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Daniela Krien: „Die Liebe im Ernstfall“ {Bücher}

27. Februar 2019

(Werbung: Der Verlag stellte mir ein Rezensionsexamplar zur Verfügung. Meine eigene Meinung zum  Buch behalte ich mir vor.)

Am Ende des kurzen Monats habe ich Euch noch interessante Neuerscheinungen mitgebracht.

Der Valentinstag ist zwar bereits vorüber, aber über die Liebe zu reden, passt ja immer noch…  Ich war sehr gespannt, was die Autorin Daniela Krien über die moderne Frauenrolle zu erzählen hat. Ihre Protagonistinnen sind alle im Osten Deutschlands groß geworden und haben den Mauerfall dort miterlebt. Für mich könnten ihre Geschichten aber überall in Deutschland spielen.

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall

Auf dem Cover von Daniela Kriens Roman steht eine Frau selbstbewusst auf einem Sprungbrett, den Blick nach vorne, angespannt. So sind auch die fünf Frauenfiguren, deren Geschichte sie in ihrem Roman erzählt, auf dem Absprung, geben ihrem Leben neue Richtungen.

Liebe ist kein Gefühl.
Liebe ist keine Romantik.
Liebe ist eine Tat.
Man muss die Liebe vom Ernstfall aus betrachten.

Die Buchhändlerin Paula leidet  zusehends in der Ehe mit dem jungen Architekten Ludger. Ihr Mann verändert sich zu einem ökologisch-dogmatischen Besserwisser  und wendet sich von Andersdenkenden  humorlos und selbstbezogen ab. Die Ehe zerbricht mit zunehmender Dramatik. Paula gerät an ihre Belastungsgrenzen.

Immer wieder hatte sie das Gefühl für die Zeit und die Bedürfnisse ihres Körpers verloren, hatte gerade genug gegessen und getrunken, um am Leben zu bleiben.

Seit Kindheit an ist Judith mit Paula befreundet. Die intelligente und selbstbewusste junge Ärztin liebt ihren Beruf und ihr Pferd, mit Männern tut sie sich eher schwer. Mit ihrer schlagfertigen, sarkastischen Art kommt sie bei vielen nicht an.  Sie sucht in Internetforen nach dem Mann des Lebens und wechselt von einer Affäre zu nächsten.

 Sie braucht einen Mann, obwohl sie ihn früher oder später verachten wird.

Raum und Zeit zum Schreiben ist der Schriftstellerin Brida lebenswichtig. Sie „erjagt“ sich den Schreiner Götz, gründet eine Familie mit zwei Kindern. Doch gerade die Kinder und die Vorstellungen von Götz, was eine „behütete Kindheit“ ist, entziehen Brida die Möglichkeit, literarisch tätig zu sein. Es tauchen alte Muster und Regeln auf. Götz hat andere Vorstellungen von seiner idealen Partnerin. Sie

  […]nimmt sich nicht  wichtig. Sie unterstützt mich und stellt die eigenen Bedürfnisse auch mal zurück.

Malika lebte vor Brida mit Götz in einer Beziehung. Nach der Vernachlässigung und Ablehnung durch die eigenen Eltern fühlte sich sich bei Götz endlich aufgehoben. Das Einzige, was die junge Musikerin noch vermisste, war die Rolle als Mutter, die ihr versagt blieb. Nach der Trennung muss sie sich ein neues Leben aufbauen.

Da ereilt Malika ein Hilferuf ihrer Schwester Jorinde. Deren Ehe mit Tobias, der bislang die beiden kleinen Kinder versorgte, ist am Ende. Jorinde kämpft nun an mehreren Fronten gleichzeitig: mit Tobias, einem großen taktlosen und antriebslosen Jungen, der keinen Unterhalt zahlt, dafür aber Druck aufbaut,  mit der Kindererziehung und -unterbringung, den umfangreichen Anforderungen ihrer Karriere und der Tatsache, dass sie von einem prominenten Kollegen schwanger ist. Ihre eigenen Eltern lassen sie hängen. Doch da ist Malika, die die Stärke einer Schwesterbeziehung beweist.

Erzählend tasten sie sich vorwärts, und manchmal kommt es Jorinde so vor, als hätten sie nicht in einer Wohnung mit denselben Eltern gelebt.

Fazit

Die Lebenslinien der  fünf Frauenschicksale sind von der Autorin kunstvoll ineinander geflochten worden. Sie geben sich gegenseitig auch während der einzelnen Geschichten mitunter überraschende Impulse. Die Geschichten werden nicht immer chronologisch erzählt, so werden die Bilder immer wieder mit neuen Eindrücken ergänzt.

Die Geschichten werden vorangetrieben durch die schwierigen Entwicklungen, die die Frauen durchleben. Ihre Suche nach der persönlichen Freiheit und Verwirklichung, der Rolle als moderner Frau zwischen Karriere und Familie konfrontiert sie mit überkommenen traditionellen Vorstellungen. Dabei müssen sie mit Verzicht umgehen, mit den Kräften haushalten und neue Wege betreten.

Es ist nicht nur die Liebe zwischen Mann und Frau, die thematisiert wird, sondern auch die Liebe und das sich wandelnde Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, die immer wieder auftauchen.

Ein intensives Buch, einfühlsam geschrieben, das immer wieder zum Nachdenken anregt.

 

Daniela Krien:
Die Liebe im Ernstfall.
Diogenes Verlag, Februar 2019
288 Seiten

 

  • eva 27. Februar 2019 at 8:10

    Liebe Andrea,
    wenn ich deine Rezension so durchlese, dann zerbricht praktisch in diesem Roman jede Ehe.
    Da muß man schon nachdenken, an was es liegen kann.
    Im Moment gehen hier auch viele Ehen in die Brüche, viele Männer gehen ihre eigenen Wege und die Frauen trennen sich
    Vielleicht ist die Ehe heute auch nicht mehr zeitgemäß und hält nur wenige Jahre.
    Das ist schon nachdenkenswert.
    Lieben Gruß Eva