Blickwinkel Vermont

Geld oder Tausch – eine gute Kinderfrage {Blickwinkel Vermont}

8. September 2017
Heute gibt es hier mal wieder einen Blick hinüber über den Teich nach Vermont. Mal schauen, was meine Tochter so zu berichten hat….

„Warum gibt es eigentlich Geld?“

Vor einigen Wochen fragte meine große Tochter mich, warum es Geld gibt.
Eine Frage, eher nebenbei gestellt, deren Beantwortung eine Weile dauerte. Ich musste weit ausholen…
Der Grund warum sie gefragt hatte,  war aber kein Interesse für die Geschichte des Geldes, sondern weil sie Geld für überflüssig hält. Ihrer
Meinung nach braucht kein Mensch Geld. Bin ich ein schlechtes Vorbild für meine Kinder, weil ich Milch, Eier, Fleisch, Gemüse und einiges andere eintausche?  Tauschhandel ist faszinierend.
Sicher, theoretisch ist er vom Staat ungern gesehen,  aber er ist praktisch und hier weit verbreitet. Und meist handelt es sich um den Tausch von kleinen Mengen (auch wenn der Tausch oft regelmäßig stattfindet). Auch Auto reparieren wird oft gegen Babysitten “getauscht”.
Selbst bei Mechanikern, die ihre eigene Werkstatt haben. Ist das auch Tauschhandel? Kann man so was verbieten?
Oder der Tausch von Eingemachtem? Gang und Gäbe, aber insgesamt käme da sicher eine Menge Geld bei raus, wenn man das versteuern würde.

Ich weiß nicht, ob überall auf dem Land Tauschgeschäfte so verbreitet sind wie hier, aber hier beginnen schon die Kinder damit in ihren Spielen.
Im Prinzip ist das nicht verboten, aber man muss es eigentlich bei der Steuererklärung eintragen und für jede Art von Tauschhandel (“bartering”) ein anderes Formular ausfüllen.

Im vergangenen Sommer tauschte ich Brot auf Höfen gegen deren Erzeugnisse. Unterstütze ich damit nicht die lokalen Bauern? Kann das schlecht sein nur weil der Staat dabei nichts dabei verdient? Wieviel von dem Geld, das
Bauern verdienen, wird wirklich versteuert? Eine der Bäuerinnen trägt immer ein, wenn ich Milch nehme, als habe ich ihr dafür Geld und nicht Brot gegeben, Ihr seht woher die Frage meiner Großen kommt, aber sie muss ja trotzdem lernen mit Geld umzugehen (mit ihren sieben Jahren erarbeitet sie sich das Taschengeld, ist aber eher mäßig interessiert). Sie ist gut in Mathe, tut sich aber schwer mit Geld.
Vielleicht sollte ich sie beim Markt bei den Bauern einkaufen lassen, die Geld von uns bekommen. Und das Tauschen wird auch in Zukunft
dazugehören.

Als sie mir sagte, warum sie mir die Frage gestellt hatte, nahm ich ihr eine Illusion: Die Menge an Milch, Eier, Gemüse etc. die wir uns nehmen können ohne Geld, basieren auf dem Verkaufswert und genauso mache ich das auch mit dem Wert des Brotes. Sie schwieg eine Weile. Und sagte dann, dass es aber viel lustiger sei ohne Geld. “Die Leute die das  Propangas bringen, brauchten ja schließlich auch Essen und Autoreparaturen…“

Viel Spaß beim Tauschen und bei Kinderfragen

Eure Liv

  • Astrid Ka 8. September 2017 at 6:53

    Oh, das ist eine spannende Diskussion!
    Euch allen ein schönes Wochenende!
    Astrid

  • Pia 8. September 2017 at 8:05

    Früher war das ja noch gang und gäbe, also geben und nehmen.
    Heute schaut fast jeder nur noch für sich, eigentlich schade.
    Kindern Illusionen nehmen ist nicht immer einfach.
    L G Pia

  • gretel 8. September 2017 at 10:12

    Tauschen finde ich absolut klasse und eigentlich unangebracht, so etwas extra in einer Steuererklärung vermerken zu müssen. Auf dem Lande geht es sicherlich etwas einfacher, aber auch in der Stadt kann man Dienstleistungen tauschen oder in Gebrauchtwarenläden ver- und einkaufen (OK da braucht man Geld, man könnte aber z.B. einfach nur Gutscheine ausgeben.) Leihen ist auch super, bei Maschinen, Gerätschaften oder Autos.
    Sicherlich braucht man Geld zum Leben, aber Kinder können gute Ideengeber sein.
    Liebe Grüße

  • Nicole/Frau Frieda 8. September 2017 at 10:27

    Wie schön von Dir zu lesen, liebe Liv. Ich habe Dich schon vermisst! Für uns hier ist es unvorstellbar sich mit Tauschen durch's Leben zu schlagen. Aber das weißt Du je selber ;)) Umso interessanter finde ich wieder Deinen Beitrag, den die Frage Deiner Tochter angestoßen hat. Ein Geben und Nehmen ohne den Staat zu bereichern. Ich denke für so kleine Dinge im Leben, wie Brot und Milch, dürfte es kein Problem sein. Ganz liebe Grüße zu Euch. Herzlichst, Nicole

  • Maren 8. September 2017 at 12:06

    Das finde ich ja sehr interessant. Tauschgeschäfte! Das kenn ich hier nur innerhalb der Familie, aber da auch nicht so wirklich als Geschäft. Tolle Sache. Lg Maren

  • Eva-Maria H. 8. September 2017 at 17:00

    Tauschen, warum denn nicht, ich habe in der Schule immer mein Pausenbrot gegen eine gekaufe Brezel getauscht. Meine Butter machte mir immer so schöne Brote mit Kalbsleberwurst und Gewürzgurken drauf. Das wurde von einige Mitschülerinnen beäugt, die Geld bekamen, um eine Brezel zu kaufen.

    Tauschen, das haben meine Großeltern und meine Mutter im Krieg gemacht und manchmal gaben sie den Leuten auch etwas ab, ohne zu tauschen. Aber immer tauschen, das möchte ich dann doch nicht.

    Vermont, ist ja wunderschön, da habe ich mal einen Bericht gelesen und dort ist auch Maria Trapp mit Mann und ihren Kinder sesshaft geworden. Das muß ein Staat sein der mit Österreich viel Ähnlichkeit hat. Deshalb hat sie sich dort niedergelassen.

    Lieben Gruß Eva

  • mano 9. September 2017 at 7:10

    das ist ja wirklich eine sehr spannende geschichte. um solche tauschgeschäfte hab ich mir noch nie gedanken gemacht, weil es das hier so gut wie gar nicht gibt. äußerst verwundert bin ich allerdings darüber, dass man "brot gegen gemüse" in der steuererklärung angeben soll!
    liebe grüße
    mano

  • jahreszeitenbriefe 10. September 2017 at 12:04

    Tolle Frage… Ich tausche sehr gern bzw. lasse mir einen Kreativkurs auch gern mal "in Naturalien" bezahlen, oder früher Formularausfüllhilfe mit frischen Eiern… Heutzutage brauche ich selber Formularausfüllhilfe, meine Güte…, die werden immer dicker. Liebe Grüße Ghislana

  • Sabrina 13. September 2017 at 14:46

    Kluges Kind. 🙂
    Ich finde das immer wieder gut, Dinge zu hinterfragen, die uns eigentlich ganz alltäglich begleiten. Und Kinder sind darin besonders gut.

    Tauschhandel betreibe ich selbst hauptsächlich mit Werkelkram – da möchte ich kein Geld für, aber gerne etwas, das ich selbst nicht herstellen kann (ich kann ja zum Beispiel nicht stricken).

    Liebe Grüße
    Sabrina