In den letzten Jahren habe ich den Gegensatz von einem städtischen und einem naturnahen 12tel-Blick-Standort zu schätzen gelernt. Schon mehrfach habe ich Standorte in der Konstanzer Altstadt gewählt, zuletzt am Münsterplatz, davor am Döbele, nicht weit von der Schweizer Grenze, an der Laube, am See und am Obermarkt. Heuer gehen wir mal mittenmang – auf die zentrale Marktstätte und dann auch noch mit dem Kaiserbrunnen im Mittelpunkt.
Unsicher war ich mir noch über den ganz exakten Standort, wie nahe gehe ich heran? Am Ende habe ich mich für die untere Version entschieden. Langweilig wird es nicht, denn der Brunnen ist ein beliebter Treffpunkt. Außerdem kann er so viele Details vorweisen, dass ich immer mal eines unter die Lupe nehmen kann.

No. 1
Konstanz, Kaiserbrunnen
Mittwoch, 21. Januar 2026, 10.40 Uhr, -4 Grad, neblig
Meine erste Sorge war, wie sich hier denn die unterschiedlichen Jahreszeiten bemerkbar machen würden. Naja, die fünfte Jahreszeit ist ja schon mal durch die Bändele deutlich wahrzunehmen. Schon früh befand sich auf der Marktstätte ein Brunnen. Als dieser baufällig wurde, ersetzte man ihn 1897 durch den von Hans Baur gestalteten Kaiserbrunnen. Gleich vier Kaiser wurden dargestellt: Heinrich III., Friedrich I. (Barbarossa), Maximilian I. und Wilhelm I. Während des 2. Weltkriegs verlor der Brunnen jedoch den ursprünglichen Figurenschmuck. Dieser wurde demontiert, eingeschmolzen und fand in der Rüstungsindustrie Verwertung.
Der Brunnen wie er heute dort steht, wurde am Anfang der 1990er-Jahre von den Bildhauern Barbara und Gernot Rumpf mit Augenzwinkern und vielen kleinen und feinen Anspielungen auf die reiche Konstanzer Geschichte neu gestaltet. Das werden wir in den kommenden Monaten gemeinsam erkunden.
Das Grau des Himmels war leider typisch für die letzten drei Monate. In der Stadt fällt das ja nicht so auf…

Da hatte ich bei meinem Naturstandort mehr Glück. Gleich am Monatsanfang bei blauem Himmel und Schnee habe ich mich auf den Weg begeben. Mein Wunschstandort lag ja fest, allerdings hat er so seine eigene Tücken.
Zum einen wird hier auf dem Bodanrück gerade auf Waldflächen des Landes überall geholzt, als gäbe es kein Morgen mehr (sprich, alles was ich nicht mehr mit beiden Armen umfangen kann, wird gefällt). Dann ist hier auch noch ein tierischer Holzfreund unterwegs, der nach eigenen Gusto seinen Arbeitsbereich umgestaltet.

Jetzt ist es klar, wir sind auf dem Weg zum “Biberteich”. Offiziell heißt das Feuchtgebiet “Mittlermoos”, aber die Bezeichnung kennt vermutlich hier eh kaum einer.
Also: ich weiß nicht, was hier im Laufe des Jahres am Ufer alles so zuwächst. Und ich bin nicht gefeit vor Überraschungen von Seiten des Bibers. Aber das gehört ja beim 12tel-Blick dazu: you never know…

No. 2 a
Am Biberteich
Montag, 5. Januar 2026, 14.58, -3 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein
Perfekt, der Weiher ist zugefroren und eine Schneeschicht liegt obendrauf. Es ist herrlich still hier, nur der Schnee knrischt unter den Schuhen.
Vor mir liegt ein Baumstamm. Ich hoffe, er bleibt so wie in den Vorjahren so liegen, denn zu Verwenden ist er eh nicht. Außer natürlich für Herrn Flint, der den Ausguck gleich nutzt.

Das ist mein erster Blick hier. Damit nichts schief gehen kann, laufe ich ein Stück weiter…

Diese Stelle war früher viel besser erreichbar, aber es wurden am Ufer in den letzten Jahren viele schöne alte Bäume umgemacht. Stattdessen haben sich dann Brombeeren das Ufer erobert. Inzwischen ist hier ein neuer Baum gesetzt worden, der allerdings durch ein Gitter vor dem Biber geschützt werden muss. Noch können wir diesen Zugang nutzen. Ob das so im Jahreslauf bleiben wird, vermag ich nicht zu sagen.

Irgendwer war hier auf dem Eis unterwegs. Flint ist das natürlich strengstens untersagt.

So, das ist ein weiteres Foto direkt vom Ufer. Mal sehen, wie lange ich von diesem Standort fotografieren kann.

No. 2 b
Am Biberteich
Montag, 5. Januar 2026, 15.08 , -3 Grad, blauer Himmel, Sonnenschein
Man sieht, wie der Weiher am Nachmittag im Schatten liegt. Die ganze Gegend hier ist reich an Feuchtgebieten und Flachmooren nebst geschützter Pflanzen- und Tiergesellschaften.

Zum Abschluss noch einen kleinen Eindruck von den eindrucksvollen Arbeiten des Bibers.

Ich hoffe, dass wir uns wie in den letzten Jahren wieder auf dem Blog “verfuchstundzugenäht” treffen werden. Mein Dank geht schon einmal hinüber nach Niederösterreich zu Eva.


2 Kommentare
Spannend, spannend! Vor allem der Biberteich, viel mehr als die Stadt! ( Immerhin erinnere ich mich an den Platz. )
GLG
Astrid
Fasnet und der Kaiserbrunnen, als Konstanzerin freue ich mich auf die Jahresverlaufsbilder, insbesondere da ich nicht mehr in Konstanz wohne und es nicht so oft selbst sehe.
Biber gibt es im Hegau auch, selbst der kleine Fluß dort heißt Biber, den ich hatte ich letztes als Motiv.
Wir lesen uns bei Eva, ich freu mich drauf.