Eye Poetry Kreatives

Eye – Poetry # 15 – Auf ein Neues!

15. Juni 2018

Stimmt, die Eye-Poetry Challenge hat ein, zwei Monate lang einen Dornröschenschlaf gehalten.

Die Eye-Poetry Aktion

Als ich diese kreative Aktion Anfang letzten Jahres startete, hatte ich Lust darauf, Literatur  in anderer Form für das Auge umzusetzen, oder noch freier: mit sinnlichen Eindrücken zu verbinden.  Eigentlich war sie auch nur für ein Jahr geplant. Erfreulicherweise kam sie bei Euch gut an und ich habe mich zu einer Verlängerung überreden lassen, obwohl ich dabei ein mulmiges Gefühl hatte. Ja, ich gleiche da dem Zitronenfalter, der mal hier nippt und mal dort, mit nicht zu langer Verweildauer (richtig, Sternzeichen Zwilling…)

Bald merkte ich, dass mir allmählich der Atem ausging, nicht bezüglich der Literatur, aber die kreative Umsetzung wurde zusehends zu einer Pflichtveranstaltung, einem „Muss“. Schließlich hatte ich so gar keinen Spaß mehr daran. Wenn es weitergehen sollte, brauchte die Aktion zunächst eine Pause und zudem eine Überarbeitung.

Ein bisschen freier, ein bisschen frischer

Ein ganz dringlicher Wunsch ist, den Einstieg ein bisschen einfacher zu machen, Hemmschwellen abzubauen. Mehr Menschen zur Teilnahme zu motivieren, auch mich selber…
Mich würde freuen, wenn wir den Mut hätten, uns noch freier inspirieren zu lassen, was die angesprochenen Sinne, die Materialien und auch den Aufwand betrifft.
Ob ihr die Inspiration des Gedichtes an der Nähmaschine, am Küchenherd, am Strand oder im Garten umsetzt, ist egal. Im Gegenteil, je unterschiedlicher Eure Beiträge sind, um so besser. Wenn die Zeit nur für etwas Kleines, Spontanes reicht, ist das ebenso gut, wie ein großes Werk.

Das Ziel ist doch eigentlich, dass uns das Gedicht im Alltag begleitet und uns zu etwas inspiriert. Und das muss nicht gleich ein großes Werk sein.

Änderungen im Ablauf

Ganz neu ist, dass ihr Eure Beiträge gleich hier und  sofort verlinken könnt. Die Verlinkung bleibt offen bis zum 31. Juli. Alle weiteren Änderungen findet ihr in den Spielregeln unten. In der Sidebar und im Slider (den beweglichen Fotos zu den aktuellen Beiträgen) findet ihr stets hierher zurück.

Nun aber zum aktuellen Gedicht. Dafür begeben wir uns in der Zeit ein paar Jahrhunderte zurück ins Schweden des 17. Jahrhunderts.

Eye-Poetry # 15: Israel Holmström: „Elin liebe ich so sehr“

Was ist das für ein Dichter, der bis heute bekannt ist durch ein Gedicht auf einen Hund?
Israel Holmström (1660-1708) war ein  schwedischer Dichter über dessen Leben nur wenig bekannt ist. Er scheint seine dichterische Laufbahn mit Grabgedichten begonnen zu haben, wechselte aber auch leichtfüßig ins heitere Fach mit Rätseln, Parodien, lustigen Epigrammen. Ihm blieb schließlich kein damaliges Genre fremd, schrieb er doch auch Burlesken, Gesellschaftsgedichte und elegische Liebeslyrik. Zu seiner Zeit waren seine Werke beliebt, aber er legte keinen Wert darauf, seine Werke zu sammeln und drucken zu lassen. So sind diese heute nur als Abschriften und in Sammlungen vorhanden.

Holmström galt als Bewunderer des Königs Karl XII von Schweden und trat als Soldat und später Kriegsrat in dessen Dienste. Auf einem Feldzug in Litauen starb er 1708. Der schwedische Politiker und Zeitgenosse Carl Gustaf Tessin meint über Holmström er wäre „immer glücklich, immer arm, immer unbekümmert“ gewesen.
Bis heute bekannt sind seine Weise „Elin älskar jag rätt mycket“ und sein kleines Gedicht auf „Pompe“, den Hund seines Königs , das auf Pompes Grab im  Park des Schlosses Karlberg im schwedischen Solna verewigt ist.

Die Zeilen aus dem Elin-Gedicht, die ich ausgewählt habe, sind eigentlich der Mittelteil des längeren Gedichtes. Auch wenn ihr kein Schwedisch beherrscht, könnt ihr euch am Lesen des Originals versuchen, um zu merken, wie sehr die Zeilen von der Melodie und den Lauten lebt. Solche Gedichte kann man in der Regel nicht wortwörtlich übersetzen…

Leider habe ich (trotz Schwedischkenntnissen) nicht herausfinden können, wer  mit „Elin“ gemeint war. Ihr dürft es gern frei interpretieren, wer für Euch die Adressatin des Gedichtes ist. Ich habe bei Lesen immer das Gefühl, dass ein Kind damit gemeint sein könnte. Was meint ihr?

Nein, es ist kein Irrtum, dass eine Zeile im schwedischen Original auf Deutsch ist. Das hat Holmström so geschrieben, vielleicht in Anlehnung an einen im Schwedischen damals bekannten (Lied)text oder Ausspruch.

Elin ist mein Hochzeitssüppchen,
Elin ist mein Sonntagshut,
Elin ist mein Zuckerpüppchen,
Elin ist mein höchstes Gut,
Elin ist mir Freud‘ und Wonne,
Elin ist mein Zobelpelz,
Elin meine Welt und Sonne;
Tal und Berg und Meer und Fels.

Elin är min byxäcksklocka,
Elin är min russinstrut,
Elin är min sockerdocka,
Elin ist mein höchstes Gut,
Elin är min fröjd och gamman,
Elin är mitt sobelskinn,
Elin är mitt allt tillsamman,
alltihop är Elin min.

Israel Holmström (1660 – 1708)

 

Die erweiterten Spielregeln:

 Eye Poetry – was ist damit gemeint?

Direkt übersetzt ist es eigentlich „Lyrik fürs Auge“. Wir erweitern es hier:  Literarisches für das Auge, die Nase, den Tastsinn, das Gehör, die Zunge etc.  umgesetzt.
Eure Möglichkeiten sind weit gefächert, je größer am Ende die Vielfalt, desto interessanter ist es doch. Beschränkt Euch nicht auf das Auge, nehmt alle Sinne hinzu. Kann man ein Gedicht auch backen? Zu einem Duft verarbeiten??

 Idee:

Am 15. eines Monats stelle ich ein Gedicht, ein Zitat oder ein kurzes Stück Prosa vor. Ihr könnt anderthalb Monate lang Eure Beiträge verlinken. Zeit genug,  einen ganz persönlichen kreativen Weg zu finden, den Text für alle Sinne umzusetzen, zu interpretieren und in eine neue, eigene Form zu gießen.
Die Form ist frei. Möglich sind z.B.

– Foto, Fotoserie, Filmchen
– Darstellung in gemalter, gezeichneter, collagierter, gestempelter … etc. Form
– künstlerische Installation
– Genähtes, gestricktes, gesticktes, gefilztetes, gekochtes, gebackenes, gemischtes, geschnitztes, geformtes etc. Objekt
und das sind nur ein paar Ideen.

Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen. Auch der Umfang ist nicht von Bedeutung.
Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür gerade die Zeit übrig ist. Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle.

Vorstellung

Stellt bitte Euren Beitrag in einem eigenen Blog-Posting vor. Ihr könnt gleich damit anfangen.
(Am besten sucht Ihr für das Thumbnail-Image, das hier auf dem Blog erscheint, Euer Ergebnis aus. Ich finde es spannend, wenn Ihr ein bisschen über Eure Idee und den Entstehungsprozess berichten würdet.

Bedingung ist nur, dass es keine älteren Beiträge sind und/oder die nicht in Zusammenhang mit unserem Projekt erstellt wurden. (Kommerzielle oder Werbung tragende Links sind unerwünscht, da bitte ich um Euer Verständnis).

Zeitspanne:

Ihr habt ab sofort die Möglichkeit zu verlinken. Die Verlinkung bleibt offen bis zum 31. Juli.

Gern dürft Ihr diesen Button mit auf Euren Blog nehmen:

 

Für das Sammeln Eurer Beiträge nutze ich InLinkz. Bitte beachtet,  dass mit der Nutzung der InLinkz-Verlinkung Daten gespeichert werden. Mit der Benutzung dieses Links erklärst Du Dich damit einverstanden (weitere Informationen in meiner Datenschutzerklärung).


  • Nicole/Frau Frieda 15. Juni 2018 at 7:12

    Oh, da habe ich ja bis zu meinem Geburtstag Zeit etwas zu kreiern, liebe Andrea. Ja, ich bin ein Löwe.. whhharr! Das Gedicht gefällt mir total gut und.. hej.. egal wer Elin ist, er oder sie konnte sich glücklich schätzen so geliebt zu werden. Ganz liebe Wochenendgrüße, Nicole (die sich freut, dass es weiter geht!)

  • mano 15. Juni 2018 at 8:19

    so ein schönes gedicht,! es lässt sich aber auch wunderbar in deutsch lesen, ich habe es mir laut aufgesagt. witzig ist der deutsche satz im schwedischen text, fühlt sich aber ganz harmonisch beim lesen ein. nur die letzten beiden zeilen sind anders übersetzt als im original, wo keine berge ,meer und fels vorkommen. ist das absicht oder versehen?
    ich hoffe mir fällt etwas dazu ein, aber dank deiner neu-einrichtung, auch kleines dazu zu zeigen, wird es mir vielleicht noch vor dem urlaub gelingen.
    liebe grüße, ich freu mich sehr, dass du die eye poetry weiter anbietest!
    mano

    • Andrea 15. Juni 2018 at 9:34

      Liebe Mano, der Übersetzer hat es nicht wortwörtlich übertragen. Das liegt in seiner künstlerischen Freiheit. Deshalb finde ich es immer interessant, wenn das Original gleich daneben steht.
      Liebe Grüße
      Andrea

  • Pia 15. Juni 2018 at 22:28

    Ja auch für mich sind die Vorgaben jeweils eine Herausforderung, die ich aber immer gerne angenommen habe und probiert etwas umzusetzen. Mit dem nötigen Spielraum werde ich versuchen meine Phantasie an zu kurbeln.
    L G Pia

  • frau nahtlust 16. Juni 2018 at 7:36

    Jaaaa! Sie ist zurück, deine schöne Aktion, und mir gefallen die neuen Rahmenbedingungen! Danje vielmals, dass du sie weitermachst. Das ist so eine feine Sache und eine tolle Idee! Ich bin gerne dabei und werde mich an meiner Flickenarbeit wieder dransetzen, damit der Augenpoesie-Flickenteppich weiter wachsen kann.
    Bis bald und LG. Susanne