Lissabon Reisen Unterwegs

Schneller bergauf…. {Lissabon}

7. November 2016
Die Stadt der sieben Hügel

Lissabon rühmt sich als Stadt der sieben Hügel, so dass sich immer wieder grandiose Aussichtspunkte entdecken lassen – wenn man sich über lange Treppen und steile Gassen dorthin hoch gearbeitet hat.

Gerade bei der Einführung des öffentlichen Nahverkehrs stellten diese geographischen Bedingungen die Verantwortlichen vor große Aufgaben. Die dann sehr kreativ und technisch aufwändig gelöst wurden.
Die ersten „Pferdestraßenbahnen“ Lissabons, die übrigens meist von Maultieren gezogen wurden, konnten bestimmte Stadtteile über die starken Steigungen nicht erreichen.

So wurde eine Art von Standseilbahn (portugiesisch „Ascensor“ = Aufzug) entwickelt, die über Zugseile bewegt wird, anfangs mittels Wasserballast, seit 1910 mit elektrischem Antrieb.

Natürlich werden diese Bahnen, wie hier der Ascensor da Glória (seit 1885, 18% Steigung) heutzutage auch sehr von den Touristen frequentiert.
(Gibt es noch Touris ohne Selfie oder Posieren vor, hinter oder neben der Bahn? Ich meine außer mir…)

 

Der Ascensor da Bica (1892, 19% Steigung) versteckt sich unweit des Tejo Ufers hinter einer Häuserfassade. Wenn Ihr genau hinschaut, seht ihr, dass jede der beiden Wagen der jeweiligen Aufzüge ihr eigenes Gleis haben, die eng nebeneinander verlaufen und nur an den Begegnungsstellen der aufwärts- und abwärtsfahrenden Bahnen weit nach rechts und links ausscheren.

 

 

Die traditionell gelben Wagen werden in neuer Zeit immer wieder Ziele von leider minderbegabten Graffitisprayern.

Zu guter Letzt sind wir nun beim Ascensor do Lavra angekommen, dem ältesten (1884) und steilsten (25% Steigung) der drei nationalen Bahndenkmäler. Und sieh an. Ein bisschen versteckt und nur wenig abseits der Touristenwege darf ich mir tatsächlich einen Sitzplatz aussuchen…

 

Auch die anderen Straßenbahnen, die Eléctricos, der Stadt sind sehr reizvoll und schon lange kein Geheimtipp mehr. Die oft historischen Bähnchen durchqueren teilweise die enge verwinkelte Alfama rattern durch enge Gässchen, oft haarscharf an parkenden Autos und Häuserwänden entlang, hügelauf- und hügelabwärts.
Eigentlich sind sie Teile des öffentlichen Nahverkehrs, aber mittlerweile sind sie vollgestopft mit Touristen… (Deshalb fahren auf diesen Strecken nun auch reine Touristenbahnen).

Von der Vielzahl der Straßenbahnlinien sind nur noch eine Handvoll übrig geblieben. Nach der Einführung der Buslinien 1944, der Metro 1959 und des zunehmenden Individualverkehrs wurden in drei Phasen die Bahnen drastisch reduziert.
Die meisten Bahnen verlaufen hier straßenbündig, hängen also im dichten Individualverkehr schnell fest, was zu massiven Verspätungen führt (einschließlich zugeparkter Gleise…)
Da kann es auch mal passieren, dass drei Bahnen hintereinander zuckeln und dann eine knappe Stunde keine mehr die Haltestelle bedient (seufz).

Hier sind es nur die alten schmalen und kurzen Bahnen, die es schaffen, sich durch die Alfama zu winden.

Und was machen die kleinsten Lissabonner, wenn die Eltern im Park einen Kaffee schlürfen?
Richtig, Eléktrico fahren….
Wenn wir das nächste Mal in Lissabon sind, schaffen wir es vielleicht auch ins Museu da Carris, und schauen uns die ganz alten Gefährte an.

 

  • swig 7. November 2016 at 7:57

    als Kind war mein Lieblingsvehikel auf dem Karussell auch die Straßenbahn 😉
    Liebe Grüße und eine schöne Woche.

  • Astrid Ka 7. November 2016 at 10:01

    Das ist einfach eine schöne Sache…
    LG
    Astrid

  • verfuchstundzugenäht 7. November 2016 at 12:40

    Wenn du jetzt noch einen Tag Fotos zeigst, dann renn ich ins nächste Reisebüro und buche einen Städterip dorthin!

  • gretel 7. November 2016 at 13:05

    Eine wunderbare und heute fast einmalige Sache, diese Bahnen – mögen sie noch lange lange fahren. Fabelhafte Fotos!
    Liebe Grüße

  • Christiane/ "Meine PhotoWelt" 7. November 2016 at 15:35

    …ein sehr interssanter Post und herrliche Fotos! Mein Lissabon-Besuch liegt schon etliche Jahre zurück… Danke für's Zeigen.
    LG Christiane

  • Magdalena 7. November 2016 at 16:02

    Danke fürs Mitnehmen nach Lissabon. Ich war leider noch nicht da.
    LG
    Magdalena

  • Birgitt 7. November 2016 at 16:06

    …wie schön, diese alten Bahnen…da möchte ich gleich einsteigen…und hoffen, dass gerade Keiner falsch parkt ;-),

    dir einen schönen Tag
    Birgitt

  • Friederike 7. November 2016 at 18:30

    diese altertümlichen Bahnen sind überall ein Touristenmagnet…
    in Wien kann man historische Straßenbahnen auch mieten (um zu feiern z.B.),
    "rent a bim" (=Straßenbahn),
    lg

  • kaze 7. November 2016 at 22:02

    Wir waren nur einmal kurz dort, aber das fand ich auch sehr faszinierend.Die Vielfalt so schön eingefangen.
    VG karen

  • mano 7. November 2016 at 23:14

    allein diese wunderschönen alten sitzbänke!!
    liebe grüße#
    mano

  • Nicole/Frau Frieda 8. November 2016 at 5:19

    Ich musste jetzt direkt an "Die Straßen von San Franziska" denken, liebe Andrea. Erinnerst Du Dich an die Serie? Deine Fotos sind einfach klasse. Besonders Bild 6 finde ich toll.. mit dem Gehsteig daneben. Bei Bild 3 gefällt mir der junge Mann.. kicher!! Ganz liebe Grüße, Nicole

  • jahreszeitenbriefe 9. November 2016 at 20:21

    Was für ein atmosphärischer Lissabon-Post, so lebendig und farbenreich. Lieben Dank und Grüße Ghislana

  • Beate Neufeld 20. Februar 2018 at 21:45

    Ui was für ein spannender und interessanter Bericht. Lissabon scheint ein sehr lohnendes Urlaubsziel zu sein.