Balfe s.u.

Inhalt

Auf überraschend vergnügliche wie höchst informative Art erfährt der Leser über die Evolution der Pinguine, die verschiedenen Pinguinarten, die Unterschiede in ihrer Lebensweise, ihren Lebensraum, Flora und Fauna. Fotos aus dem Archiv des Forschers verdeutlichen das Erzählte.

Wir schlittern förmlich zusammen mit den Pinguinen an Land, erleben daunennah ihr Leben in der Brutkolonie, wo es auch mal heftig und derb zugehen kann. Dort geht es weiter mit der Beobachtung beim Balzen, Paarung und Brüten, bis sich der Nachwuchs aus dem Ei pellt. Man verliebt sich sofort in das hilflose, „rührend hässliche“ Küken und bangt bei der mühsamen Pflege und Aufzucht des Nachwuchses mit.

Kaiserpinguine haben einen weiten Weg zu den Nahrungsgründen, deshalb nimmt ein Kaiservater zwei Monate Pflichtelternzeit. Gehört, deutsche Wirtschaft? Erst dann kehrt die Mutter zurück, wohlgenährt und mit ordentlich Proviant für das Küken im Bauch.

Pütz führt so spannend und lebendig sowohl in seinen Forschungsalltag, wie auch in die Methoden der Forschungsarbeit ein, dass fast schon der Geruchssinn beim Lesen angesprochen wird. Der technische Fortschritt lässt mittlerweile auch Einblicke in das faszinierende Leben der Pinguine im Wasser zu. Wovon ernähren sich die einzelnen Arten, wie weit müssen sie dafür schwimmen?

Im dritten Teil des Buches muss ein ernsterer Ton angeschlagen werden. Denn Pinguine zeigen auch auf, wo es im ökologischen System klemmt.  Fast überall werden Pinguine weniger, bei zehn Arten ist der Bestand stark gefährdet.  Die Gründe dafür liegen meist bei uns Menschen: von der Verschmutzung der Meere durch Öl und Plastik, über die Folgen des Klimawandels, des Tourismus und der Überfischung der Meere  Das Buch legt sie umfangreich offen und bietet auch Lösungswege an.

Denn nur was man liebt, das schützt man auch. In diesem Sinne schreibe ich auch dieses Buch: Wer die Zusammenhänge versteht, der kann auch dementsprechend handeln. Denn Pinguine brauchen Freunde – nicht nur auf YouTube.

 

Fazit

Selten habe ich so ein zugleich spannendes, unterhaltsames und witziges Sachbuch gelesen, das auf leicht verständliche Art zugleich soviel wissenschaftlich fundierte Sachinformationen bietet. Die Pinguine sind mir sogleich ans Herz gewachsen, da ich nun so viel über ihre Lebensweise erfahren habe. Mit wieviel Leidenschaft und Herzblut das Buch geschrieben wurde, teilt sich unmittelbar mit.

Die Darstellung ihrer Gefährdung und der Gründe dazu finde ich sehr umfangreich, kompetent und bewegend. Es motiviert zugleich, sich für die Vermeidung von Plastik im Alltag und den Schutz der Meeresbewohner einzusetzen. Die Informationen hallen noch lange nach.

Die Graphik über die Verteilung der verschiedenen Pinguinarten auf der Südhalbkugel hätte ich mir gern mindestens zwei Nummern größer gewünscht, vielleicht auch eine Bilderreihe aller Pinguinarten nebeneinander. Dafür bietet das Buch im Einband informative Karten über die Antarktis. Wie man sieht, ist mein Wissensdurst durch das Buch noch angestachelt worden. Wie praktisch, dass sich am Ende noch Listen weiterführender Literatur und Websites zu den Themen Pinguine, Antarktis, Fischerei, Meer und Plastik  anschließen.

Die Pinguine sind nun auch meine unverfrorenen Freunde geworden. Absolute Leseempfehlung!

Klemens Pütz, Dunja Batarilo:
Unverfrorene Freunde
Mein Leben unter Pinguinen

Ullstein Verlag, September 2018

272 Seiten

(Da ich gerade keine Gelegenheit habe, selber Pinguine zu fotografieren, habe ich sie mir diesmal ausgeliehen…)

photo credit: PaulBalfe Oh come on Percy … it wasn’t THAT funny via photopin (license)

  • Andrea Karminrot 24. September 2018 at 7:11

    Pinguine gehören zu meinen heimlichen Favoriten in der Tierwelt. Die sind für mich witzig. Aber da steckt bestimmt noch mehr als Witz dahinter. Du hast dieses Buch so prima vorgestellt, dass ich morgen bei meinen Buchdealer vorbei schauen muss.
    Schön dass du mitmachst
    Lesende Grüße
    Andrea

  • Astridka 24. September 2018 at 8:57

    Da ich ja momentan eher der Sachbuchleser bin, ist mir das Buch auch empfohlen worden. Und nun finde ich es hier bei dir. Das lässt mich doch überzeugen.
    LG
    Astrid

  • eva 24. September 2018 at 9:59

    Ohhhhh, ich mag Pinguine und mein Sohn erst recht. Als Kind hat er sie immer nachgemacht und hat mit den Armen so geschlagen. Toll!

    Ich habe den Film
    Die Reise der Pinguine gesehen und hier wird auch gezeigt, wie schwer es so ein Neuankömmling hat.

    Die Natur ist manchmal grausam aber es ist nun mal so.

    Wieder eine schöne Vorstellung von dir.

    Mit lieben Grußen Eva

  • Jutta von siebenVORsieben 24. September 2018 at 10:10

    Danke für den Lesetipp. Von selbst wäre ich auf dieses Buch wohl nicht gekommen.
    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    Jutta

  • mano 24. September 2018 at 18:16

    das klingt ganz und gar wunderbar!!
    liebe grüße
    mano

  • Nicole/Frau Frieda 26. September 2018 at 7:20

    Das klingt nach einem Buch für meinen Schwiegervater, liebe Andrea. Vielen Dank für den Lesetipp. Ein spannendes, unterhaltsames und witziges Sachbuch wird von ihm immer gewürdigt. Ganz liebe Grüße, Nicole