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Tel Aviv. Ein Reisekochbuch von H. Molcho / NENI {Bücher}

2. September 2018

(Werbung, der Verlag stellte mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung bleibt davon unbeeinflusst)

Die moderne Küche Israels

Tel Aviv gehört momentan zu den kulinarischen Hochburgen, deshalb hat mich dieses Kochbuch gleich gereizt. Die Küche Israels lebt von den  vielfältigen internationalen Einflüssen, die sich durch die Einwanderer hier bündeln. Gerade in dieser modernen, lebenslustigen Großstadt ist sie sehr experimentierfreudig, offen, ständig im Wandel und auf der Suche nach Neuem. Schon das Grafitti-Cover des Kochbuchs hebt das Moderne, Spontane hervor.

Die Autorin Haya Molcho wurde in Tel Aviv geboren und kam mit neun Jahren nach Deutschland. Die internationalen Küchen lernte sie auf den Tourneen ihres Mannes, des Pantomimen Samy Molcho kennen. Heute betreibt die Familie Molcho  mehrere Restaurants unter dem Namen NENI.

Für dieses sogenannte „Reisekochbuch“ waren die Autorin und ihre Mitarbeiter (ihre Söhne u.a.) unterwegs in Tel Aviv, um die Atmosphäre einzufangen, Gespräche mit interessanten und spannenden Menschen zu führen, die sich in irgendeiner Form mit der Küche dieser Stadt beschäftigen. In den „Stories“ werden mehrere innovative Köche, Restaurant- und CafébesitzerInnen vorgestellt, aber auch Gewürzhändler, Fischer, Journalistin, Foodblogger und Sommeliers, die durch die Küche Tel Avivs führen. Einige sind mit eigenen Rezepten im Buch vertreten.

Im Buch ist zu spüren, dass Streetfood und der Holzkohlegrill  in Tel Aviv schon lange Tradition sind, Fisch und Meeresfrüchte als fester Bestandteil zum Mahl der Stadt am Meer gehören. Auch Fleischgerichte sind sehr beliebt. Bei den Gerichten kann man den starken Bezug zur Region und auch zur Geschichte des Landes wahrnehmen.

Durchgeblättert

Das Kochbuch wurde in fünf Food-Kapitel eingeteilt. Fisch- und Fleischgerichte dominieren vor den Gemüsegerichten, von denen sechs als Vorspeisen  und eines als Frühstück gedacht sind.

  • Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte
  • Grundbausteine (z.B. Focaccia, Zhug, Tahina, eingelegte Zitronen, Gemüse- und Hühnerbrühe)
  • Fisch (z.B. Branzino, Meeresfrüchte, Lachs, Sardinen, Oktopus)
  • Fleisch (Rind, Lamm, Ente, Huhn)
  • Süßes (Früchte, Eis, gezuckertes Gebäck)

Im Kochbuch wechseln sich Rezepte und „Stories“ ab. Da die „Stories“  in die verschiedenen Kapitel eingestreut sind, fügen sich die Rezepte der vorgestellten Vertreter der Tel Aviver Küche oft  nicht passend in das jeweilige Kapitelthema und fühlen sich gelegentlich wie ein Irrläufer an.

Der Hinweis, ob ein Gericht als Vor- oder Hauptspeise gedacht ist, hilft ein wenig bei der Einschätzung der richtigen  Menge. Es wird eine Mischung aus schnellen und aufwendigeren Gerichten präsentiert, oft ergänzt durch ein paar persönliche kleine praktische Hinweise der Autorin.

Als Insidertipps werden die Adressen der vorgestellten Restaurants, Cafés und Läden in Tel Aviv angeführt. Bezugsquellen für Zutaten werden nicht genannt, allerdings ist z.B. die Auswahl der benutzten Gewürze in jedem modernen Supermarkt zu finden. Allein die Sivri-Paprika, als der heimliche Star des Kochbuchs bezeichnet, wird man wohl suchen müssen.

Die Fotos der vorgestellten Menschen und aus den Küchen sind sehr atmosphärisch. Die Foodfotografie ist meist ansprechend,  begeisterte mich allerdings nicht immer (zwei Fotos würden mich gar vom Kochen des Gerichtes abhalten). Auch das Neni-Team stellt sich gern ins Bild.

Was ich vermisse:

Das Fehlen eines Zutatenregisters finde ich extrem nervig. Das gehört eigentlich unbedingt in ein teures hochwertiges modernes Kochbuch. Toll hätte ich noch Angaben zu Garzeiten und Nährwerten gefunden, aber man kann halt nicht alles haben.

Das Thema Frühstück, das in Israel oft ein üppiges ist, wird leider nur mit einer Shakshuka und einem süßen Gebäck gestreift.
Da auf meinem eigenen Speiseplan Gemüse einen sehr hohen Stellenwert hat, hätte ich mir viel mehr reine Gemüsegerichte gewünscht.  Aber vielleicht ist das nicht das große Thema der Küche in Tel Aviv.

Würde ich gerne noch kochen

Ausprobiert:

Artischocken mit Frikeh 
Die empfohlene Zubereitung der Artischocken erwies sich als viel aufwendiger, als wenn man sie im Ganzen kochen würde. Ansonsten gut nachzukochen. Mit etwas mehr Frikeh und einem Salat dazu eine vollwertige Mahlzeit. Pekanüsse wurden von uns durch Mandeln ersetzt. Die Menge an Zwiebeln und Knoblauch sollte dem individuellen Geschmack angepasst werden, dann mundet es auch den Kindern.

Fisch-Auberginen-Köfte
Als Vorspeise wäre mir die angegeben Zubereitung der Aubergine zu aufwendig. Als Hauptgericht für zwei Personen mit Beilage und Salat sehr lecker und sättigend.

Dattelküchlein mit salzigem Karamell
Mengen- und Zeitangaben korrekt, Anleitung gut umzusetzen, originell in der Mischung von süß und salzig, hat alle Esser überzeugt
ein sehr reichhaltiges, ausgefallenes Dessert, das gut in den Herbst und Winter passt
Wenn man z.B. kleine Förmchen benutzt, wird das Gericht sehr ansehnlich im Vergleich zum eher abschreckenden Foto im Buch

Fazit

Für Liebhaber der orientalischen Küche mit Fisch und Fleisch bestimmt ein interessantes, modernes Kochbuch. Wenn man eine Reise nach Tel Aviv plant, kann man sich anhand der ausführlichen Vorstellung der dortigen Küche bestens kulinarisch ausleben.

Das Tel Aviv Reisekochbuch by NENI
Food. People. Stories.

von Haya Molcho, Fotos v. Nuriel Molcho
Brandstätter Verlag
256 Seiten

 

 

  • Eva 2. September 2018 at 8:17

    Liebe Andrea,
    das liest sich ganz gut, jedoch, wie ist das mit dem koscheren Essen? Geht man hier auch drauf ein.

    Ich hatte mal vor Jahren ein Führung in der Synagoge in Stuttgart, hier befindet sich auch ein Restaurant und
    die Teilnehmer an dieser Führung durfen in diesem Restaurant auch essen und bekamen auch eine Einführung in das koschere Essen.
    Ich fand es sehr aufwändig koscher zu kochen, aber das ist wohl auch Auffassungssache.

    Auf jeden Fall hast du das Buch sehr schön beschrieben und auch vorgestellt.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich dir.

    Mit lieben Grüßen Eva

    • Andrea 2. September 2018 at 10:05

      Hallo Eva,
      nein, dieses Thema wird überhaupt nicht angesprochen. Allerdings finden sich auch keine Rezepte mit Schweinefleisch im Buch (aber das verwende ich auch nicht in der Küche). Ottolenghi spricht in seinem „Jerusalem“-Kochbuch das Thema an, ich glaube in Bezug auf Fische.
      Das Kochbuch ist eigentlich für den einfachen Gebrauch im deutschen Haushalt geschrieben.
      Liebe Grüße
      Andrea

    • Rahel 3. September 2018 at 12:18

      In Tel Aviv ist die Bevoelkerung im Grossen und Ganzen nicht-religioes und haelt sich somit auch meist nicht an die koscheren Essvorschriften- ganz im Gegensatz zur Bevoelkerung von Jerusalem. Ich denke, das ist sicher einer der Gruende, wieso koscheres Essen nicht thematisiert wird.

      Zudem: In Tel Aviv ist vegetarische und vegane Kost sehr „in“- aber ich nehme an, dass jedes Kochbuch irgendwo einen Schwerpunkt setzen muss. Fuer mehr vegetarische Gerichte kann ich Rezepte von Yotam Ottogelghi/ Sami Tamimi empfehlen.

      Liebe Gruesse aus Israel, Rahel

      • Andrea 3. September 2018 at 13:10

        Liebe Rahel,
        Danke für den Blick direkt aus Israel! Die Kochbücher von Ottolenghi stehen in meinem Kochbuchregal. Vor allem das Jerusalem-Kochbuch (mit Sami Tamimi zusammen verfasst) liebe ich besonders. Von daher lag mein Erwartungs-Level natürlich schon höher 😉
        Aber es ist ja auch interessant, wenn man die Küche zweier Städte vergleichen kann.
        Liebe Grüße
        Andrea

  • Astridka 2. September 2018 at 22:08

    Schade, wir haben bei Neni auf dem Wiener Naschmarkt so großartig gefrühstückt ( und manchmal genachtmahlt ). Müssen wir doch mal das neue Neni im Kölner 25hours -Hotel aufsuchen…
    Eine gute neue Woche!
    Astrid

    • Andrea 2. September 2018 at 22:47

      Wieso schade? Es sind manch andere leckere Gerichte im Buch. Aber wenn Du das passende Restaurant vor der Tür hast, ist das natürlich perfekt.
      Dir auch eine gute Woche.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Gretel 6. September 2018 at 8:14

    Jetzt hatte ich diese Buchvorstellung fast verpasst, obwohl ich mich doch schon darauf gefreut hatte.
    Deine Rezension finde ich sehr hilfreich. Ich kaufe ja Kochbücher oft nach visuellen Eindrücken und dieses Buch spricht mich optisch an und das Thema finde ich ja sowieso interessant. Aber praktisch veranlagt bin ich dann auch und wenn Zutatenlisten und Garzeiten fehlen, finde ich das Umsetzen schon schwierig.
    Danke.
    Liebe Grüße

    • Andrea 6. September 2018 at 8:49

      Hallo Gretel,
      also Zutatenlisten fehlen nicht, aber ein ZutatenREGISTER am Ende des Buches. Das ist eine moderne hilfreiche Ergänzung zu den üblichen Rezeptregistern.
      Die Garzeiten sind natürlich im Rezepttext enthalten, ich dachte an die übersichtliche Darstellung von Zubereitungszeiten und Nährwerten. Manche Kochbücher haben das, andere nicht.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Andrea Karminrot 14. September 2018 at 9:01

    Hach…diese Buch hatte ich auch schon auf dem Plan und habe is dann doch verworfen. Die Gerichte sehen aber sehr lecker aus und da ich ein Pescetarier bin, würden wahrscheinlich einige Rezepte ganz gut zu mir passen.
    Vielleicht schaue ich es mir doch noch einmal bei meinem Buchdealer an.
    Lieben Gruß
    Andrea