Blickwinkel Vermont

Nahrungssuche {Blickwinkel Vermont}

16. Mai 2016

Zweimal Post aus Vermont. Einmal für Euch (siehe unten) und einmal für mich.
Zum Muttertag bekam ich eine feine Blume per Mail, so hält sie sich einfach besser, wenn sie aus Vermont /USA geschickt wird;  Purple Trillium (Trillium erectum,) die braunrote dreizipfelige Waldlilie. Ist sie nicht wunderschön?

 

Foraging (Nahrungssuche) und Food Co-ops

Vermont blüht auf, wenn im April/Mai endlich die Kälte vorbei ist. Überall sieht man dann die Vermonter beim Sammeln von Winooskis (einer Bärlauchart, auch Wild Leek, Allium Tricococcum) und Fiddleheads (Farnspitzen, wörtlich übersetzt Geigenköpfe) und beim Arbeiten in den Gemüsegärten, in denen die ersten Löwenzähne, Gräser und Brennnesseln sich der Sonne entgegen recken.

Winooski (die Bezeichnung ist indianischen Ursprungs (Abenaki) und gab einer Landschaft und einem Fluß ihren Namen “Land der wilden Zwiebel”)

In unserem Garten werden die Gräser entsorgt und die Brennnesseln geerntet. Die Löwenzähne bereichern den Speiseplan mit Löwenzahnwurzeltee, Löwenzahnblätter im Nudelsalat und Löwenzahnblüten, die in Pfannkuchenteig gestippt und gebraten werden. Mit
Ahornsirup ist das eine perfekte kleine Zwischenmahlzeit (oder ein Kinder-Picknick).

Kinder sind ganz besonders gut beim Sammeln von Wildpflanzen. Meine beiden lieben es ganz besonders, die jungen Fiddleheads zu ernten. Das sind die zusammen gerollten Knospen einer Farn-Art (Ostrich Fern, Matteuccia struthiopteris)  Aber Vorsicht: ich weiß nicht, ob es in Deutschland diese Farne gibt!

Alle anderen Farn-Arten sind giftig, und auch diese ist nur ganz klein und gekocht oder eingelegt geniessbar!. Hier kann man die zusammen
gerollten Knospen im Frühling in fast jedem Haushalt finden. Sie schmecken wie eine Mischung aus Brokkoli und Spargel. Den Ostrich Fern erkennt man daran, dass die Fiddleheads mit einer braunen Papier-ähnlichen Hülle umgeben sind.

Meine Große findet es besonders spannend, dass vielleicht schon  der Triceratops  Fiddleheads aß (wenn auch ungekocht), denn Matteuccia struthioperis wuchs schon im Mesozoikum.

 

Dann wollte ich noch etwas über die hiesigen Co-ops berichten. Die meisten Amerikaner hier halten Deutschland für viel fortschrittlicher als die USA. In Vielem mögen sie damit recht haben, in einem aber nicht: Hier gibt es eine Bewegung, die in den 70ern begann, aber erst in den letzten Jahren an Schwung und Bekanntheit gewonnen hat, indem sie sich modernisierte: die Locavore Bewegung, deren fester Bestandteil hier die Co-ops sind.
Das sind aus Kooperativen hervorgegangene Läden, in denen man Lebensmittel aus der Region, Bio-Lebensmittel und Hilfsmittel zum Selbst-Herstellen von Lebensmitteln bekommt. Das Besondere: Ein großer Teil des Ladens besteht aus der Bulk Section. Hier .befinden sich viele Behälter mit Lebensmitteln, aus denen man sich bequem abfüllen kann, so viel man braucht.

Man kann einen eigenen Behälter mitbringen, ihn abwiegen, füllen und beschriften. Es gibt aber auch Behälter und Tüten dort. Von Erdnussbutter, Ahornsirup, Vanilleextrakt über Getreide, Mehle, Nüssen, Seegras, Gewürzen und Kräutern bis hin zu Seife, Waschmittel und
Bienenwachs. Man spart so Verpackungen und auch Geld.

In den Co-ops kann jeder einkaufen, aber man spart ein paar Prozent und unterstützt den Co-op, wenn man eine Mitgliedschaft von $10-30 im Jahr bezahlt. In einem solchen Co-op bestelle ich auch Bio-Mehl aus der Region in 25-50 lb Säcken. Auch Fiddleheads kann man hier kaufen.

 

Fiddleheads, selbst eingelegt

 

Die großen Supermärkte haben die Idee aufgenommen und bieten inzwischen auch getrocknete Bohnen, Mehl und getrocknete Früchte zum Selbst-Abwiegen an. Auch Fiddleheads habe ich in einem großen Laden neulich zum ersten Mal entdeckt. Lokale Produkte bekommen ihre eigene Regal-Reihe.

 

Die kleinen Food Co-ops, aus einer Hippie-Bewegung entstanden sind inzwischen also modern, eine erwachsen gewordene Hippie-Idee.

 

Liebe Grüße aus Vermont

 

Liv
  • Himmel Blau 16. Mai 2016 at 5:11

    Also Leipzig scheint da auch schon fortschrittlicher zu werden…siehe den Laden "Einfach unverpackt"…da gibt es alles nur zum Abfüllen. Die Farne zum Essen sehen ja witzig aus…aber ob so etwas schmeckt…;-)? Stelle ich mir irgendwie bitter vor…LG Lotta.

  • Nicole/Frau Frieda 16. Mai 2016 at 10:15

    Vielen Dank für den Hinweis, liebe Liv, dass nicht jeder Farn essbar ist. In Gedanken bin ich schon im Wald gewesen und habe fleißig Farnspitzen gesammelt! Ein wunderschöner und informativer Post. Dankeschön dafür! Liebe Grüße nach Vermont, Nicole
    Und Andrea: Das Blümchen ist wirklich zauberhaft!! Ganz liebe Pfingstgrüße, Nicole

  • Lebensperlenzauber 17. Mai 2016 at 7:47

    Danke für dein wunderbares Teil geben!!!
    Habe deinen Post sehr genossen!!!
    Und dein Muttertagsblümchen ist wirklich wunderschön und hält nun für immer!!!!!
    Herzliche Grüße von Monika*

  • mano 17. Mai 2016 at 15:35

    ach, wäre das schön, wenn hier jedes größere dorf auch so einen coop hätte und ich nicht immer weite kilometer für so etwas fahren müsste!! den hiesigen farn sollte man tunlichst nicht verzehren, aber vielleicht kommt ja mal jemand auf die idee, ihn hier anzubauen ;-)! er sieht nämlich auch so hübsch aus und wäre eine prima alternative zum spargel!
    die dreizipfelige waldlilie ist bezaubernd!
    liebe grüße von mano

  • verfuchstundzugenäht 17. Mai 2016 at 17:31

    Eigene Behälter zum Befüllen mitbringen – das bringt mich zum Schmunzeln. Ich gehen regelmäßig mit Plastik-oder Glasschussel zum fleicher und lasse mir die Wurst dort einfüllen. Mach ich schon lange so, aber einige Verkäuferinnen packen das noch immer nicht. "Soll ich Ihnen noch ein Sackerl drumrum geben?" NEIN!!!!

  • siebenVORsieben 19. Mai 2016 at 14:55

    Da isst du ja allerhand Interessantes. Ein paar Dinge habe ich mir gleich notiert,
    um sie auch mal auszuprobieren.
    Nur schade, dass ich meinen Farn nicht ernten kann. Ich war nämlich direkt Feuer und Flamme und gedanklich schom im Garten (dabei habe ich mittlerweile nur noch einen Farn und auch der ist nicht riesig, also eine große Ausbeute wäre ohenhin nicht zu erwarten gewesen).
    Jedenfalls fand ich es hochinteressant.
    Vielen Dank dafür und liebe Grüße
    Jutta

  • bergblumengarten 19. Mai 2016 at 15:25

    Das erinnert mich sehr an die Unverpackt-Läden, die nun doch zahlreich in Deutschland gegründet werden. Der Vorteil daran ist, dass man keine Mitgliedschaft braucht. In Dresden gibt es einen Bioladen mit Mitgliedschaft, die Biosphäre…dort gibt es dann auch alles billiger.
    Das Trillum ist wirklich wunderschön…:-)
    LG Sigrun